1992 – Mit Rucksack durch Italien

Vor drei Jahren habe ich einen Italienisch-Kursus mitgemacht und hatte vor, die dort erworbenen Sprachkenntnisse im Sommer darauf praktisch in Italien anzuwenden. Aber vor der Fuβball- weltmeisterschaft 1990 musste ich passen. Deshalb wanderte ich in den Cevennen und im letzten Jahr war der Umbau meiner Wohnung dran. Aber nun soll es im dritten Anlauf endlich klappen. Ich will in sechs Wochen mit Rucksack, per Bahn, im Bus und zu Fuß durch Bella Italia reisen.         

Die ersten beiden Stunden sind grausam! Dabei hat der Morgen so schön begonnen. Um kurz vor sieben wache ich in der funkelnagelneuen Jugendherberge von Assisi auf und zwar vom Bimmeln der Glocken – das nicht von einer der unzähligen Kirchen, sondern von der Schafherde stammt, die quasi unter unserem Fenster weidet. Außerdem weckt mich das sanfte Schaukeln meines Bettes, weil sich die im Bett unter mir liegende, sehr beleibte Dame aus dem ihren wälzt. Also klettere ich mein rot lackiertes Leiterchen hinab und stoße das Fenster weit auf. Ah ! Hier wird es ein herrlicher Tag werden, nicht wie in Paris, wo es sicher, wie an jedem Nationalfeiertag, in Strömen regnen wird.

Es wird sicher heiß werden,  also schnell unter die Dusche und ab zum Frühstück. Alles ist geradezu klinisch sauber und in der Dusche ist gut Platz. Aber was macht man mit seinen Sachen, während man duscht? Nirgends ein Haken zum Aufhängen und am Boden muss logischerweise alles nass werden. Ich löse das Dilemma, indem ich Handtuch und Anziehsachen oben über die Tür werfe und die Kosmetiksachen im Plastikbeutel in den weit entferntesten Winkel der Dusche kicke. Aber befriedigend ist das nicht. Das Frühstück ist frugal: eine Tasse Tee, zwei Scheiben Brot, ein winziges Stück Butter und ein Döschen Marme- lade. Wie immer gehen mir diese abgepackten  Sächelchen  auf den Wecker. Wo sind die Zeiten hin, da man in einer Jugendherberge ein ganzes Stück Butter und ein Marmeladenglas auf einen Achtertisch stellte?

Um 8 Uhr liefere ich meine Bettwäsche ab, bekomme meinen Ausweis und einen Beleg für die italienische Steuer über sechzehntausend Lire (gleich achtzig Francs gleich fünfundzwanzig Mark ) – und stehe eine Minute später tief durchatmend auf der Straße, die den Hang nach Assisi hinaufführt. Es geht also wirklich los! Die übliche Panik der letzten Tage und die Bemerkungen meiner lieben Freunde  klingen noch einmal an: «  Ist ja völlig verrückt, was du vorhast. Schließlich hast du ja alles italienisch wieder vergessen. Warum nicht lieber erst noch mal einen Kursus mitmachen? Und dann wieder alleine ! Was ist, wenn du nun ausgeraubt wirst? « Und so weiter, und so fort.

Alles das ist jetzt ist vergessen und der Rucksack drückt vertraut. Allerdings habe ich diesmal, meinem Rücken zuliebe, nur zehn Kilo im Sack und meine Wanderschuhe laufen fast wie von alleine los. Die Jugendherberge liegt etwas außerhalb von Assisi, das ich mir gestern Abend im letzten Sonnenschein noch angesehen habe. Ich muss, der Karte nach, erst einmal durch den Olivenhain zur Fahrstraße hinauf und dann zur Porta Cappuccini, unweit des Restaurants wo ich gestern dieses herrliche Kaninchen in einer Soße mit zwölf Kräutern gegessen habe. Ich gehe also los, durch die Oliven zur Straße hin und dann an deren Rand entlang. Tapfer ignoriere ich die schweren Laster, die an mir vorbei donnern, und die ewig hupenden Mopeds.

Erst fünfzig Minuten später stehe ich an den Toren der Stadt, von wo aus der Wanderweg über den Monte Subasio nach Spello losgehen soll. Aha, da steht ja auch ein Schild « Santio delle Carceri ». Es stimmt, an dieser Eremitage muss ich vorbei. Aber offenbar ist meine Karte doch nicht so genau wie erhofft, denn ich sehe keine roten oder sonst wie farbigen Zeichen. Seufzend und meinem guten französischen Wanderführer nachtrauernd, mache ich mich auf den Weg, weiter diese verdammte Fahrstraße entlang, gegen die Sonne blinzelnd, den Schatten jedes Baumes ausnutzend, denn es ist schon sehr warm. Über eine Stunde brauche ich, bis ich, total genervt und schweißgebadet, vor dem Ansichtskartenkiosk des Klosters stehe und mich erkundige. Gott sei Dank darf ich in meinem Aufzug, nämlich Shorts und T-Shirt, sowieso nicht hinein und das ist mir heute Morgen auch ganz recht, denn Kirchen habe ich in der Toskana in den letzten Tagen schon ein paar gesehen und sicher wird es ihrer im restlichen Italien auch nicht ermangeln. Und heute wollte ich ja nun mal wandern— aber verflixt noch mal nicht auf einer Teerstraße.

Nachdem ich stammelnd vorgebracht habe, was ich möchte, sicherlich mit mindestens zehn Fehlern in acht Wörtern, versichert mir der Mann am Kiosk galant, dass ich vorzüglich italienisch spreche, aber er könne mir auch nur in etwa die Richtung weisen, in der der Wanderweg « Cinquante » liegen soll. Er sieht allerdings auch nicht so aus, als ob er sich je aus seinem Stand anders als im Auto entfernt hätte. Immerhin stimmt die Richtung, die er mir gewiesen hat, denn nur fünf Minuten später biege ich endlich von der Straße ab und dann ist auf einmal alles ganz einfach. Die auch hier rot-weißen Streifen weisen mir den Weg durch wunderbaren Mischwald hinauf zu von Schmetterlingen umschaukelten Blumenwiesen und zum « Rifugio di Vallonica ». Es sind nur zwanzig Minuten und der Weg ist herrlich!

Oben angekommen, werde ich mit einer wunderbaren Aussicht auf das Tal und die Stadt Assisi belohnt! Das Jubeln der Lerchen entschädigt mich für das Fliegenheer, das sich mit geballter Macht auf mich stürzt, in Anbetracht der Tatsache, dass ich für sie die einzig verfügbare Kuh in der Umgebung  bin. Ich versuche, sie zu überreden, sich doch der weiter oben weidenden Herde zu widmen, leider vergeblich. Und so habe ich derartig mit Schauen, Horchen, und Um-mich-Schlagen zu tun, dass ich eine Stunde später zwar nicht die Richtung, aber doch den Wanderweg verloren habe und fluchend umkehren muss.

Es ist doch immer dasselbe! Jedes Mal am ersten Wandertag passiert mir das und immer wieder vergesse ich es übers Jahr! Als ich das erkannt habe, ist meine schlechte Laune auch schon verflogen und gar nicht lange darauf finde ich die kühle Fontana Bregno und dicht bei ihr auch wieder die rot-weißen Zeichen des Wanderwegs. Von jetzt an geht’s auch nur noch bergab, an blühendem duftendem Ginster vorbei, an Wacholderbüschen entlang und durch Eichenwald bis knapp vor Spello. Inzwischen ist es fast 14 Uhr und ich muss eine ausgiebige Siesta unter einem Baum einlegen, denn es ist grausam heiß und diese fast sechs Stunden Wandern « aus dem Stand »  waren doch etwas viel für Füße und Rücken.

Nach einem kleinen Picknick und einer Stunde Schlaf stehe ich kurz vor vier Uhr mit möglichst hilflosem Gesicht und aufgeschlagener Karte, den Ruck- sack bei Fuß, an der Fahrstraße kurz vor Spello. Und richtig, es klappt auch hier wieder: ein Landrover hält und einer der zwei Italiener fragt mich, was los sei. Ich sage ihm, dass ich mir so gerne Collepino  angeschaut hätte, das in meinem französischen « Guide du routard » als besonders hübsch ausgewiesen ist, aber ich sei nach sechs Stunden Wanderung einfach zu müde, um die fünf Kilometer noch zu schaffen. Er berät sich kurz mit seinem Begleiter und sagt mir dann, dass ihr Auto ein offizielles Fahrzeug sei. Sie führen wohl zur Arbeit in die Richtung von Collepino, dürften mich aber leider nicht mitnehmen. « Mi dispiace – tut mir leid. »  Na und mir erst! Die Enttäuschung meines Blickes spricht offenbar Bände, denn er lässt sich erweichen und öffnet mir die Tür. Auf der nur Minuten dauernden Fahrt kriege ich raus, dass die beiden Physiobotaniker sind, also auflisten, wo welche Pflanzen in Italien wachsen. Beide sind aus Umbrien und weisen mich auf die riesigen Olivenhaine hin. Als ich etwas von « Olio Sasso » murmele, rufen beide unisono « questo é meglio »– dies hier ist aber besser! Offenbar blüht auch in diesem Land der Lokalpatriotismus. In Collepino angekommen, lasse ich meinen Rucksack auf der Terrasse der einzigen Dorfbar mit herrlicher Blumentreppe unter Aufsicht von drei Japanern und gehe, um mir das Dörfchen anzusehen. Es ist kaum auf „hübsch“ zurechtgemacht und wir vier Ausländer sind dann auch, abgesehen von einer italienischen Familie, die einzigen Touristen hier. Die Japaner stellen sich übrigens als Koreaner heraus und bringen mich wieder nach Spello hinunter. Die Männer versuchen ein Gespräch, die Frau hält sich vornehm zurück, nachdem sich erwiesen hat, dass wir denselben Beruf haben, sie aber eine « cantante lirica » sei, also eine klassische (sprich „seriöse“) Sängerin, wie sie betont. Alle drei wollen etwas über das neue Disneyland von Paris hören und sind sehr verwundert, dass ich weder da war noch vorhabe, mir dies demnächst anzuschauen.

Nach einem Rundgang durch das romantische Spello lasse ich mich aufatmend auf einer Bank an dem von Kastanien umsäumten Hauptplatz nieder, stelle den Rucksack ab und sehe mir das Leben hier an: den mit Verkäuferinnen aus dem Andenkengeschäft flirtenden Polizisten, der es trotzdem fertig kriegt, den Verkehr zu überwachen und Leuten wie mir Auskünfte zu erteilen; die friedlich in der Nachmittagssonne dösenden alten Männer, das nach einem gelato quäkende Kind… Herrlich.

Eine Stunde später tauche ich ein ins Gewühl und den Lärm von Foligno, wo ich einkaufen muss, nachdem ich meine Sachen im Schlafsaal der in einem alten Kloster untergebrachten Jugendherberge gelassen habe. Jedes Jahr vergesse ich auch die Taschenlampe wieder, das ist schon Tradition. Außerdem brauche ich dringend eine Creme gegen die beißenden und juckenden Mückenstiche, mit denen ich geradezu übersät bin, und ich muss zur Post, um die ersten Ansichtskarten aufzugeben.

Zwischen 7 und 8 Uhr abends ist offenbar jede italienische Kleinstadt auf den Beinen, um eine “Passegiata“, den traditionellen Abendspaziergang zu machen, vor allem was die jungen Leute angeht („Man sieht sich“). Ich fühle mich total darüber stehend, weise und abgeklärt – oder vielleicht bin ich schlicht zu müde, um auf Blicke oder Zurufe zu reagieren? Jedenfalls bin ich nach einer überbordenden  Pizza mit Salat, einem Viertel Wein und nur zwei Zigaretten um 10 Uhr im Bett und schlafe trotz der einundzwanzig  Amerikanerinnen, mit denen ich das zweifelhafte Vergnügen habe, den Schlafsaal zu teilen. Das sind vielleicht verrückte Weiber! Aus meinem Bett heraus sehe ich mir den Aufmarsch dieser überdurchschnittlich groβen  USA- Mädchen an, die sich wohl „landfein“ machen: die Skala reicht von „heißen Höschen“ über Flower- Power Hemden bis zum indischen Seidenkleid mit riesigem Strohhut samt schwarzer Taftschleife  –  alle Stile durch. Und ich kann schon wieder grinsen. Nachts um 12 Uhr muss ich allerdings energisch um Ruhe bitten und komme nur mit meinen Ohrenstopfern zum Schlafen.

Die Dusche erweist sich hier als so betagt wie der ganze Bau, in dessen Hof übrigens ein schöner Kreuzgang mit Fresken sein tristes Dasein fristet. So begnüge ich mich mit Katzenwäsche und lasse den lauwarmen Tee im Pappbecher stehen, um mir lieber auf dem Markt Obst zu kaufen. Das gibt es hier reichlich und vielfältig, aber in Italien herrscht ein sehr verwirrendes System: einige Preise sind fürs Kilo angeschrieben, andere fürs Pfund (mezzo kilo) und noch andere nur für hundert Gramm (l’etto). Der Obstmann vertraut mir und das finde ich sehr schön! Ich habe nämlich nicht mehr genügend Geld und die Bank macht erst um halb neun auf. „Fa niente“, macht nichts meint er gemütlich, ich könne  ruhig das Obst mitnehmen und später wiederkommen, um es zu bezahlen. Was ich auch tue, nachdem ich in einer höchst langwierigen Prozedur auf meine doch immerhin in Lire ausgestellten Travellerschecks endlich Geld bekommen habe. Soviel Vertrauen in eine Fremde hätte kein Pariser Händler. 

Ja, sagt später der junge Doktor neben mir im Zug, das sei nun mal so in Italien, nichts gehe hier besonders schnell. Auch einen TGV wie in Frankreich gäbe es nur auf der Hauptstrecke nach Rom. Es stimmt leider: für die ungefähr zweihundertfünfzig Kilometer nach Ascoli Piceno, wo die nächste Jugendherberge auf mich wartet, werde ich fast den ganzen Tag brauchen. Aber was soll’s. Die Fahrt durch Umbrien ist wundervoll und abwechslungsreich. Gelbbraune, schon abgeerntete Kornfelder wechseln sich ab mit grünen Mais- und Tabakfeldern, malerisch unterbrochen von riesigen Sonnenblumenfeldern. Darüber steht ein  wolkenlos seidigblauer Himmel und auf jedem Hügel sieht man ein noch von keinem Neubau verschandeltes altes Dorf oder Städtchen, in das die Plastikwelt Gott sei Dank noch nicht vorgedrungen ist. Jedenfalls sieht es von weitem so aus.

Einige Vorurteile stimmen leider doch. Das muss ich am nächsten Tag feststellen, an dem ich mehrmals in Heikes Auto „mitbremse“, ängstlich die Luft anhaltend. (Sie hat mir gestern Abend in der JH einen Platz in ihrem  Auto angeboten). Die Italiener fahren im Süden wirklich ohne Rücksicht auf irgendwelche weißen durchgehenden Linien oder entgegenkommende Fahrzeuge. Stoppzeichen oder andere Verkehrsschilder dienen nur der Dekoration der Umgebung und das Touristenfahrzeug wird auf alle Fälle erst einmal angehupt, egal, ob es im Unrecht ist oder nicht. Leider Gottes lässt sich das junge Mädchen, das über Griechenland nach Jerusalem reist und dort ein Jahr studieren will, von der Raserei ab Foggia anstecken, bis ich energisch erkläre, dass wir genug Zeit hätten, und ich gerne in Bari lebend ankommen würde. Dabei war die Fahrt bisher eigentlich sehr schön. Aber der Verkehr auf der SS sechzehn ist sehr dicht wegen der vielen Laster, die wie wir die Autobahngebühren sparen wollen.

Links liegt die Adria, rechts die sich mehr oder weniger dicht an die Straße heran schiebenden letzten Ausläufer der Abruzzen, die ich mir auf diese Art und Weise schon einmal von weitem anschaue. Bis auf die Höhe von Termoli ist die Landschaft sehr abwechslungsreich. Danach wird sie eben und öde. Erst als Trani in Sicht kommt, erwacht mein Interesse wieder, da das Stadtbild schon von Ferne ein radikal anderes ist. Anstatt der ockerfarbenen oder gelblich braunen Häuser gibt es hier nun kastenförmige blendend weiße Gebilde, eher wie in Griechenland oder in Afrika. Ein Eindruck, der sich am Ende des Nachmittages in der « citta veccia » von Bari noch verstärken wird. Nach vierhundert Kilometern hat mich Heike netterweise in der Jugendherberge von Bari Palese, unweit des Flughafens, abgesetzt. Während ich eine Dusche nehme, mache ich mich mit der Tatsache vertraut, dass ich in einem Heim für leicht Geistesgestörte gelandet bin. Das finde ich nun doch reichlich merkwürdig, zumal der Direktor – denn « Herbergsvater » kann man zu einem jungen Mann von fünfunddreiβig schlecht sagen – das abstreitet und behauptet, die Leute seien ganz normal und machten hier Ferien. Auch bekomme ich einen Schlüssel für mein Acht-Bettzimmer, in dem ich alleine sein werde, was absolut unüblich ist.

In meinem Führer ist Baris Altstadt als eine der interessantesten aber, was den Diebstahl angeht, gefähr- lichsten von ganz Italien ausgewiesen. Entsprechend ziehe ich mich an: trotz der Hitze lange Hosen mit Taschen, formloses Sweatshirt, Brille. Nur ein Portemonnaie und den Ausweis in der Tasche und die Hand darauf. Kein Fotoapparat und keinen Schmuck, nichts, was die « scipatori », die Taschendiebe, anziehen könnte.

Ich frage mich zur Basilika San Nicola durch, die sicherlich eine der schönsten ist, die ich je gesehen habe. Weihrauch mischt sich mit Lilienduft, der von den riesigen Sträußen ausströmt, mit denen der Altar ge- schmückt ist. In der Krypta rühren mich ein kleines Mädchen und seine Großmutter, die in andächtigem Schweigen vor dem Grab des « echten » heiligen Nikolaus verharren, der drei Kinder vor dem Schlachter rettete bzw. sie wieder zum Leben erweckte.

Dagegen finde ich die Kathedrale mit der dunklen Balkendecke längst nicht so schön und begebe mich lieber auf meinen Rundgang durch die « medina », die fast genauso gut in Casablanca oder Tunis stehen könnte. Alles ist genau wie auf den Postkarten abgebildet: die hängende Wäsche, die schwatzenden Leute auf den Stühlen vor der Tür und die jungen Männer auf den Mopeds, die mich verstohlen mustern und die schnell wegschauen, wenn ich ihnen gerade in die Augen sehe.

Von den Alten wird mein Gruß überall freundlich erwidert und ich habe den Eindruck, dass die Leute es satt haben, abfotografiert zu werden, aber sofort auftauen, wenn man sie normal höflich wie Menschen behan- delt. Es gibt auf dem Kaufmannsplatz, der « piazza mercantile », kein einziges Café, denn hier wird gearbeitet, genau wie im modernen, lauten, überfüllten Bari « nebenan », welches ich mir ebenfalls anschaue. Und siehe da: Hier werde ich viel mehr von Möchtegern-Casanovas belästigt als in der verschrienen Altstadt! Trotzdem ist es hübsch, sich so herrlich terminlos treiben zu lassen und einen Schwatz mit den Busfahrern zu halten, bei denen ich mich erkundige, wie ich abends wieder hinaus nach Palese komme. Dann schaue ich dem Straßentheater vor der Universität im Park zu und esse später in einem Kellerlokal, das in meinem Führer angegeben ist, gut und sehr günstig. Ich muss allerdings sagen, dass ich an Dekor schon etwas Freund-licheres gesehen habe. Aber ich bin hochzufrieden mit meinem Besuch in dieser Stadt und mit der Tatsache, dass ich den Bus zurück in die Jugendherberge nicht zu bezahlen brauche. Der Fahrer sagt mir nämlich, dass er « für Jugendliche unter dreiβig, die nur eine Nacht in Bari verbringen » frei sei. Kann man galanter sein?

Am nächsten Morgen möchte ich mich wutschnaubend  bei der Direktion der Jugendherberge beschweren. Ich wurde nämlich um halb fünf morgens von Tellerklappern geweckt und das ist nun wirklich zu viel des Guten! Ausnahmsweise habe ich einmal ein Zimmer für mich alleine und schon wieder muss ich wegen des Lärms zu den Ohrenstopfern greifen! Gott sei Dank konnte ich noch einmal für zwei Stunden einschlafen. Danach wurde ich wieder von lautem männlichem Geschnatter geweckt. Beim Frühstück in dem an mein Zimmer angrenzenden Speisesaal erfahre ich von einem Medikamente (!) und Kaffee austeilenden Mann, dass er Nachtdienst hatte. Später werde ich in dem Büro des Direktors, wo ich bezahle, auch den Monitor sehen, der nachts die Flure überwacht. Nun kann ich mir den Rest denken. Diesem Mann war um halb fünf einfach langweilig und da hat er schon mal den Frühstückstisch mit Tellern und Besteck beschmissen, denn anders  ist der Krach nicht zu erklären. Ich lasse mir den Namen des nicht in Erscheinung tretenden Leiters geben und verstehe nun auch, warum mitten in der Hauptsaison diese Jugendherberge so leer ist. So etwas spricht sich schnell herum  – es ist eine Unverschämtheit!

Eine gute Seite hat aber die Sache auch. Ich kann nämlich in Bari den ersten Zug erreichen und bin schon um 10 Uhr morgens in Ostuni, der Stadt, die mitten im

„Absatz des Stiefels“ liegt. Sie wird città bianca, die weiße Stadt genannt. Sie ist auf drei Hügeln gebaut und einer davon sieht griechischer aus als eine Stadt in Griechenland. Die Sonne bringt das das Weiß der Häuser so zum Gleiβen, dass mir die Augen trotz Sonnenbrille weh tun. Ich spaziere durch das Städtchen und genie- ße den herrlichen Blick über die mit Oliven bepflanzte Ebene bis hin zum Meer. Dann kaufe ich mir Obst in einem kleinen Laden. Da werde ich zum ersten Mal angeschmiert, weil ich zuerst nicht aufpasse. Als ich noch vor dem Laden Halt mache und umkehre, weil mir die Summe doch zu hoch erscheint, schiebt die Frau die Schuld auf ihren Mann, der sozusagen falsch verstanden hat, und ich bekomme auch richtig tausend Lire wieder heraus. Ich bin aber überzeugt, dass sie immer noch einen guten Schnitt gemacht haben. Ab jetzt werde ich aufpassen!

Dieses kleine unangenehme Erlebnis wird aber durch die Nettigkeit des Busfahrers, mit dem ich nach Martina Franca fahre, wieder wettgemacht. Er bietet mir, nachdem er die beiden anderen Mitfahrerinnen quasi vor deren Haustür abgesetzt hat und wir somit den Bus für uns alleine haben, eine Zigarette an und er hält extra für mich an einer Quelle, damit ich trinken und mich erfrischen kann, denn es ist  wieder schwül und heiß geworden. Er bestätigt mir auch, was ich schon ahnte, dass nämlich diese ganze Gegend Süditaliens, Apulien genannt, gar nicht arm ist. Die rote Erde der Ebene ist schwer und reich, bringt Oliven, Wein und Obst hervor und die Trullis, diese lustigen Steinhäuser mit Dächern wie Zipfelmützen, bringen die Touristen hervor….

Allerdings sind letztere wegen des schlechten Wetters und der allgemeinen Preisteuerung in Italien weitgehend aus- geblieben, was mir nur recht ist. In Alberobello, wo ich, da es keine Jugendherberge weit und breit gibt, mein erstes Albergo aufsuche, stürzt sich die ganze Familie auf mich. Ich bin offenbar ihr erster Gast heute. Der große Sohn bringt mir den Rucksack hinauf ins Terrassenzimmer. Es ist sehr schön mit einem großen Bett, Fernseher, Bad und Toilette für neunzehntausend Lire (das sind hundertachtzig Francs oder fünfundfünfzig  Mark) – ohne Frühstück allerdings. Die große Tochter macht eigens für mich noch einmal die Dusche sauber und bringt mir Seifenpulver, damit ich meine Sachen waschen kann. Der Papa bedauert, dass ich erst ab 18 Uhr heiß duschen könne. Aber ich müsse verstehen: c’é automatico. Die Mama hofft, dass ich abends bei ihnen essen werde. Leider erweist sich diese cena, das Abendessen, als wirklicher Reinfall, denn es ist banal und teuer. Aber auch ein Reiseführer darf mal irren und nachdem ich es mir in meinem großen Bett so richtig gemütlich gemacht habe und mir im Fernsehen ein paar Minuten lang die Assistentinnen der TV- Moderatoren, samt und sonders mit langen Haaren und groβen Busen ausge- stattet, angesehen habe, wende ich viel lieber dem Genuss der Prosa Heinrich Manns zu.

So hübsch diese „zona monumentale dei Trulli » auch ist, so gehen mir doch die unzähligen fürchterlichen Andenkenläden gegen den Strich.

Ich ziehe entschieden die nicht zurechtgemachten Häuser der Umgebung vor, die ich aus dem Fenster der Bimmelbahn, die mich nach Tarento bringt, noch einmal ansehe. Manche der grauen Steindächer sind mit weißen Tupfen, andere mit kaballistischen Zeichen geschmückt. Ich genieße es, bei dieser Hitze ganz alleine im Waggon zu sein. So kann ich, ungestört von irgendwelchen Bemerkungen, den Kopf aus dem Fenster stecken, mich abkühlen und mich wie ein Kind am verbotenen Tun freuen.

Als ich etwas später in die Fahrerkabine hineinluge, werde ich sofort vom Zugführer freundlich herein komplementiert und darf dort den Rest der Reise mitfahren. Ich kann jetzt sehr gut verstehen, dass so viele Jungs Lokführer werden wollen, denn man sieht einfach mehr von der Landschaft aus diesem Panorama- fenster! Auch hier nimmt sich der « große starke Italiener » ritterlich der für ihn kleinen schwachen Pariserin an und sorgt dafür, dass sie in den richtigen Bus nach Salerno umsteigt. Diese Buslinie wird die « linea brutissima » genannt, die schlechteste Linie Italiens. Ich habe sie mir extra deshalb ausgesucht, weil ich so Bari und Foggia vermeide und etwas für mich Neues von der Landschaft, der Basilikata, sehe.

Diese legt sich malerisch gefaltet wie eine alte Krokodilhaut um die Straße, die nach Potenza führt. Es ist eine sehr trockene, sandige Gegend und nur der Fiume Basento ist hin und wieder zu sehen, denn neben seinem Flussbett fahren wir. Kurz vor Potenza reckt der imposante « Passo Croce di Scrivano » seine tausend  Meter hohen Spitzen und Haken in die blaue Luft. Dann geht es bergab, dem Golf von Salerno entgegen. Mir wird froh ums Herz bei all den Ausblicken zwischen zwei Bergzügen. Rechts hinter Picero erahnt man die Via Appia und von links schieben sich immer höhere Berge von Kalabrien heran. Unser Busfahrer fährt hervorragend und ist auf die Minute pünktlich bei jeder stazione, wo er einen Stempel auf sein Begleitpapier bekommt. Trotz des Aufenthaltes an einer Unfallstelle – ein junger Mann hat sich böse mit dem Auto überschlagen und liegt blutüberströmt am Straßenrand – schafft der Fahrer es, dass wir alle noch den Zug in Battapaglia nach Neapel bekommen und um halb neun bin ich in der Jugendherberge von Salerno.

Dort gibt es wieder eine Überraschung: ich soll außer den  fünfzehntausend Lire fürs Bett, Dusche und Früh- stück noch tausend Lire pro Laken und fünfhundert Lire für den Kopfkissenbezug zahlen! Ich weigere mich ganz entschieden, rege mich auf und beweise klipp und klar mit dem Handbuch der JH, dass die Miete der Bettwäsche überall obligatorisch ist. Man DARF gar nicht in seinen Schlafsack ohne Bettwäsche. Nach- dem ich drohe, mich bei der obersten Leitung zu beschweren, werden die schönen blauen Augen des jungen Mannes an der Rezeption noch größer, als sie so schon sind, und er sagt zu mir in gutem Deutsch : » Sie sind sehr böse, ja ? «

Da muss ich schon wieder lachen und schlussendlich scheiden wir als Freunde, da er mir nicht nur die Laken umsonst gibt sondern auch das Frühstück noch abziehen will, weil ich morgen früh schon um 8 Uhr mit dem Bus weiter will.  Am Sonntag gibt es aber die « collazione » erst um halb neun. Er gibt mir noch einen guten Restaurant-Tipp mit auf den Weg und dort bekomme ich ein feines Abendessen für nur elftausend  Lire (55 FR, 17 DM). Es besteht aus minestrone, pesce misti,  also gemischten Fisch mit Salat, Wein und Mineral- wasser. Der Weißwein und der Rosé  in der Karaffe, also der vino locale, sind übrigens überall sehr ordentlich und prickeln ein bisschen.

Welch eine Überleitung ! Prickelnd spritzt nämlich auch das Wasser aus dem Rasensprenger vor dem Tempel des Neptuns  in Paestum, der – Goldener Schnitt hin oder her – wirklich besonders schön und gut erhalten ist. « Ventum est iucundum » war mein erster lateinischer Satz: der Wind ist angenehm. Ich kann die Römer durchaus verstehen, dass sie sich diesen herrlichen Platz unter den Nagel gerissen haben, denn die leichte Brise hält die Hitze hier in erträglichem Rahmen. Schlimmer ist es im Bus, auf den wir sage und schreibe 45 Minuten warten müssen, so furchtbar ist an einem Sonntagmorgen im Juli der Verkehr auf der Küstenstraße zwischen Neapel und Paestum. Alles zieht mit Kind und Kegel ans Meer. Dafür ist das ungefähr fünfzehn Quadratkilometer große Gelände der Tempelstadt quasi leer, höchstens hundert Leute ergehen sich zwischen blühenden Lorbeer- und Rosensträuchern. Ein paar Toga tragende Jünglinge würden sich gut im Dekor machen…

Auch im hochmodernen, sehr angenehmen Museum nebenan ist der einzige dort vorhandene schöne Mann, der in den ewigen Jungbrunnen des Todes eintaucht, doch immerhin schon zweitausendfünfhundert Jahre alt. Trotzdem bin ich hochzufrieden mit diesem Einblick ins alte Griechenland, zumal die erst 1968 entdeck- ten Grabmalereien mir besonders gut gefallen, weil sie so einfach in Form und Farbe sind.

Da mein Bus zurück nach Salerno aber erst in anderthalb Stunden fährt, versuche ich es, halb aus Spaß, mit Trampen. Witzlos an einem Sonntagmittag ! Es sind im wahrsten Sinne des Wortes unheimlich viele Männer alleine unterwegs (die Signora bereitet natürlich am heimischen Herd die Pasta vor) und da verbietet sich das Zusteigen von selbst. Die Pärchen aber wollen an den Strand oder alleine sein.

Um halb drei bin ich wieder am Bahnhof von Salerno, wo ich meinen Rucksack morgens abgegeben hatte, und da mein Schiff auch um 14 Uhr 30 im naheliegenden Hafen ablegen soll, spurte ich trotz der Brüllhitze und der gemachten Erfahrungen im Sturmschritt über den Bahnhofsplatz. Ich hätte es mir ersparen können! Auch die sogenannte « Metro del mare », die unpassenderweise auch noch « uragano » also Orkan heißt, hat wieder mal 45 Minuten Verspätung. Aber der Ärger darüber ist schnell vergessen, denn nun beginnt der bis- her schönste Teil meiner Reise. Auf der Fahrt um das Kap  von Sorrento herum werden so bekannte Namen wie Amalfi, Ravello und Positano  endlich greifbare Wirklichkeit. Schläfrig und faul hat sich der nachmittäg- liche Dunst über die grünen Reben der Weinhänge gelegt und sogar die lilafarbenen  Bougainvilleas, die sich an den weißen Häusern hochranken, wirken einen Schatten gedämpfter. Das Boot hält fast an jedem Hafen, zweimal inmitten badender Menschen, direkt am Strand.

Gar nicht satt sehen kann ich mich an der Landschaft, an der weißen Gischt vorüber sausen- der Motorboote und der vielver- sprechenden blauen Ferne, dort wo Meer und Himmel sich treffen. Jetzt verstehe ich endlich, warum viele Leute hier früher in die Flitterwochen fuhren (und merke das in Gedanken schon mal vor). Hoffentlich ist die JH in Sorrento so, dass man hier ein paar Tage bleiben kann.

Oh ja, sie ist es, wenn es auch leider nur zwei Duschen für fünfundsechzig Frauenbetten gibt und man also Schlange stehen muss, wenn man warmes Wasser haben will. Oder man kann zu den unmöglichsten Zeiten duschen, wenn niemand da ist. Der große Schlafsaal ist ausnahmsweise gut gelüftet und die Fenster gehen auf  Weinberge hinaus. Übrigens ist sie auch noch billiger als in meinem Führer angegeben, nur zwölftausend Lire anstatt fünfzehntausend, mit zur Wahl Frühstück zusätzlich. Manchmal – das kommt auf die Lust und Laune des Kochs an – gibt es ein ordentliches Abendessen schon für zwölftausend Lire.

Ich bin am Vorabend noch durch die Stadt gebummelt, habe die Sonne im Meer untergehen und den Vesuv aus dem Dunst auftauchen sehen. Die Stadt ist voller eleganter Geschäfte, die sogar am Sonntagabend geöffnet sind und auch das Publikum ist hier um Klassen besser als das, was ich bisher gesehen habe. Ganz ist also der einstige Glanz noch nicht verblichen. Aus nun schon alter Gewohnheit schaute ich noch in eine der zahlreichen Kirchen hinein. Diese hier ist auch abends um halb neun gerammelt voll, beleuchtet von Kugellampen wie auf einer Kurpromenade, vollgestellt mit Grünpflanzen und riesigen Liliensträußen. Das Ganze ist höchst gemütlich und ich schleiche auf Zehenspitzen wieder hinaus, um nicht zu stören.

Und jetzt habe ich gerade zwei köstliche Capri-Feigen gegessen und sitze hoch oben, dreihundert Meter über dem Meer, nahe der Villa Clovis, die Kaiser Tiberius hierher gestellt hat. Der Mann wusste, was er tat, denn von dem zweithöchsten Berg Capris, an der nordöstlichen Spitze gelegen, hat man einen wundervollen Blick auf die Halbinsel Sorrento, den Golf von Neapel und den Vesuv. Letzterer ist heute im Dunst wieder nur zu erahnen, so heiß und wolkenlos ist es. Ich nehme das langsamere und preiswertere Schiff von Sorento aus, nämlich das erste morgens um 8:30 Uhr und schon eine Stunde später bin ich in Marina Grande. Ich lasse mich von der funiculare zur Stadt Capri hinauf hissen und habe nach nur 10 Minuten den Touristenstrom hinter mir. Ich kann es bezeugen : wenn man Zeit und Stunde einiger- maßen gut wählt, beispielsweise an einem Montagvormittag, und nicht unbedingt auf die Blaue Grotte aus ist, kann man auch mitten im Hochsommer über zwei Stunden in Capri wandern, ohne mehr als nur ein paar Einheimischen zu begegnen!     

Der ganze nordöstliche Teil der Insel ist für den Verkehr gesperrt und nur kleine Elektrokarren dürfen Koffer, Baumaterial und Sonstiges befördern. Die lassen allerdings schon mal bergauf eine voluminöse Mamma mit schwerem Einkaufsnetz mitfahren…Übrigens sind die Preise in den Geschäften derartig hoch, dass die Ein- heimischen lieber ihr Abo benützen, um per Schiff in Neapel oder Sorrento einzukaufen.

Als ich oben an der Villa Clovis angekommen bin, gelingt es mir mit etwas Spürsinn, einen winzigen, zwischen Büschen verborgenen Steig auszumachen, auf dem ich dann längere Zeit entlang spaziere, unter mir das tiefblaue Meer. Nur das Gekreisch einiger Möwen und das Tuckern der Motorboote ist zu hören – es ist einfach herrlich hier! Der Weg windet sich zwischen den hohen Mauern, der die üppigen Gärten und Villen umgibt, sanft den Berg hinan und immer wieder bleibe ich stehen, um die Ausblicke auf die Blumen bestandenen Hänge und das Meer zu genießen oder die kleinen bemalten Keramik-Kacheln zu bewun- dern, die jedem  Buchstaben ein besonderes Gepräge geben.

Wieder auf das Sträβlein zurückgekehrt, begegne ich etwas später einem Postboten,  der bergan  keucht und mein mitleidiges: Fa troppo caldo per lavorare – zu heiß zum Arbeiten“ gleich erleichtert wahrnimmt, um für einen kleinen Schwatz inne zu halten. Er fragt mich nach woher und wohin, und als er hört, dass ich zum Parco Naturale  möchte, winkt er mir geheimnisvoll zu, macht dann hier ein schmiedeeisernes Gittertürchen auf und dort ein anderes zu, läuft ein paar Treppen hinunter und schwuppdiwupp habe ich schon einen Kilometer abgekürzt. Ich finde ihn reizend, wenn ich auch offenbar nicht die erste bin, für die er das tut. Die in den Gärten arbeitenden Leute lachen uns an und rufen ihm Scherzworte zu  – das sagt ja wohl alles. Aber wo sonst unterbricht ein Postbote so galant  seine Arbeit? Und immerhin muss er in der Hitze den ganzen Weg wieder hinauf, während ich beschwingt zum Strand hinabsteige, um mich bis zur Abfahrt des letzten Bootes in die Fluten zu stürzen,  die wenigstens so aussehen, als ob sie sauber seien. So hebe ich mir Anacapri und die Blaue Grotte für das nächste Mal auf, hochzufrieden, das « andere Capri » kennengelernt zu haben.

Abends mache ich mich fein und lasse im Albergo « Loreley » passenderweise die letzten goldenen Spitzen meiner kurz geschnittenen Haare blitzen. Das Essen ist ordentlich, doch der Ausblick auf den Vesuv und die im Golf von Sorrent versinkende Sonne sind so einmalig schön, dass ich ausnahmsweise mal mein Buch in der Tasche lasse und nur mit Schauen beschäftigt bin. Neapel sehen und dann sterben?

Das ist sicherlich übertrieben, aber hier ist es ebenso wunderbar wie an der Côte d’Azur und noch dazu hat diese Gegend den Vorteil, nicht so schrecklich verbaut zu sein, weil schon in den 50er Jahren für die gesamte Halbinsel bis hin nach Amalfi ein Baustopp angeordnet – und auch wunderbarerweise eingehalten wurde! So, morgen früh geht es auf den Vesuv.

Von wegen früh ! Das geht in diesem Land einfach nicht! Ich bin bloß froh, hier nur in Ferien zu sein und nicht hier leben oder arbeiten zu müssen. Ich würde glatt wahnsinnig! Um kurz vor 8 Uhr bin ich in die « Circum- vesuvia », eine Art S-Bahn zwischen Sorrent und Neapel eingestiegen und bis nach Ercolano gefahren. Ich habe darauf vertraut, dass es einen Anschlussbus gäbe, da nämlich der Krater des Vesuv erst ab 9 Uhr zur Besichtigung freigegeben wird. Weit gefehlt ! Der erste Bus geht morgens um 7 Uhr. Wozu ? Kann man da oben dann anderthalb Stunden warten? Der zweite Bus fährt aber erst um zwanzig nach neun und jetzt ist es erst halb 8, also auch noch zu früh, um zu den « scavi », den Ausgrabungen von Herculaneum zu gehen, die ebenfalls erst um 9 Uhr aufmachen. SEUFZ!

Also gehe ich auf den Markt, kaufe mir Obst und trinke dann an einem Kiosk einen Cappuccino. Der Besitzer, ein begeisterter Bürger seiner Stadt, dient mir diese sofort mit Temperament an.  Von seinem neapolitani- schen Dialekt verstehe ich allerdings nur ein Zehntel, doch immerhin, dass es hier VIEL schöner sei als in Pompei (wegwerfende Geste) und der Vesuv viel großartiger als der Ätna. Als ich ihn darauf aufmerksam mache, dass er immerhin auf gefährlichem Boden lebe, denn der Vesuv könne ja mal wieder ausbrechen, wirft er die Arme zum Himmel und ruft aus:

Madonna, sterben müssen wir alle mal und so würden wir wenigstens berühmt!

Schmunzelnd steige ich in meinen Bus und etwas später wird mir klar, warum dieser fast eine Stunde für die fünfzehn Kilometer den Berg hinauf braucht. Ohne dass wir gefragt werden, biegt er nämlich kurz vor dem Gipfel ab und wir müssen eine gute Viertelstunde „Zwangspause » bei einem Kiosk einlegen, damit wir uns – so der Besitzer und offensichtlicher Freund des Busfahrers, mit dem er sich wahrscheinlich am Ende des Sommers den Gewinn teilt –  noch „ein wenig für den Aufstieg stärken“ können.

Ich setze mich allerdings lieber hin und genieße die kostenlose Aussicht auf den Golf und die Stadt Neapel. Tief atme ich die duftgeschwängerte Luft ein und muss an ‘meine’ zwei Physiobotaniker denken, denn es gibt hier eine Art von Ginster, die ich noch nie irgendwo gesehen habe. Es ist ein Mittelding von Mimose und Goldregen, also Ginster-Bäume und alle sind sie voll erblüht.

Dieser Duft wird mich auf dem Weg zum Krater begleiten und mir den ziemlich rutschigen Lavaweg versüßen. Wie gut, dass ich vernünftige Schuhe anhabe. Reichlich schadenfroh ziehe ich zügig an keuchenden Wesen vorbei, die an solchen Orten offenbar unvermeidbar sind, nämlich die mit Bierbauch oder Goldsandalettchen.Trotzdem ist es auch hier für die Haupt- saison leer.

Oben angekommen, bin ich überwältigt von der Aussicht und versuche, mir die Katastrophe von Pompeï und Herculaneum vorzustellen, was gar nicht so einfach ist, denn beide Städte scheinen von hier oben auch so weit weg zu liegen, dass es unglaublich scheint, mit welcher Schnelligkeit die Lava  den Berg hinunterstürzte. Eigentlich hätte ich mir gerne zumindest eine der beiden Städte angeschaut, aber durch die so hervorragend organisierten öffentlichen Verkehrsmittel bin ich erst in der größten Mittagshitze wieder unten und da lockt dann doch eher ein kühles Bad als die Kultur. Also auf ans Meer, « fare la lucertola al sole » – in der Sonne zur Eidechse werden.

Ein paar Abende später klopfe ich mir begeistert selber auf die Schulter, als ich Pescasseroli und meinem Abendbrot entgegen strebe. Ich habe es nämlich geschafft, in der Pension « Paradiso » ein Zimmer mit Toilette und Dusche für denselben Preis wie in einer Jugendherberge zu bekommen, also für sechzehn- tausend Lire ohne Frühstück. Das Haus ist zwar wortwörtlich genommen das Letzte am Platz, denn es liegt fast zwei Kilometer vom Zentrum entfernt, aber das macht mir nichts aus. Zum Dorf hin wird mir ein « passaggio » in einem Auto angeboten und zurück werden mich die Glühwürmchen begleiten.

Ich habe gerade mit Behagen ausgiebig geduscht und aus alter Gewohnheit vorsichtshalber gleich meine Sachen gewaschen, denn wer weiß, ob es morgen früh noch heißes Wasser gibt. Es war ein schwüler langer Reisetag und wieder habe ich für die nur hundertsiebzig Kilometer von Neapel bis hierher in den Parco Naturale d’Abruzzo fast sieben Stunden gebraucht. Aber nun bin ich da, die Linden sind voll erblüht und duften betörend, es ist angenehm kühl und ab morgen werde ich den Nationalpark unsicher machen.

Heute war wirklich der schönste der vier Tage hier! Kein Wunder, da er der « Schwarzen Madonna vom Leisen Berg » gewidmet ist – mein Name im Pass! So etwas kann man sich gar nicht ausdenken! La Madonna Nera di Monte Tranquillo wird am letzten Sonntag im Juli aus der Kirche geholt, von vier Männern auf den Schultern auf den Berg getragen und nach der obligatorischen Messe unter freiem Himmel gibt es ein gigantisches Picknick für das ganze Dorf. Toll! Ich habe « meinem » Berg schon gleich am ersten Tag pflichtschuldig gehuldigt, mit einer sehr schönen Wande- rung, bei der ich den Maler Paolo und seine Freundin Andreana kennen- lernte. Beide hatten mich netterweise eingeladen, ihr unglaublich leckeres Basilikumomelett mit  ihnen zu teilen. Heute will ich nun einen anderen Weg nehmen und stiefele schon um halb acht morgens los.

Nach einer sehr beschwerlichen Steigung von immerhin achthundert Metern wird der Weg einfach himmlisch, denn auf so einer Kammwanderung fühle ich mich der Sonne und den elysischen Gefilden erheblich näher. Nur fliegen kann schöner sein! Der Himmel ist um halb elf noch wolkenlos und mein Blick geht weit über die kahlen, meist runden Rücken der umliegenden Berge und die einzigartig schönen dichten Buchenwälder bis hinunter zu den Dörfern. Eine Charakteristik dieser Gegend ist es, dass es sich gegen Mittag bezieht und nachmittags entweder ein Gewitter kommt oder sich die Wolken bis zum Abend hin verziehen. Es ist so hübsch, sich sagen zu können: »Da warst du schon und dort ist die Schneise mit den Walderdbeeren aber den Weg da oben hast du diesmal nicht geschafft, der bleibt übrig fürs nächste Mal… »

Pescasseroli ist so eine richtige Sommerfrische.  Es liegt über tausend Meter hoch in einem riesigen gewellten Tal, umgeben von fast zweitausend Meter hohen Bergen. Es ist sommers wie winters ein beliebter Aufenthaltsort der Römer, da die Stadt per Autobahn nur knappe zwei Stunden entfernt liegt. Man kann im Sommer hier reiten, wandern und Wassersport treiben, im Winter gut Skifahren. Alles ist sehr familiär, es gibt kaum ausländische Touristen und also auch nur italienische Zeitungen an den Kiosken.

Immer wieder fällt mir im Restaurant auf (welches die Italiener bevorzugt abends aufsuchen, denn mittags begnügen sie sich oft mit einer beim Bäcker gekauften Pizzaschnitte oder einem « panino », einem belegten Brot), WIE geduldig und liebevoll von BEIDEN Eltern auf die bambini eingegangen wird. Auch an diesem Sonn- tagvormittag dürfen die Kinder und Jugendlichen bei der Messe machen, was sie wollen : Die einen singen oder beten mit (wobei übrigens auch die Pferde gesegnet werden!), die anderen schüren die unzähligen – heute ausnahmsweise erlaubten – Feuerstellen, die schon auf das Grillgut für den pranzo, das Mittagsmahl warten. Viele rennen auch einfach nur herum und amüsieren sich. Es sind sicher über tausend Menschen auf das Tal verteilt, also gut ein Drittel der einheimischen Bevölkerung. Viele mussten unten bleiben, da trotz des Festes auch hier am Sonntag alle Läden, außer zur geheiligten Siestazeit, geöffnet sind. Das ergibt ein hübsches buntes Bild : die weiße Tracht der Nonnen, die rot-grau gewürfelten Hemden der « Alpini », die die Ehre haben, die Madonna tragen zu dürfen, die lustigen Hüte und Uniformen der Dorfkapelle, der Feuerwehr, der Polizisten, vermischen sich mit den bunt geblümten Sommerkleidern und den auch hier allgemein beliebten Jogginganzügen.

Ich lasse mich still auf einem freien Platz zwischen drei Familien nieder, darauf achtend, dass ich den Rauch der Feuer nicht allzu sehr abbekomme, und richte mich ein zum Essen und  Beobachten. Als ich mit meinem Picknick grade fertig bin und anfange, mich etwas zu bedauern, weil kein Mensch Notiz von mir nimmt, kommt eine der Frauen der unter mir lagernden Familie hinauf zu mir mit einem Tellerchen, auf welchem zwei gegrillte Lammkoteletts liegen, und fragt mich, ob ich die essen möchte.

Da ich glaube, es meiner guten Erziehung schuldig zu sein, höflich ablehnen zu müssen, fragt sie mich ganz entsetzt, ob ich etwa Vegetarierin sei… Ich mache mich also schleunigst über das Fleisch her und ziehe auf ihre freundliche Einladung hin  zehn Meter weiter nach unten. Ich bekomme Wein und eine riesengroßes Stück Wassermelone angeboten und viel, viel Konversation! Das geht nun so: wenn ich ihnen erkläre, dass ich unter anderem hier sei, um Italienisch zu LERNEN, nehmen alle an, dass ich es schon KANN und reden munter mit der normalen Schnelligkeit drauf los. Das soll heißen, dass ich hin und wieder mal etwas mitbe- komme und den Rest, das heißt wohl achtzig Prozent, an mir einfach vorbeirauschen lasse. Mit dem Reden ist das vorläufig auch noch so eine Sache: Ich habe zwar keine Angst mehr, den Mund aufzumachen und sie verstehen im Großen und  Ganzen auch, was ich sage. Aber mir selber fällt natürlich jedes Mal wieder unangenehm auf, wie viele Vokabeln und grammatikalische Wendungen mir noch fehlen. Trotzdem ist es sehr nett, mit dieser Römerin, die in einer Kindertagesstätte arbeitet, zu plaudern.

Und dann auf einmal geht das Singen los! Wobei ich bemerken möchte, dass die Italiener, obwohl sie ihren vino und ihren grappa lieben und ihm fleißig zusprechen, ich nicht einen einzigen von ihnen betrunken gesehen habe. Auch die Lieder sind, soweit ich sie verstehen kann, keine, die man zwischen zwei Zoten grölt, sondern Volkslieder aus den Bergen. Ich schleiche mich, an die am besten singende Gruppe der Alpini, also der Gebirgsjäger, heran, um zuzuhören. Aber sofort wird mir energisch bedeutet, mich zu der Gruppe zu gesellen.

Nochmal bekomme  ich  Wein und ein großes Kotelett (sogar in einem Brötchen eingepackt, Hilfe!) und es wird streng darüber gewacht, dass ich es aufesse, denn man befindet mich für zu dünn. Nach einer vierstündigen Wanderung wie der von heute Morgen müsse ich doch wieder Kräfte sammeln!

Also, in Gottes Namen, ich esse auch das Kotelett noch auf, mir heimlich schwörend, bis morgen Mittag zu fasten, und höre weiter mit großem Vergnügen dem wirklich guten Chorgesang zu. Alle zwei Minuten kommt ein anderer Mann, um sich neben mich zu setzen und ein bisschen zu plaudern, oder mir den Sinn der oft im Dialekt gesungenen Lieder zu erklären. Ganz zum Schluss kommt der Bürgermeister, der sindaco, Nicola. Inzwischen ist es nämlich auch bis zu ihm vorgedrungen, dass « der Pariserin »  dieses Fest im Allgemeinen und die Lieder der Alpini im Besonderen gut gefallen. Das muss natürlich honoriert werden. Also noch mehr Wein und Grappa und Fragen nach woher und wohin. Alle sind sehr beeindruckt von meinem sportlichen Leistungen, noch dazu als « donna da sola » also als Frau ganz alleine, hier täglich in den Bergen vier bis sechs Stunden herumzulaufen. Ich erzähle von ‘meiner’ Abruzzen-Gemse und von meinem Bedauern, nicht mal die Tatzenspuren des « großen Braunen » gesehen zu haben. Einer der Männer antwortet lachend, dass ich nicht die einzige sei: von den achtzig Exemplaren, die noch in den Abruzzen leben, hat er nur zwei in 24 Jahren gesehen! Ich lasse meiner Begeisterung für das wunderschöne Tal « Val de Fondillo » freien Lauf und alle freuen sich aufrichtig, dass ich ihre Gegend so schön finde.

Als wir aufbrechen, denn die Madonna muss ja wieder hinunter ins Tal, bietet mir der Bürgermeister an, mich in seinem Auto mitzunehmen, was ich auch wegen des reichlichen Alkoholgenusses gerne annehme, obwohl mein Rücken maunzt, denn die Straße ist nur ein besserer Feldweg. Nicola erzählt mir aus seinem Leben als unbezahlter (!) Bürgermeister – er ist von Beruf aus Geometer – und von dem Diebstahl der ursprünglichen Madonna, die aus dem 12. Jahrhundert stammte. Sie wurde wahrscheinlich nach Frankreich geschafft, denn es existiert ein blühender Schmuggelhandel mit gestohlenen Heiligtümern. Daher sind auch alle italienischen Kirchen abgeschlossenen und nur zu bestimmten Zeiten geöffnet, wenn jemand zum Überwachen da ist.

Nicola lädt mich ein, doch um halb acht abends zur Prozession, die ganz in der Nähe meines Hotels vorbei- ziehen würde, zu kommen. Da sei das ganze Dorf noch einmal auf den Beinen und am Abend gäbe es Tanz vor dem Rathaus. Er könne allerdings leider nicht mittanzen, denn er müsse seine Frau vom Meer abholen. Galant verabschiedet er sich mit Handkuss vor meinem Hotel und ich stürze mich unter die Dusche. Danach in mein schönstes Kleid, nehme allerdings meinen Pullover mit, denn abends wird es hier meist empfindlich kühl.

Und dann geht es los. Ich komme zu dem verabredeten Platz, wo schon die Reiter und die Musik warten sowie Mengen von alten, schwarz gekleideten Frauen, alle mit einem grünen Buchenzweig bewaffnet. Der sindaco ist auch schon da und wir unterhalten uns wieder sehr angeregt. Die beiden Priester, einer davon mit Mikrofon bewaffnet (der dazugehörige Lautsprecher wird von einem  Messjungen nebenher getragen) ordnen nun die Prozession: vorneweg die Reiter, dann die Nonnen und sonstige Betschwestern, dann die Musiker, – die übrigens eine erstaunlich zackige Marschmusik  zu dieser religiösen Zeremonie spielen – dann die Madonna und dann…WIR! Ja, ich werde vom Bürgermeister einfach mit eingereiht, neben ihm, in der ersten Reihe, sozusagen als Ehrengast. Na, so hatte ich mir das ja eigentlich gar nicht vorgestellt, aber ich kann ja nun auch nicht mehr gut raus. Also los! Der Priester vorsingend, psalmodierend, dann immer fünf Minuten im Wechsel entweder die Kapelle oder wir, wobei wir vom Priester mit vielen « Forza » -Rufen aufgefordert werden, mit mehr Inbrunst und Lautstärke zu singen.

Am Straßenrand bekreuzigen sich die Menschen und werfen hin und wieder der Madonna einen Ring oder ein anderes Schmuckstück zu, um Gnade zu erbitten. Die werden mit Nadeln auf einem Tuch befestigt, das mit der Statue getragen wird. Ich komme mir einigermaßen merkwürdig vor, muss ich schon sagen, und versuche wenigstens, würdevoll dreinzublicken und die Melodien mit zu summen. Bis zum « Ave Maria, bitt’ für uns Sünder » will ich nun aber doch nicht gehen! Das ist offenbar dem sehr autoritären Priester ein Dorn im Auge – oder ist es mein rotes Kleid? Jedenfalls schafft er es, durch mehrmaliges Stupsen und Umordnen der Leute, dass ich in die zweite Reihe abgedrängt werde, was von Nicola mit einem bedauernden Achselzucken quittiert wird. Mir ist es sehr lieb, denn gerade habe ich Paola und Andreana am Straßenrand entdeckt und setzte mich kurzerhand ab.       

Großes Hallo und Umarmung –  als ob wir uns jahrelang kennten! Ich werde gar nicht lange gefragt, sondern sofort in ihren BMW verfrachtet und in ihr Haus zum Abendessen mitgenommen. Da kann ich ja nun nicht gut sagen, dass ich fast bis um 16 Uhr Mittag gegessen habe! Ich erzähle ihnen die Ereignisse der letzten Tage und bekomme das Haus gezeigt. Andreana ist übrigens fünfundsechzig, zehn Jahre älter als der blendend aussehende Paolo (genau wie man sich einen Römer vorstellt). Die beiden sind seit über zwanzig Jahren zusammen, leben allerdings schlauerweise in Rom in zwei getrennten Wohnungen und verbringen nur die beiden Sommermonate zusammen. Den einen in Pescasseroli, den anderen am Meer. Er malt figurativ, stellt aber nicht aus, da er das für Zeitverschwendung hält, und hat einen Agenten in Rom, der alles für ihn ver- kauft. Offenbar geht es ihm finanziell gut. Wir verbringen einen sehr netten Abend zusammen bei einer vor- züglichen Minestrone und dem hiesigen Weißwein. Allmählich fallen mir aber doch die Augen zu und nach einem Tänzchen in Ehren beim Dorfball bringen mich die beiden in mein Albergo zurück und wir  verabschie- den uns sehr herzlich voneinander.

Nun sitze ich auf einer grünen Wiese unweit eines großen blauen Sees, in dem sich die Berge widerspiegeln, denn der Lago Campotosto, etwas nordwestlich des Gran Sasso gelegen, liegt über tausend Meter hoch. Um mich herum höre ich nur Grillengezirpe, das Kreischen einer Möwe, das Glöckchenbimmeln der Schafherde, die immer näher kommt, und das Gezwitscher der Vögel hinter mir im Hain. Ganz da drüben, am anderen Ende des Sees, brummt ein Laster leise vor sich hin. Mir geht es gut!  

Dabei habe ich doch den ersten Fehlschlag dieser Reise einstecken müssen, nämlich weder auf das Campo Imperatore, noch auf den höchsten Gipfel der Apenninen, das große Horn des Gran Sasso, gekommen zu sein. Und zwar sogar nach zweimaligem Anlauf nicht, was ja nun wirklich selten ist bei mir. Für Leute ohne Auto sind die unmenschlich lange Anmarschzeiten nicht zu bewältigen, und mit dem Sessellift  aufs Campo Imperatore hinaufzufahren, fand ich zu unsportlich.

Aber am Montag war ich doch ziemlich sauer, als ich durch das heiße und wegen der doofen Siestazeit total ausgestorbene Aquila stapfte : das Castello Museum war zu, die Kirchen waren zu, das Tourismusbüro natürlich auch und der letzte Bus nach Prato di Tivo – auf meiner Karte der dem Gran Sasso nächstgelegene Ort – war gerade weg. Da ist einmal mehr gut, alleine unterwegs sein und meine schlechte Laune ausleben zu können, ohne jemanden damit zu stören, weil sie dann meistens nämlich sehr schnell von alleine verschwindet. Also disponiere ich um und fahre mit dem letzten verfügbaren Bus nach Scanno, wo ich eigentlich schon von Pescasseroli aus hin gewollt hatte. Ein altes typisches Adlernest der Abruzzen, unweit eines natürlichen Bergsees gelegen, sehr hübsch und malerisch. Leider auch teuer, das Zimmer kostet das Doppelte von dem in Pescasseroli. Und für die in Luftlinie gerechneten ZEHN Kilometer bin ich nun rund zehn Stunden lang im Kreis gefahren! Allerdings habe ich viel von den Abruzzen durch die Panoramafenster der Busse kennengelernt. Am Dienstag verbringe ich einen sehr schönen ruhigen Tag am und im See von Scanno und beschäftige mich mehrere Stunden lang mit meiner italienischen Grammatik.

Abends mache ich ein Picknick auf der Wiese, von der man den schönsten Blick auf den Ort hat. Ob ich mich dabei trotz Pullover erkältet habe? Nachts wache ich auf, von rasenden Kopfschmerzen und Schüttelfrost gepeinigt. Da gibt’s nur eins: am nächsten Morgen loswandern und es ausschwitzen, was immer es sei. Auweia, an dem Tag geht es allerdings nur im Schneckentempo den Berg hinauf und ich muss mich auch mit der Hälfte der geplanten Strecke zufrieden geben, denn es geht mir wirklich nicht gut genug. Nichtsdestotrotz hat diese Rosskur den Erfolg, dass am darauffolgenden Tag alles vorbei ist. Außerdem kann ich beim Wan- dern wieder mein Italienisch praktizieren, denn ich treffe einen Vater mit Sohn Stefano, welcher in die Geheimnisse einer Bergwanderung eingeführt wird.

Er ist neun Jahre alt und erzählt mir stolz in sprudelndem Italienisch, dass er gestern vier Fische gefangen hätte, dass es sie heute zum Abendbrot gebe, dass er schon seit drei Stunden unterwegs sei und was sie alles gesehen hätten. Nachdem ich ihn mehrmals gebeten habe, langsamer zu sprechen, da ich sonst nicht alles verstünde, reiβt mein Geduldsfaden. Ich rattere auf einmal genauso schnell auf  Englisch los, mit dem er gerade in der Schule anfängt, und erzähle meine Erlebnisse des Vormittags. Er reiβt erstaunt die Augen auf und der Vater lacht sich kaputt.

Auch gestern hatte ich gleich zweimal die Gelegenheit, meine neuen Vokabeln und grammatikalischen Wen- dungen an den Mann zu bringen. Ich war früh um 7 Uhr schon im Bus nach Sulmona, stieg dort um nach Aquila, nahm den dritten Bus nach Teramo, von dort weiter nach Montione, dort zwei Stunden Aufenthalt in der Gluthitze der Siestazeit, und kam dann endlich mit dem FÜNFTEN Bus nach Prato di Tivo, wo ich hin wollte. Von dort aus wollte ich heute das Große Horn besteigen.

Um 15 Uhr stehe ich da und sehe dem verschwindenden Bus nach. Ich muss wohl ziemlich dumm aus der Wäsche geschaut haben, denn Prato di Tivo ist kein Dorf (wenn auch als solches auf der Karte ausgewie- sen!), sondern nur eine Alm mit sieben Hotels drauf – das eine teurer als das andere. Und der Berg, den ich so gerne bestiegen hätte, sieht auch äußerst unfreundlich aus, von Nebelschwaden und Wolkenfetzen umwabert. Ach nee, so habe ich mir das nun überhaupt nicht vorgestellt! Also entscheide ich innerhalb von drei Minuten, die Berge Berge sein zu lassen und wieder hinunter ins Tal zu fahren. Per Anhalter natürlich, denn der Bus war ja nun gerade weg und der nächste würde erst morgen früh fahren. Ich halte das nächst- beste Auto an und witzigerweise ist ein Bergführer drin. Lino will sich mir sofort für den nächsten Tag andienen. Für zweihunderttausend Lire, das heißt tausend Francs oder dreihundert Mark, so viel, wie ich normalerweise in vier Tagen verbrauche. Aber das muss ich ihm ja nicht auf die Nase binden, erzähle ihm lieber von meinen Wanderungen und er haut mir begeistert auf die Schenkel, während er meinen Unterneh- mungsgeist lobt. Er setzt mich im nächsten Dorf ab, wo er mich einer babyschiebenden jungen Frau empfiehlt, deren Freund noch Siesta macht, aber « später » ins Tal fahren würde. Wir unterhalten uns über Italien im Allgemeinen und die Mafia im Besonderen. Die ist hier wirklich Tagesgespräch und wird von allen missbilligt.

Und dann sehe ich IHN und glaube, zu träumen! Einen waschechten Franzosen nämlich, wie ich keinen seit zwei Wochen gesehen habe, mit einem Versailler Nummernschild. Natürlich nimmt er mich mit ins Tal und es stellt sich heraus, dass er Geologie-Student ist und hier nach Steinproben für seine Doktorarbeit forschen muss. Und dabei mag der Arme weder Italien ( «Je m’ennuie de la France  – ich habe Heimweh nach Frank- reich » sagt er ganz wehmütig) noch die Berge und kann meine Begeisterung für die Abruzzen überhaupt nicht teilen. Im Tal angekommen, muss ich noch fast fünf Kilometer weiter, um an den See zu gelangen. Ich werde von einem Mann mitgenommen, der eigentlich fischen wollte, aber da es noch vor sechs Uhr abends ist und viel zu heiß, bringt er mich bis ins Dorf Campotosto, was ich nun wirklich sehr nett finde. Der See hier ist übrigens ein künstlicher und es geht die Sage, dass man bei klarem Wetter die Turmspitze der versunke- nen Stadt sehen könne. Also, ich war gerade darin schwimmen und konnte leider nichts entdecken. Schade!

In Campotosto angekommen, unternehme ich einen Rundgang durch das erst in den 50er Jahren erbaute und daher sehr schmucklose Dorf und stelle fest, dass morgen früh die Morgenstund‘ für mich mal wieder „Bus im Mund“ haben wird, da der einzige nach Aquila um 6 Uhr 40 geht. Also wende ich mich leicht angeschlagen von den Erlebnissen des Tages und meinem Hunger dem Gasthaus zu.

Dort sitzt ein sehr soignierter Endfünfziger  an meinem schon vorher reservierten Tisch und fragt mich sehr höflich, ob er mir beim Essen Gesellschaft leisten dürfe, weil er sonst alleine drinnen speisen müsse, da es auf der Terrasse nur vier Tische gibt. Nun liebe ich es sowieso nicht, alleine zu essen und außerdem bin ich von Natur aus großzügig. Es wird ein besonders netter Abend. Guiseppe aus Frascati und seines Zeichens Lehrer, Motorradfahrer aus Begeisterung und aus Kalabrien stammend, erzählt mir, dass ich zufälligerweise in einer der besten Trattorien der Umgebung gelandet sei. Leute, die auf gastronomische Reiseführer stehen, fahren extra einen Umweg, um hier dieTagliatelle ai porcini genießen zu dürfen. Und diese Nudeln mit Steinpilzen sind auch wirklich Spitze  – für einen lächerlichen Preis! Giuseppe und ich unterhalten uns zwei Stunden lang. Manchmal muss ich mein kleines Wörterbuch zu Hilfe nehmen, da unser Gespräch von unseren Reisen zur Politik, zur Liebe und allgemeiner Lebensphilosophie übergeht und mir da oft die Vokabeln fehlen.Dabei muss ich feststellen, dass ich zum Augenarzt gehen werde, um meine Linsen auswechseln zu lassen, denn ich werde leider alt und weitsichtig. Natürlich versichert mir Guiseppe, ich sei die Jugend in Person und das gehört sich ja auch so…

Über mir schwebt gerade lautlos ein Segelflugzeug und die Wiese nebenan « grünt so grün wie Spaniens Blüten blühen ». Ich habe heute Mittag ein paar Fotos gemacht vom über zweitausend Meter  hohen Monte Terminillo aus, dem nördlichsten der Zentralberge Italiens, der nur achtzig Kilometer  von  Rom entfernt ist. Heute ging die Reise so schnell wie nie, ich merke, dass ich wieder in ‚zivilisierte‘ Gegenden komme. Nach nur drei Bussen und dreieinhalb Stunden einer wunderschönen Fahrt von Aquila über Autodoco und Rieti bin ich um halb elf schon in der Jugendherberge, die wunderbarerweise auch geöffnet ist, denn normalerweise sind sie von 9 bis 17 Uhr geschlossen. So kann ich meinen Rucksack abstellen und mich „bergfein“ machen. Der Ort Terminillo wurde erst vor ein paar Jahren aus der Erde gestampft und ist ziemlich hässlich mit seinen Hotels und Appartementhäusern, da das Dorf ebenfalls eine Wintersportstation ist. Am schlimmsten sehen im Sommer die wie doof dastehenden Skilifte aus, die dummerweise nicht grün sondern rot angestrichen sind und so unangenehm in den mit Enzian und allen erdenklichen Alpenblumen besetzten Wiesen auffallen.

Da es für eine Bergtour schon zu spät ist, nehme ich ausnahmsweise mal den Sessellift und finde es herrlich, die einmalige Aussicht zu genießen, ohne dafür jedes Mal anhalten zu müssen, denn am Berg gilt nun mal die Regel Nummer 1: entweder laufen oder schauen.

Als ich nach dieser schönen Fototour wieder in die Jugendherberge zurückkomme, finde ich in « meinem » Kleiderschrank eine Uniform hängen und denke: »Nanu, haben die mir hier etwa einen feschen Offizier hineingelegt? » (bis dahin war ich in dem großen Zimmer alleine gewesen). Das kann ich mir aber kaum vorstellen da ich auf mehrmaliges Befragen der Verantwortlichen, warum es in diesem, Land speziell im Süden, nur so wenige Jugendherbergen gibt, Folgendes zu hören bekam : alle JH sind der katholischen Kirche schon lange ein Dorn im Auge, weil dort – zwar nach Schlafsälen und meist sogar nach Stockwerken getrennt – Männlein und Weiblein unter einem Dach schlafen ! Nun hat sich diese Jugendherberge in Ter- minillo vor zwei Jahren den Preis für das beste europäische Wintersporthaus bekommen. Meiner Meinung nach auch zu Recht, weil der Aufenthaltsraum mit großem Kamin, Bar und Fernseher besonders gemütlich ist. Die Schlafräume sind klein und blitzsauber und man bekommt ein gutes reichliches Abendessen für nur zwölftausend Lire. Ich kann mir also nicht vorstellen, dass die hier ihre gute Reputation aufs Spiel setzen, nur damit ich mein Vokabular einschlägig erweitern kann… Der fesche Offizier entpuppt sich dann auch als eine junge Försterin und das ist etwas Neues seit diesem Jahr – man höre und staune! Sie ist sehr nett und leise, während ihrer Freundin wie ein Wasserfall auf mich einredet und, schlimmer noch, schnarcht!

Also wache ich heute Morgen einigermaßen gerädert auf. Das hindert aber nicht dass ich die sechshundert  Meter Höhenunterschied in stolzen achtzig anstatt hundertundzwanzig Minuten schaffe und schon nach drei Stunden mit meiner wunderschönen Kammwanderung fertig bin. Aber nun kommt der Gag des Tages. Kaum bin ich draußen an der „aera di picnic“ gelandet, fragen mich zwei ältere Herren, die schon dabei sind die Feuer für das sonntägliche Grillen zu schüren, nach dem Woher und Wohin aus. Dabei bemerke ich drei junge Leute, die am Nebentisch sich über ein Spiel beugen. Ich gehe schnell vorbei, schlinze kurz hinüber und — das darf doch nicht wahr sein: Es ist ein Scrabble!

Da ich dem einen Jungen sofort ungefragt rate, sein Wort dort zu legen, wo es ihm dreimal mehr Punkte als an dem von ihm gewählten Platz bringt, ist er hocherfreut. Hast du nicht gesehen bin ich schon eingeladen, mitzuspielen. Mein erstes Scrabble auf  Italienisch ! Hin und wieder darf ich im Wörterbuch nachschauen, aber meistens komme ich ohne aus und bin sehr stolz, am Ende den zweiten Platz zu ergattern. Allerdings haben sie in  Italien auch viel leichtere Spielregeln als wir in Frankreich. Es ist wirklich lustig, auf eintau- sendsechshundert Meter Höhe so mitten in der Sonne in ein Spiel vertieft zu sein – und gut für meine  Vokabeln ist es auch!

Abends habe ich dann noch ein sehr nettes Gespräch bei Tisch mit einem Ehepaar aus Rom. Er ist Beamter im Ruhestand,  sie Lehrerin für Latein und Griechisch und wir tauschen leidvolle Erfahrungen über das Verhalten « unserer » Schüler aus. Da ich heute nun  schon zum dritten Mal nach meinem Alter gefragt werde (und zwar vom Ehemann), antworte ich frech, ich sei so alt wie er mich schätze. Er kommt auf 28. Offenbar bekommt mir diese Reise – und ich werde mich schwer hüten, meine 44 zuzugeben.

Heute Morgen um halb acht stehe ich auf der Straße in Cortona und steige zur Festung hinauf, wohl wissend, dass dies die einzige Tageszeit ist, zu der man das tun kann.

Etwas wehmütig denke ich an meine schönen kühlen Berge zurück und an den Morgenspaziergang im reizenden Städtchen Rieti  gestern, wo ich – wieder im Schnellverfahren – von einem älteren signor in die Stadtgeschichte eingeweiht wurde: drei römische Imperatoren hat sie hervorgebracht und drei berühmte Heiligtümer des Francesco von Assisi sind in der Umgebung zu finden. Die Ebene heißt piena sancta und und und—-mein Bus geht 10 Minuten später! Aber ich fand ihn doch sehr nett als er sagte, er sei nur ein einfacher Bürger, der seine Stadt liebe.

Zwei Stunden später stürze ich mich geradezu auf die « Zeit »  und den « Spiegel » in Perugia, ausgehungert nach Neuigkeiten. Die französischen Zeitungen sind noch nicht angekommen. Seitdem ich das letzte Mal hier war, sind sie nun glücklicherweise mit dem Renovieren der Prachtstraße fertig geworden und es hat sich auch gelohnt. Trotzdem sieht alles noch ein bisschen so aus, als ob eine Frau gerade vom Friseur käme… Morgens um 11 Uhr ist es schon unerträglich heiß und auch hier wieder sehr leer, wenn ich es mit dem Juli von vor sieben Jahren vergleiche.

In Cortona ist es noch viel heißer. Obgleich die Jugendherberge sehr schön gelegen ist, mit einem zauberhaften Blick auf den Kirchturm gegenüber und von da aus über die ganze Ebene bis hin zum Transimanischen  See,  knallt doch die heiβe Nachmittagssonne erbarmungslos auf sie, und trotz kalter Dusche und offener Fenster ist es nachts im Schlafsaal kaum auszuhalten.

Der Leiter ist ein junger Mann, der leider Gottes Videoclips über alles liebt und so dröhnt von der collazione bis zur cena der Fernseher in dem schönen, von Eichenbalken geschmückten, Speisesaal. Schade, denn ansonsten bekommt diese Jugendherberge mit der von Terminillo und Assisi von mir drei Sterne. Wenn sie nur nicht alle mit diesen grässlich quietschenden Betten ausgerüstet wären!

Cortona ist eine wunderschöne Stadt, mit zwei besonders gemütlichen Hauptplätzen, einem vor dem Rathaus, und einem vor dem Theater. Zwei Museen und eine Spezialausstel- lung über die Etrusker habe ich mir heute Morgen angeschaut und dabei passiert mir wieder eine nette Geschichte. Ich lerne nämlich ein deutsches Ehepaar kennen und es ist das erste Mal seit Bari, dass ich auf Deutsch angesprochen werde. Ich klage ihnen mein Leid über die wirklich verrückten Verkehrsbedingungen in diesem Land. Um nämlich an den Trasimenischen See zu kommen, muss man erst mit einem Bus zur fünf Kilometer entfernten Bahnstation fahren und dann dort für eine SIEBENminütige Fahrt anderthalb Stunden auf den Zug warten!!

Die Kölner sind sofort mitleidig und bieten mir spontan an, mich mitzunehmen, da sie am See in einer Ferienanlage wohnen und dort die Kinder warten. Ich müsse dann vorher allerdings noch mit ihnen in die Kirche des heiligen Franziskus kommen, die sie sich nach dem Museum anschauen wollten. Das ist mir sehr recht. Auf dem Wege dahin, erzähle ich ihnen von meinem Besuch auf der Festung heute Morgen und da sagt mir die Frau spontan: „Nee, also wissen Sie, mit 50 und 46 Jahren ist man nicht mehr so stürmisch, das sparen wir uns.“ Ich muss mir das Lachen verbeißen, sage aber nichts. Es geht aber noch weiter: da wir in der Kirche ein Privatissimum von dem Padre bekommen, der uns genau alles erklärt und uns das « echte » Totenhemd des Heiligen zeigt, will ich meine Börse für eine offerta zücken, aber die Kölnerin winkt groß- spurig ab: »Lassen Sie mal, Sie sind Studentin, ich mache das schon. In ihrem Alter bin ich auch viel gereist! » Ich lasse sie gerne bei ihrem Glauben.

Passignano, wo die beiden mich absetzen, finde ich viel hübscher als das berühmte Castiglione del Lago und dann nehme ich das erste Schiff zur Isola Maggiore. Aber als ich die trüben Wasserfluten vom Schiff aus schaue, will ich es meiner Haut doch ersparen, mit dem Dreck in Berührung zu kommen. Schade!

So setze ich mich auf der Insel unter einen Baum zum Lesen, werde allerdings von den Gnitzen bald wieder verjagt, da es im Laufe des Nachmittags immer schwüler wird. Im Frühjahr und Herbst muss es in dieser Gegend herrlich sein, aber momentan ist es einfach zu heiß und ich werde morgen wieder aufbrechen – über die Toskana den Dolomiten entgegen!

Freitag, 14. August. Unwillkürlich schreibe ich das Datum wieder auf Deutsch, denn ich befinde mich eben nicht mehr wirklich in Italien, sondern in Südtirol und hier ist doch so Einiges anders. Seit acht Tagen bin ich nun in den Dolomiten, froh, der heiβ-schwülen Toskana mit ihren gefräßigen Mücken entkommen zu sein. Das letzte Wochenende verbrachte ich im Valle di Cadore. Es war äußerst schwierig, im Dunstkreis von Cortina d’Ampezzo ein erschwingliches Einzelzimmer zu bekommen, aber Dickköpfigkeit war ja schon immer meine Stärke. Es ist zwar sehr einfach und sehr laut, da direkt an der Straße gelegen, aber ich freute mich unbändig, wieder in den Bergen zu sein und konnte von Pieve di Caldore aus zu zwei herrlichen Tageswanderungen starten.

Man hat mir nicht zu viel versprochen: die Dolomiten sind wirklich einmalig! Von grandios, erhaben, faszinierend bis idyllisch, einladend und lieblich kann man alle einschlägigen Vokabeln durchgehen – sie stimmen immer alle irgendwie! Ich habe das große Glück, einmalig schönes Wetter zu haben mit wolken- losem Himmel, was, den Einheimischen zufolge, zu dieser Jahreszeit sonst nie vorkommt! Das Panorama von den „Drei Zinnen » aus, die ich am Sonntag umwandere, gehört sicherlich zum Beeindruckendsten, was ich je an Bergwelt gesehen habe.

In Pieve di Caldore habe ich noch die größten Schwierigkeiten, eine deutsche Zeitung aufzutreiben und gleichzeitig die große Genugtuung, beim Abendessen zum ersten Mal als Dolmetscherin zwischen einem deutschen Gast und der nur italienisch sprechenden Saaltochter zu fungieren. Hingegen habe ich im Grödnertal und in St. Ulrich das Gefühl, die Italiener seien bei sich selber zu Besuch. Dabei liegen beide Orte nur ungefähr sechzig Kilometer Luftlinie voneinander entfernt – mit dem Bus brauche ich allerdings mal wieder fünf Stunden. Und hier in Eppan, wo ich mich momentan befinde, nur fünfzehn Kilometer von Bozen entfernt, ist das Italienisch weit abgeschlagen hinter dem Deutschen. Auch der Preisunterschied bei den Zimmern ist eklatant: hier bekomme ich für die gleichen fünfundzwanzigtausend  Lire, die ich in Pieve bezahlte, ein so reichliches Frühstück, dass ich noch ein Brötchen als Picknick mitnehmen kann. Auch wenn das Zimmer sehr klein ist, so sind doch die Betten erheblich besser.

 In Sankt Ulrich ist sogar das Verkehrsamt durchgehend geöffnet und ich atme auf – ahhh, endlich keine Siesta-Zeit mehr. Es wäre ja auch albern hier in den Bergen. Außerdem regnet es an dem Tag zum ersten Mal seit Beginn meiner Reise drei Stunden lang ununterbrochen und ich komme total durchnässt in meinem hoch am Berg gelegenen Zimmerchen an.

Aber drei Stunden später strahlt die Sonne schon wieder und ich kann zu meiner kleinen Wanderung zur Kirche Sankt Jakob aufbrechen. Das italienische „Salve » (mit scharfem S am Anfang und leichtem ä am Ende) wechselt sich hier ab mit dem herzlichen « Grüß Gott » der Tiroler und dem gemuffelten « Tag » der Deutschen. Ich mache mir einen Spaß draus, möglichst schon von Weitem die Nationalität der mir Entgegen- kommenden zu erraten.

Das Grödnertal – Louis Trenker ist hier geboren und begraben – ist besonders anziehend und man hat viele Wege zur Auswahl.

Im Winter muss es hier auch ganz wundervoll sein. Hier sind die Skilifte sehr viel besser integriert, sie schei- nen richtiggehend Teil der Landschaft zu sein und fallen fast überhaupt nicht auf. Es geht also! Viele der Seilbahnen funktionieren auch im Sommer, was für mich die unangenehme Folge hat, dass die Bergwege in der Hochsaison sehr überlaufen sind, weil man überall leichthin aufkommt, ohne sich anstrengen zu müssen. Meine Wanderung um die Langkofelgruppe brehe ich deshalb ab, weil sich auf dem schmalen aber relativ ebenen Steig alles mit Kind und Kegel, Großmama und Babys huckepack, unterwegs ist. Und wenn ich dann alle drei Minuten « permesso?“  fragen muss, weil ich nun mal rüstig ausschreiten möchte und mich an den Leuten vorbeizwängen muss, macht mir das Ganze keinen Spaß. So gehe ich lieber über federnde Wiesen zur Seiser Alm hinüber, wo alles beim Heuen ist.

Hier wird das Gras nur einmal im Jahr, eben Anfang /Mitte August, geschnitten und zwar entweder von Hand mit der Sense oder aber sehr viel häufiger mit diesen kleinen, sicherlich praktischen aber grässlich lauten Maschinen, die ein Mann auch am steilen Hang entlang führen kann. Ich beobachte sogar einen barfüßigen Mann sein Heu in ein riesiges viereckiges Tuch einschlagen und auf seinem Buckel in den Stadl tragen! Und der Südtiroler Ordnungssinn lässt sie das Gras in solch exakten Reihen mähen, dass richtige Muster entstehen… Das sieht natürlich sehr hübsch aus, aber vielleicht ist das mit ein Element, warum ich, trotz der offensichtlichen Gefälligkeit der Geschäftsleute und meiner Vermieterinnen, trotz der sprachlichen Erleich- terung (denn es ist ja immer noch eine kleine Anstrengung für mich, Italienisch zu reden) hier irgendwie nicht richtig warm werde. Es sind mir ein bisschen zu viele Holzschnitzer (in St. Ulrich und Umgebung jedes zweite Haus !), ein bisschen zu viele und immer die gleichen Geranien vor den Balkonen, ein bisschen zu schön gemalte Häuser, ein bisschen sehr viel Tiroler Musik, und dieser, unser schönes klares Hochdeutsch so weich verschandelnde bayrisch-österreichisch-schweizer-tiroler Dialekt. All das zusammen geht mir irgendwie auf die Nerven.

Dabei möchte ich aber unbedingt positiv anmerken, dass die VÖLLIGE Zweisprachigkeit in der Provinz Bozen zur Wirklichkeit geworden ist, dank eines sehr intelligenten Erziehungssystems : ab 4 Jahren werden die lieben Kleinen, ohne gleich « überfordert » zu sein, mit Brocken der jeweils anderen Sprache sowohl zu Hause als auch im Kindergarten oder in der Vorschule gefüttert. Ab der zweiten Volksschulklasse lernen sie Lesen und Schreiben in der anderen Sprache. Was mal wieder genau wie in Montreal beweist, dass es also nichts mit »Sprachtalent » zu tun hat, wie sich vor allem die lieben Franzosen immer rausreden wollen, sondern mit Organisation und Fleiβ. Alle Menschen hier, vom Busfahrer bis zum Hochschulprofessor sind komplett zweisprachig und vor allem die junge und „mittelalte“ Generation hat sich durchaus mit der italienischen Staatsbürgerschaft abgefunden. Die ewig Gestrigen sind nur noch eine verschwindend kleine Minderheit und Österreicher, die Südtirol immer noch gerne als ihr Gebiet ansehen, sind ausgesprochen unbeliebt. Allerdings ist diese Gegend auch wohlhabend bis reich und da ist es dann einfach, zufrieden zu sein. Industrie, vor allem Sägewerke, Tourismus, Wein und Obstplantagen sichern der Bevölkerung ein mehr als gutes Einkommen.

Montag geht hier in Eppan die Apfelernte los und überall an den Wanderwegen, die oft mitten durch die Obstplantage führen, stehen strenge Schilder:

Dem Wanderer die Natur, dem Bauern das Obst!

Das hindert mich zwar nicht daran, doch hin und wieder einen frisch gepflückten Gravensteiner zu mopsen – er schmeckt  einfach besser als ein gekaufter. Zwei Äpfel bekomme ich sogar von einem Bauern geschenkt, dessen Schäferhund wie rasend auf mich losfährt und mich ins Schienbein zwickt, weil ich auf einmal vom Waldweg kommend im Hof stehe. Der Mann entschuldigte sich für seinen Köter und die Frau kommt gleich mit Alkohol zum Desinfizieren angerannt. Während der Mann mich ein Stück im Auto mitnimmt, erklärt er mir, dass ich die Äpfel ruhig essen könne, ohne sie abzuwaschen, da die « Karenzzeit » für die angewandten Gifte so kurz vor der Ernte längst überschritten sei. Tröstlich !

Übrigens kommen die Gastarbeiter-Pflücker aus dem eigenen Land, nämlich aus Kalabrien und Sizilien. Gleich muss ich an den Tunnelbauer denken, mit dem ich in Pieve di Caldora an einem Tisch aß und der mir erzählte, dass er seit Jahren (!), um Geld für sein eigenes Haus zu verdienen,  sechzehn Stunden pro Tag (!!) also zweimal eine Acht-Stunden-Schicht schiebt. Von wegen faule Italiener! Nur organisieren können sie eben nicht und daher bleiben ihre Anstrengungen, im Großen und Ganzen gesehen, doch ziemlich wirkungs- los. Auβerdem kommen Korruption und das nicht zu unterschätzende Problem der Mafia erschwerend hinzu.

Heute, am 15. August, mache ich die vierte und wohl letzte Sonntags-Höhenwanderung, und zwar von der Madonna di Campeglio in den Brentadolomiten aus: den Giro di Cinque laghi also den Weg der fünf Seen. Gestern Morgen war leider bei der Abfahrt aus Eppan zum ersten Mal seit sechs Wochen draußen alles grau in grau und die Schwalben beratschlagten, ob sie nicht doch lieber gleich in Richtung Süden ne Fliege machen sollten.

Aber als ich mit der Seilbahn zum Mendelpass hinauffahre und zum herrlichen Monte Penegal  wandere, von dem man eine wunderbare Aussicht auf Kaltern, den See und das ganze Tal bis hin nach Bozen hat, wird es bedeutend heller.

Der Wind ist ausgesprochen kalt und auf dem Aussichtsturm sind nur noch acht Grad. Doch um 11 Uhr, als ich wieder an der Seilbahn bin, reisst der Himmel endgültig auf und die Sonne strahlt wieder übers ganze Gesicht. Muss ja auch an Mariä Himmelfahrt!

Es ist schon sehr gewagt, ausgerechnet an einem Feiertag reisen zu wollen. Aber da der nächste Tag, ein Sonntag, in Bezug auf die Busse nicht besser  wäre, ist es dann auch schon egal. Mit drei italienischen und zwei deutschen Autos schaffe ich es, schon um 14 Uhr 30  in Pinzolo zu sein, mitten im schönen Sedegatal, zirka hundert Kilometer von Bozen entfernt. Das Verkehrsbüro ist „natürlich“ wieder geschlossen, da ich zurück im italienischen Teil bin und hier gibt es, Berge hin oder her, wieder Siesta-Zeit!

Im ersten Hotel, wo ich nach einem Zimmer fragte, lacht man mich glatt aus und sagt, alles sei restlos ausgebucht und ich würde nichts finden. Nun habe ich zwar im Hinterkopf eine Ausweichlösung parat, nämlich – da es hier weit und breit keine Jugendherberge gibt – eventuell in einer Hütte zu übernachten, denn die sind hier per Seilbahn relativ leicht und schnell erreicht. Aber trotzdem versuche ich es weiter, ein Zimmer zu bekommen, da ich ein Plakat entdeckt habe mit der Aufschrift: « Am 15.08. großes Eis-Schau- laufen im Stadion ». Das will ich mir nicht entgehen lassen! Nach einer Stunde habe ich es dann auch mit hartnäckigem Herumfragen geschafft, nehme schnell eine Dusche in meinem „Hotel Kanada“, und bin um 16 Uhr schon per Lift auf dem tausendsechshundert Meter hohen «Dos de Saiblon » vor dem überwältigenden Panorama der Brenta-Gruppe. Ein herrlicher Abstieg über zunächst steile Wege und dann saftige Almweiden belohnt meine Hartnäckigkeit!

Etwas später stehe ich auf einmal tief aufatmend  auf halber Strecke zum Tal oberhalb eines entzückenden Holzhäuschens und sehe in einem kleinen Garten zwei Kinder in einem aufblasbaren Schwimmbecken planschen. Sie könnten Heidi und Peter heißen. Aber statt des Almöhis  steckt ein sehr gut aussehender junger Italiener seinen Kopf um die Ecke und lädt mich ein, zu seinen Freunden und deren Frauen auf ihrer Terrasse ein Glas Wein, Käse und Brot zu teilen. Und da weiβ ich auf einmal schlagar- tig, was mir eigentlich im deutschen Teil von Tirol gefehlt hat: das Abenteuer! Alles ist da einfach zu normal…

Es wird eine sehr vergnügliche Stunde mit den Italienern und auf einmal funktioniert auch mein Italienisch ganz manierlich. Ich habe mich bei der Gelegenheit wieder einmal für den Beruf einer Journalistin entschie- den (da ich im Urlaub nie über meinen wirklichen Beruf rede). Ich erzähle ihnen von meiner Reise und befrage sie über das Tal. Ich bewundere das Haus, das 1927 gebaut wurde und für welches die Holzbalken noch per Kuhrücken angekarrt worden sind. Für Esel oder sogar Pferde war das Tal damals viel zu arm. Der Tourismus und das weiße Gold des Skisports hat das Leben hier doch erheblich verbessert.

Einer der Männer nimmt mich dann im Auto mit hinunter, damit ich noch duschen und essen könne vor dem Eis-Schaulaufen. Himmel, ist das ein Reinfall! Nur Junioren und keiner kommt ohne Fall über die Drei-Minuten-Runde. Rührend aber diese abgehackten Bewegungen und Sprünge. Ich denke daran, dass ich als Siebenjährige unbedingt Eislauf-Star werden wollte, weil meine beste Freundin Gabi die so toll zeichnen konnte. Nun bin ich sehr dankbar dafür, dass ich wunderbarerweise um diese grässliche kalte Atmosphäre der Stadien mit der die Ohren quälenden lauten und schlecht aufgenommenen Musik herumgekommen bin.

Letzter Tag am See von Como. Mein Gott, ist es schön hier! Sonne und See, Berge und Wärme verbinden sich zu selten erreichter Harmonie und beweisen, dass man doch alles zusammen haben kann, wenn man nur lange genug danach sucht. Nämlich die silbrige Leichtigkeit der Olivenbäume, die schwarze Strenge der Zypressen, dazwischen – als gefällige Verbindung von Nord und Süd – Buchen, Kastanien, Linden, Haselbüsche, Feigenbäume – und überall blühender Lorbeer !

Die nächste Großstadt, Mailand, liegt nur eineinhalb Stunden von hier entfernt und ich glaube, dass ich es hier eine Weile lang aushalten könnte! Die Fahrt am See entlang heute und natürlich auch auf ihm war ganz einfach wunderbar und so berühmte Namen wie Cadenabbia oder Bellagio sind nun wieder mit Erlebtem erfüllt.

Am besten gefällt mir die kleine Bucht von Pescallo, nur zwanzig Minuten zu Fuß vom mondänen Bellagio entfernt. Die Jugendherberge von Domaso liegt direkt am See, weit ab von der Straße und, so sollte man meinen, schön ruhig. Weit gefehlt ! Im Erdgeschoss gibt es ein Restaurant, das bis um Mitternacht offen ist für die Leute von den umliegenden Campingplätzen, das heißt also für Deutsche und Holländer, sowie für ältere Italiener aus einem nahegelegenen Erholungsheim, die hier von nachmittags drei bis zur Sperrstunde Karten spielen.

Die erste Etage, auf der die zwei Schlafsäle, getrennt durch Toiletten und Duschen, liegen, ist fast gänzlich von einer Deutschschweizergruppe belegt, die tagsüber Windsurfing lernt und abends Bibelsprüche auf ihre Tauglichkeit fürs heutige Leben hin abklopft. Das hindert sie aber nicht, rücksichtslos mit den Türen zu donnern und das Haus morgens um 7 Uhr mit Countrymusik zu wecken. Ich glaube, ich werde ihnen für heute Abend: « Liebe deine Nächste wie dich selbst! » vorschlagen.

Mein letztes italienisches Abendessen konnte ich gestern Abend noch drauβen direkt am See einnehmen. Gerne werde ich an das lustige Kartenspiel mit Bello, Guiseppe und Carlo zurückdenken, welches mich stark an ähnliche meiner Kindheit erinnerte, derart heftig wurde da geschummelt! Jeder versuchte, seinem Partner auf alle erdenkliche Art mitzuteilen, welche Karten er hatte – und im Ganzen wurde mehr gelacht als Punkte gezählt. Natürlich tut es meinem Italienisch sehr gut, so einschlägige Ausdrücke wie „Stechen!“, „ Liegenlassen!“, „Trumpf!“ und ein paar kräftige Flüche gelernt zu haben…

Und nun ist der letzte Tag angebrochen. Ich bin auf der letzten Seite meines blauen italienischen Heftes angekommen und auch am Ende meiner Reise. Alle Bücher sind ausgelesen, alle Kassetten abgehört, alle neuen Lieder gelernt. Es kann heimwärts gehen.

WAS BLEIBT: ARRIVEDERCI – ich komme garantiert wieder!

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