MÄRZ 2022 – GRANADA

Der perfekte Reisetag läuft so ab: Das Taxi wartet pünktlich um 4.30 Uhr vor unserem Haus in Saint Maur. Eine halbe Stunde später haben wir bereits die Kontrollen in Orly passiert und um 9.20 Uhr landen wir in Granada – mit SONNE! Das war laut Wetterbericht nicht vorgesehen und ist eine schöne Überraschung! Für ganze 3 € bringt uns der Bus direkt ins Zentrum von Granada. Im Vorbeifahren bekommen wir bereits einen guten ersten Eindruck von der großzügigen Architektur, die die Stadt prägt.

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Unser Hotel San Antón liegt sehr günstig, direkt neben der Endstation vom Bus und nicht weit von unserer FW entfernt, die wir morgen beziehen werden. Im Moment ist unser Hotelzimmer noch nicht fertig, da die Spanier an diesem Sonntag deutlich später aufgestanden sind als wir und es nicht eilig haben, das Hotel zu verlassen. Glücklicherweise ist das Personal  sehr freundlich und lädt uns ein,  in der Zwischenzeit den schicken gläsernen Aufzug zu nehmen, der uns a Tempo auf die Terrasse im achten Stock bringt. Von dort aus entdecken wir entzückt die Stadt mit der Alhambra und der schneebedeckten Sierra Nevada im Hintergrund.

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Was für ein Glück ! Wir lassen uns zu unserem ersten Sonnenbad nieder – herrlich. Und als Bonus haben wir alle Glocken der Stadt, die abwechselnd den Sonntag grüßen (es ist 12 Uhr mittags, Ende der Messe) und sich manchmal gegenseitig antworten – höchst stimmungsvoll !

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Wir nehmen die atemberaubende Treppe hinunter in den vierten Stock. Schönes Zimmer mit Blick, das wir aber rasch wieder verlassen, um die Stadt bei diesem herrlichen Sonnenschein zu erkunden!

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Schon bald erreichen wir das Rathaus.

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Und dann kommen wir zur eindrucksvollen Plaza Bib-Rambla.

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Keines der Touristen-Restaurants lockt uns wirklich. Es ist jetzt nach zwei Uhr nachmittags, die typisch spanische Zeit zum Essen, und auch wir haben Hunger. Wir gehen noch ein kleines Stück weiter und kommen zu einem hübschen kleinen Platz, der uns auf Anhieb gefällt. Dort, auf den roten Korbstühlen, geschieht eines dieser kleinen Wunder, für die wir das Reisen so lieben. Weder Mireille noch ich sprechen wirklich Spanisch, was wir unseren Gesprächspartnern jedes Mal vorsichtshalber mitteilen – wohl bemerkt in der Landessprache! Die Reaktionen sind, gelinde gesagt, gemischt. Wenn wir zaghaft fragen, ob die Person Englisch spricht, bekommen wir mehr als einmal ein unfreundliches „NO!“ zu hören. Für mich ist das in der heutigen Zeit in einer Stadt, die doch sehr stark vom Tourismus lebt, völlig unverständlich! Aber es gibt zum Glück auch die Anderen, die freundlich „un poco, un peu, a little“ antworten.

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Der junge Kellner Mikel, der uns bedient, ist sehr nett und spricht ziemlich gut Englisch, sodass wir es schaffen, ein Radler zu bestellen (ich bringe ihm sogar das Wort bei !) und nach der Karte fragen. Ein lokaler und sehr sympathischer Brauch dieser Stadt führt dazu, dass auf ein Getränk etwas später ein kostenloses Häppchen folgt. Die berühmte Tapa. Man weiß natürlich nie im Voraus, ob das Geschenk kalt oder warm ist, es kann ein Mini-Toast oder ein kleiner gefüllter Pfannkuchen sein, und im Allgemeinen werden die Tapas umso großzügiger, je mehr Aperitifs man konsumiert…

Da uns die unsere nicht reicht, bestellen wir eine echte „spanische Kartoffel-Tortilla mit frischen Eiern, à la minute gemacht“. Und da erscheint ein Wunder an Leichtigkeit und perfektem Geschmack! Wir lassen keinen Krümel davon übrig und Mikel ist begeistert.

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Er schenkt uns noch ein Mini-Dessert, das ebenso köstlich ist. Ein echter Glücksgriff ! Wir kommen ins Gespräch und er erzählt uns, dass er, seine Frau und ein Freund das kleine Restaurant erst vor ein paar Monaten eröffnet haben. Sie haben noch nicht einmal ein Schild, es heißt ganz nüchtern „Pescaderia 4“, was einfach die Hausnummer der Straße ist. Wir versprechen ihm, wiederzukommen, umso bereitwilliger, als der Preis für all diese Delikatessen unglaublich niedrig ist: Für unsere zwei Radler und das Omelett – das für zwei Personen völlig ausreicht – zahlen wir 13,50 €! Undenkbar in Frankreich.

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Der Besuch der Kathedrale ist ein Genuss. Sie war die erste Kirche im Renaissancestil, die in Spanien gebaut wurde, und ist eine der größten ganz Europas ! Die schönen weißen Säulen sind riesig und die Höhe unter der Sternenkuppel beträgt 64 Meter – wir sind sehr beeindruckt !

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Diesen schönen Tag beschließen wir in einem kleinen Bistro direkt neben dem Hotel mit zwei guten Gläsern Rioja und natürlich mit noch mehr Tapas 😊!

Auwei, Montag Morgen können wir die gegenüberliegenden Hügel vor lauter Nebel kaum erkennen !

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Nach einem sehr ausgiebigen Frühstück am Buffet im ersten Stock (8 € pro Person in einem **** Hotel !) ziehen wir in unsere Unterkunft um, von der man nur sagen kann, dass sie sauber, praktisch und in der Nähe des Zentrums gelegen ist. „Gemütlich“ ist aber anders. Leider gibt es kein WLAN (obwohl es angekündigt war) und so entgehen wir drei Tage lang den schlimmen Nachrichten aus der Ukraine.

Wir machen uns auf den Weg, um das Viertel Albaicín zu erkunden. Da es ziemlich steil bergauf geht – wie bei mir am Montmartre ! – ziehen wir es vor, an der Plaza Nuova einen kleinen Elektrobus zu nehmen, der uns in kürzester Zeit zum Mirador San Nicolás hinaufbringt. Von dort aus hätten wir bei besserem Wetter einen sehr schönen Blick auf die Alhambra…

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Aber schon so ist diese Ansammlung von Türmen und Palästen sehr beeindruckend – und das ist auch durchaus beabsichtigt !

Der königlich-islamische Städtebau ist einer der materiellen Ausdrucksformen einer Macht, die gleichzeitig weltliche und geistliche Autorität beansprucht. Diese Stadtplanung entspricht der Schaffung eines riesigen architektonischen Komplexes auf Befehl des Prinzen, der in seiner Ausdehnung und Verflochtenheit über den Palast, ja sogar über die Palastanlage hinausgeht und die Form einer echten Stadt annimmt, die von Mauern umgeben ist und den Herrscher, seine Familie und ein äußerst zahlreiches und vielfältiges Gefolge beherbergt.

Les Palais dans la ville von P. Boucheron und J. Chiffoleau. Presse Université Lyon 2019

Wir werden uns das morgen genauer ansehen. Vorerst beginnen wir sehr vorsichtig unseren Abstieg in die Stadt durch die kleinen romantischen Gassen dieses ältesten Viertels der Stadt, das sich seit dem Mittelalter kaum verändert hat. Sein Name bedeutet „Maurer“, denn zur Zeit der Nasriden-Dynastie war der Hügel ein Vorort, in dem sich alle Männer dieses Berufes zusammengetan hatten.

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Zugegeben, diese mit winzigen Steinen gepflasterten Straßen sind mit ihren hübschen weißen Häusern ganz pittoresk. Aber wir müssen höchst vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzen – der Boden ist vom Regen am Morgen etwas feucht – und sind erleichtert, als wir ohne eine Verstauchung unten am Rio Darro ankommen. 

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Mireille möchte jetzt gerne die arabischen Bäder sehen. Dort erwartet uns eine große Überraschung: Wir müssen nämlich unsere Pässe vorzeigen, um bezahlen zu können und um den Hammam al-Yawza zu entdecken.

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Er stammt aus dem 12. Jahrhundert und trägt den Spitznamen Bañuelo, als das kleinste der königlichen Bäder der Alhambra. Deshalb sind wir fünf Minuten später auch schon wieder draußen – und entdecken ein Stück weiter ein „Parfümmuseum“ mit diesem reizenden Innenhof.

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Klar, jedermann kann die Alhambra bei Sonnenschein besuchen – aber wirklich originell ist es doch, sie bei rotem Niesel-Nebel zu erkunden, der durch den Sandwind aus der Sahara verursacht wurde. Am nächsten Morgen sind wir bedient… !

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Es ist ziemlich genau 40 Jahre her, dass ich zum ersten Mal hier war, zusammen mit einer Schweizer Wandergruppe. Wir hatten ein interessantes Programm absolviert, bei dem wir abwechselnd die Städte besichtigten und Andalusien zu Fuß erkundeten.

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Ich muss gestehen, dass ich mich mehr an die Gärten als an die Paläste der Alhambra erinnere. Und ich bin froh, dass die vorgeschlagene Tour uns zunächst in die Gärten des Generalife führt, die den Sultanen als privater Erholungsort dienten. Das Wasser fließt von Brunnen in die verschiedenen Fontänen.  Es kommt übrigens durch ein geschicktes Spiel von Kanälen aus der benachbarten Sierra Nevada. Im Sommer bildete das Plätschern des Wassers den musikalischen Leitfaden für die Ruhe der Prinzen. Der kleine Palast ist von Obst- und Gemüsegärten umgeben, die sicherlich schon zur Zeit der Nasriden genutzt wurden, um die Alhambra zu versorgen.

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Während wir vor dem Tor der Nasridenpaläste warten, unternimmt die Sonne einen zaghaften Versuch, durchzubrechen – aber die Wolken sind leider stärker.

Wir beginnen mit dem großen Audienzsaal Mexuar, wo der Sultan seine Untergebenen empfing und Recht sprach.

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Die Schönheit der Details berührt uns: Die vier Marmorsäulen, das in radialer Position getäfelte Holz der Decken, die Azulejos an den Wänden und der Boden bilden ein harmonisches und bezauberndes Ganzes.

Weiter geht es mit der Gebetshalle und dem Hof der Goldenen Kammer. Es ist überall wunderschön – man kommt sich vor wie in Tausend und einer Nacht.

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Der beeindruckende Palast der Comares.

Wir beenden unseren Besuch mit dem atemberaubenden Palast der Löwen.

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Der letzte Tag ist Einkäufen gewidmet und wir lernen das schöne Zentrum der Stadt noch besser kennen. Es gibt viele große grüne und blumengeschmückte Plätze. Aber Vorsicht mit den Bänken nach dem roten Sandsturm aus der Sahara – wenn man sich ohne Zeitungspapier oder Plastikfolie hinsetzt, steht man mit dem Hinterteil eines Pavians auf!,

Auf der Plaza Trinidad genießen wir eine köstliche heiße Schokolade und beobachten amüsiert, wie ein Putzmann nur sehr lasch mit welken Blättern herumfuchtelt..

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Bei den Lebensmittelläden gibt es hauptsächlich zwei Arten : entweder Schinken und Wurstwaren oder Süßigkeiten, wenn möglich in den gewagtesten Farben.

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Aber es gibt auch den ersten Spargel (aus der Umgebung) zu einem Preis, der einen träumen lässt.

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Der Alcaicería-Markt bestand aus einer Reihe von Straßen zwischen der Plaza Nueva und der Plaza Bib-Rambla, voll von Ständen mit arabischer Seide, Gewürzen und anderen wertvollen Waren. Heute ist der einzige verbliebene Teil des Basars die farbenfrohe und malerische Calle Alcaicería.

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Für unsere letzte spanische Mahlzeit kehren wir wie versprochen zu Mikel zurück und bereuen es nicht. Das Interieur wirkt ein bisschen wie ein Pariser Bistro – neben uns sitzt übrigens ein französisches Paar und ich bin ganz stolz darauf, ihnen die berühmte „tortilla de patatas hecha al momento con huevos camperos“ (ha, ich mache schon in Lokalkolorit) empfehlen zu können.

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Mikel serviert uns den EINZIGEN Cava der Reise, da wir in allen anderen Cafés bei Nachfrage leer ausgegangen sind, offensichtlich ist es eher ein Getränk aus dem Norden.

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Unser Essen begeistert uns aufs Neue und die „tarta de queso azul/ Käsekuchen mit Blaukäse (!) ist ein einziger Genuss

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Ich verspreche ihm, seine Karte für seine zukünftigen Gäste ins Deutsche und Französische zu übersetzen, denn dieses junge Team verdient es wirklich, bekannt zu werden.

Und so endete unser Aufenthalt in einer Stadt, die allemal einen zweiten Besuch wert war !

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