2017 – Grand Canaria : Cava zum Frühstück

Es ist doch wirklich klasse, wenn man sich mal ein Vier-Sterne-Hotel zu einem günstigen Preis leisten kann! Schon bei der Ankunft in Las Palmas de Gran Canaria um zwei Uhr morgens – nach einem  scheuβlichen Flug in einer ungelüfteten VUELING-Maschine, in der wir wie die Ölsardinen saβen – finden wir im Speisesaal des Hotel CANTUR ein wunderbares kaltes Abendbrot vor und viel kühles klares Wasser, welches uns den Unbill der Reise schnell vergessen lässt. Unser Zimmer ist sehr geräumig mit einer kleinen Salon-Ecke und allem Drum und Dran (Kocher für Kaffee oder Tee, Eisschrank etc.). Die Betten sind hervorragend und das Duschbad ist ein Traum (auch da wird mit kleinen Aufmerksamkeiten nebst Fön nicht gespart).

Der erste Blick aus dem Fenster am ersten Ferienmorgen ist natürlich immer der spannendste! Unseres geht auf eine kleine Gasse hinaus und aus dem sechsten Stock sehen wir links einen Ausschnitt des Hafens und rechts einen vom „Stadtstrand“ Las Canteras. Das Tollste ist der Blick von der Dachterrasse mitsamt Pool — doch das Wasser da drin ist zu kalt für uns.

Darüber blauer Himmel, weiβe Wattewölkchen und Sonne, also nix wie runter zum Frühstücksbüffet! Netterweise gibt es das werktags bis um halb elf und am Wochenende bis halb zwölf – da könnte sich so mancher Hotelier in Frankreich und in Deutschland ein Beispiel dran nehmen!

Das Büffet ist sehr üppig mit zig Brot-und Brötchensorten, Körnerfutter für die, die’s mögen und allen mög-lichen Wurstwaren, kleinen heiβen Würstchen, Bacon, viererlei Eierspeisen, frischem Obst und Säften, Kuchen und Gebäck.

Sogar weiβe Böhnchen mit Tomatensoβe gibt es! Nur beim Käse ist jeden Morgen dieselbe Sorte da. ABER dafür gibt es in einer groβen runden Kühlschale zwei Flaschen Freixenet „cava brut“!

Das kriegen wir aber leider erst nach ein paar Tagen spitz, als mir nämlich auffällt, dass es sie NICHT zum Abendbüffet gibt — man will wohl der Bar in der Lobby keine Konkurrenz machen. Ich frage also höflich den Ober, ob das Getränk im Preis inbegriffen sei. Hurra, es ist! Und auf meine zweite Frage, WER denn bitteschön am Morgen zum Frühstück schon Cava trinkt, kommt die prompte Antwort: „Die Deutschen, Holländer, Norweger, Schweden, Dänen….“ Die stellen ja auch das gröβte Kontingent der Gäste – Franzosen sind fast keine da. Na, da MÜSSEN wir doch mithalten, oder? Zwar nur ein halbes Gläschen und erst am Ende des Frühstücks, aber man könnte sich durchaus dran gewöhnen….

Das Hotel liegt nur ein paar Schritte von der fantastischen Uferpromenade, der Paseo de las Canteras ent-fernt. Hier erstreckt sich der 3,2 km lange Stadtstrand „Playa de las Canteras“ mit Bars, Terrassencafés und Läden. Es ist kein Auto zu hören, man kann sich dem Meeresrauschen hingeben und schon nach einer Stunde wollen wir hier nicht mehr weg! Zumal auch die Preise mehr als zivil sind: nur fünf Euro pro Tag für zwei Liegen und noch mal 2,50 für einen Sonnenschirm.

Zwei volle Tage verbringen wir dort mit Lesen, Träumen, Dösen. Was ich auf dieser Insel geschlafen habe, geht auf keine Kuhhaut. Ich brauche diese Erholung offenbar sehr, denn die letzten Monate waren hart: Nach unserer wunderbaren Singapur-Bali-Reise war ich kaum drei Wochen braungebrannt und in Hochform in meiner neuen Wohnung am Montmartre, da passierte das Unglück.

Beim Tanzen vom Chachacha in meiner Gruppe rutschte ich aus und brach mir  beide „Malleoles“ am linken Fuβ. Sechs Wochen Gips im Rollstuhl! Da dieser zu groβ war für meinen Winzigfahrstuhl, kam ich nie anders an die frische Luft als am offenen Fenster – und das von Oktober bis Dezember. Nun ist der Fuβ nach drei Monaten verheilt. Ich hatte schreckliche Schmerzen bei jedem Schritt in der Reha, habe aber tapfer geübt und leiste mir nun diese 8 Tage zur Belohnung. Jeden Tag mache ich kleine Fortschritte beim Gehen an Mimis Arm, die eine Engelsgeduld die ganze Zeit über mit mir hatte und wirklich „best friend ever“ ist!! Auβerdem patschele ich brav zehn Minuten lang  – den Fuβ ABROLLEND – im Meereswasser. Schwimmen ist natürlich nicht drin, da mir 17 Grad einfach zu kalt sind. Überdies hat meine Augenärztin mir angedroht, mich nächste Woche nicht am Grauen Star zu operieren, wenn ich auch nur den leisesten Schnupfen hätte. Und Mi braucht man mit kaltem Wasser sowieso nicht zu kommen!

Gegen halb fünf wird es kühl und wir ziehen los, um die monumentalen Sandbauarbeiten, die Riesen- seifenblasen und die bunte Menge der Spanier (die in der Überzahl sind, was wir auch mal ganz schön finden) auf uns wirken zu lassen. Sehr entspannend wenn man zudem kein Wort versteht!

Doch auch die Verständigung klappt – im Gegensatz zum spanischen Festland – sehr gut. Am ersten Tag, an dem es eher grau und windig ist (doch JEDEN Tag haben wir auch Sonne und nur zwei, drei Huschen im Ganzen) gehen wir in ein Meereswasser-Spa, wo ich alle meine Übungen mit warmen Güssen und Sprudeldingern absolvieren kann. Danach bekomme ich die wunderbarste Massage meines Lebens von einem Venezolaner! Fast zwei Stunden dauert das Ganze und für einen quasi „balinesischen“ Preis, da wir einen Rabatt von unserem Hotel bekamen: nur dreiundzwanzig Euro für alle diese Wonnen!

Am zweiten grauen Tag stromern wir in der Altstadt herum, am malerischen Markt und vor der Kathedrale, wo für den nächste Woche beginnenden Karneval geprobt wird. Dieser dauert bis zum 5. März und zu dem Zeitpunkt sollte man die Stadt eher meiden, denn sogar wir bekommen schon am letzten Wochenende nachts durchs offene Fenster die „beschwingten“ und beschwipsten Mengen mit, denen leider unser Schlaf schnurzegal ist.

Zwei Sachen fallen uns besonders auf bei unseren Spaziergängen: erstens, wie sehr die Macho-Gesellschaft auch hier noch gang und gäbe ist. Auf einem der groβen Plätze spielen zum Beispiel NUR die Männer an Tischen, zu zweit, zu viert, zu sechst oder noch mehr Karten oder Mahjong. Und in den Bars, auf der Strandpromenade sitzen sie bei Wein, mit Gitarren und Gesang zusammen, während die dazu gehörigen Frauen wohl — ja, was wohl machen?

Zweitens behandelt man auf dieser Insel die Menschen im Rollstuhl ganz wunderbar! Überall gibt es schiefe Ebenen zum Meer hinunter und Schilder sind aufgestellt, um auf die speziellen Anlagen aufmerksam zu machen. Wenn das in Spanien geht, wieso dann nicht bei uns??

Natürlich gehen wir auch zum groβen Markt: schööön!

Heute Morgen regnete es richtig, sodass wir nach meiner Patschelei im Meer für eine Weile doch noch mal ins Hotel zurück mussten –– aber um 12 Uhr kam die Sonne wieder raus und wir also auch! Da entstand das letzte Bild, das ich ganz schnell geschossen habe, von den beiden Spaniern, von denen der eine gerade mit Regenschirm vom Schwimmen aus dem Meer kommt. Wir haben so gelacht und ich musste an das schöne alte Berliner Lied denken: „Der Insulaner verliert die Ruhe nicht…..“

Da ich am Tag unseres Abflugs einen neuen Schrittzähler gekauft hatte, konnte ich beglückt jeden Tag meine Fortschritte im Gehen feststellen und heute Christophe, meinem Heilgymnasten, sehr stolz unter die Nase halten: fast 34 Kilometer in sieben Tagen bin ich gelaufen, also mehr als die vier geforderten! Braun bin ich auch geworden und, HURRA, ich passe wieder in meine Jeans, das heiβt ich habe rund anderthalb Kilo abgenommen – mehr kann man von einer Woche Ferien wirklich nicht verlangen!

WAS BLEIBT: die ersten beiden Strandtage – im Januar – und die fantastische Massage, das sehr gute Hotel.

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