Nah

2013 – Valencia

Na, das fängt ja gut an: Als wir in Valencia ankommen, ist Mimis Koffer nicht da! So ein Mist –  aber wenn man reist, muss man das Risiko wohl in Kauf nehmen. Immerhin bekommt Mi als Ausgleich ein übergroβes T-Shirt, das als Nachthemd dienen kann, und Duschbad, Seife sowie eine Zahnbürste nebst der Versicherung, dass ihr Koffer morgen geliefert werden wird.

Das Schönste ist das Wetter! Die ersten zwei Tage sind wir wie leicht beschwipst durch die Wärme, denn unsere Körper waren am 20. Oktober natürlich schon auf „Herbst“ eingestellt. Nun ist  es auf einmal wieder Sommer mit Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad! Doch ist die Umstellung natürlich schöner als anders herum.

Unsere Tauschwohnung im Stadtteil „Russaffa“ ist sehr angenehm, mit zwei Schlafzimmern und zwei Bädern. Doch erstens liegt sie in einem Hochhaus von 15 Etagen (also mit Nachbarn oben drüber und daran  sind wir beide nun überhaupt nicht gewöhnt!) und zweitens gehen ausgerechnet die Fenster von Mireilles Zimmer und ebenso eines der Wohnzimmerfenster auf einen Fuβballplatz hinaus. Dieser ist einer Schule angeschlossen und DAS ist natürlich der Hammer!! Die arme Mi wird  JEDEN Morgen – inklusive am Wochenende – um 8 Uhr von Kindergeschrei geweckt und davon hat sie ja nun wirklich während der Schule jeden Tag genügend. Nett ist es dagegen, dass wir zwei Mal in den Genuss eines Privatfeuerwerks der Mannschaft kommen, die gerade gewonnen hat. Das hatten wir auch noch nie bisher!

Die Lage unserer Wohnung ist nicht zentral, man braucht zu Fuβ  fast 45 Minuten, um bis zur Kathedrale „Santa Maria“ zu kommen. Wir haben vorher gut den Stadtplan und unseren Führer studiert und so wissen wir, dass die Stadt, ähnlich wie Paris, in konzentrischen Halbkreisen um die Kathedrale und den Turia-Fluss angelegt wurde. Glücklicherweise finden wir den Doppeldeckerbus „Hop on, hop off“, mit dem wir gleich am ersten Tag drei Stunden lang durch die drittgröβte Stadt Spaniens gondeln. So bekommt man sofort einen tollen Überblick und weiβ, wo man noch einmal hinmöchte.

Wir klettern die 207 Kirchturmstufen rauf, um uns das Stadtzentrum mit dem „Plaza de la Virgen“  von oben anzusehen.

Das Zentrum ist relativ klein und zum Teil wunderschön,  mit riesigen Gebäuden im „katalanischen“ Jugendstil. Dieses Adjektiv ist WICHTIG! Kein noch so  stolzer Bayer kann mit einem Spanier – ganz gleich aus welcher Gegend – in puncto Lokalpatriotismus mithalten!!

Unser Lieblingsviertel ist ganz entschieden der „Colon“, mit Straβen, die auf beiden Seiten mit Bäumen bestanden sind, sehr schicke Läden  aufweisen und irgendwie  „berlinerisch“ anmuten.

Der  riesige „Mercado“/ Zentralmarkt, der verlockende Köstlichkeiten beherbergt, ist leider sehr teuer – wir decken uns lieber in unserm Viertel bei einem kleinen „um die Ecke“ ein, der sehr viel preiswerter ist.

Auch der Nordbahnhof lohnt das Anschauen. Kein Wunder, dass die Bauherren und Arbeiter elf ganze Jahre brauchten, um „Valencia Norte“  zu errichten.

Nach der Altstadt mit diesen schönen Gebäuden kommen wir nun zur modernen Seite der Stadt. Nach einer verheerenden Sturmflut des Flusses Turia 1953 wurde dieser in einem Kraftakt an der Stadt vorbei geleitet — und in seinem Flussbett gehen nun die Valencianer spazieren! Überall gibt es Kinderspiel- und Fussballplätze – und in diesem Viertel durften sich so ziemlich alle modernen Architekten austoben. Mir ist das zu gigantisch, ich fühle mich einfach nicht wohl in oder neben diesen riesigen Gebäuden:

Die  Ausnahme ist das « Oceanogràfic», ein einmaliges Aquarium, in dem wir in einem gläsernen Tunnel stehen und die Haie ÜBER uns schwimmen!  Ein (kleiner) weiβer Wal, die Pinguine und die Delphine gefallen uns sehr.

Das Schöne an den roten Bussen ist, dass man überall aus- und zusteigen kann und das 24 Stunden lang. Eine sehr gute Art und Weise, diese doch sehr weitläufige Stadt nebst Hafenviertel und Mittelmeerstrand zu besuchen. Aber meistens sind wir per Pedes unterwegs, jeden Tag mindestens drei Stunden lang – was sich zu Hause auf der Waage bei mir angenehm bemerkbar machen wird.

Alle Leute haben uns gesagt, wir müssten unbedingt die Tapas und die Paella – die ja in Valencia erfunden wurde! – probieren. Da wir den spanischen Rhythmus nicht schätzen, weil wir nicht erst abends um zehn essen möchten, kommt also beides für uns nur mittags in Frage. Und es gelingt uns auch, eine kleine Bar zu finden, wo man sich an der Theke die Tapas erstmal anschauen kann, bevor man sie verspeist. Normaler- weise muss man sie nämlich immer „blind“ bestellen und das ist mir schon einmal schlecht bekommen. Es gibt im Zentrum viele Fuβgängerstraβen, wo man angenehm sitzen und essen kann.

Und die wirklich sensationelle Paella – mit Kaninchen- und Hühnerfleisch sowie kleinen Schnecken – werden wir zum Abschluss sehr stilecht am Strand von Albuferra mit Freunden von Mi essen.

Jo ist Spanier, spricht aber ganz leidlich Deutsch, wir können uns verständigen. Cori ist Deutsche. Ihre beiden Jungen wachsen zweisprachig auf und – wie die stolze Mutter sagt – sie sind ein Teil der ersten Generation Spaniens, die schon ab der ersten Klasse Englisch haben. Wie im Sommer, wo wir zwei Wochen in der Nähe von Santiago de Compostela gewohnt haben, fällt uns nämlich auch in dieser Stadt auf, wie WENIGE Spanier eine Fremdsprache sprechen (wollen!).

Zwei Männer haben uns in Valencia französisch geantwortet, das war’s dann aber auch schon. Überschrift:  „Europa“. Obwohl gerade diese Stadt ungeheuer von den europäischen Geldern profitiert hat und jetzt von der Krise geschüttelt wird (es stehen viele Wohnungen zum Verkauf, manche Häuser verfallen auch ganz einfach), sind sehr viele Menschen in diesem Land nicht willens, sich anders als in ihrer eigenen Sprache, bzw. in ihrem Dialekt (!) zu verständigen und legen auf Tourismus (auβer an der Costa Brava) offenbar keinen gesteigerten Wert.

Eine sehr lustige Szene im Bus veranschaulicht dies: der Busfahrer will uns kontrollieren, spricht aber kein Englisch und versucht mir, mit viel Valencianisch, das er auch noch rasend schnell spricht, klar zu machen, was er will. Glücklicherweise bin ich nicht allzu begriffsstutzig…

Doch ein Besuch dieser Stadt lohnt sich auf alle Fälle.

WAS BLEIBT: die schöne Lampe, die wir in einem Laden im Stadtteil Colon entdeckten, und die nun Mimis Klavier ziert.

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