1991 – Harz und Thüringen

Am 20. August pünktlich  um 8 Uhr fahren wir von Mireilles Wohnung in Saint Maur (17 km östlich von Paris) ab und hören auf der Autobahn mehrere Radiosendungen über den Putsch gegen Gorbatschow in Moskau. Wir hoffen sehr, dass seine fortschrittliche Politik über die der erzkonservativen KPDSU- Funktionäre siegen wird!

Auf  unserm Weg in den Harz, um ein neues Stück meines nun endlich nicht mehr geteilten Landes zu entdecken, habe ich Heimatgefühle. Meine ganze Kindheit und drei Jahre meiner Jugend habe ich in Bad Lauterberg verbracht, nur knapp 30 Kilometer entfert von der „Zonengrenze“, auch ‚grüne Grenze‘ genannt, da es vor dem Mauerbau noch möglich war, von West nach Ost zu verschwinden, wenn man etwas ausge- fressen hatte…. Wir wollen die vor einem Jahr angefangene Erkundung der „neuen Bundesländer“ fortsetzen.

Mittags halten wir in der Nähe von Mannheim für ein Picknick an auf einer Wiese, genießen den Blick auf Blumenbeete, einen sauber gestapelten Holzstoß und den Wald dahinter. Es ist so heiß, dass die Luft über der Wiese flirrt. Schön.

Kaum wieder auf der Autobahn, stehen wir anderthalb Stunden im Stau, denn weit vor uns hat es ein Unglück gegeben. Alle Deutschen stellen sofort diszipliniert ihre Motoren aus – das wäre in Frankreich leider undenk- bar! Ich bekomme eine nagelneue Deutschlandkarte von einem neben uns haltendem Lasterfahrer geschenkt und revanchiere mich mit Petit-Fours aus Paris, die begeistert akzeptiert werden.

Übernachtung in Melsungen. Am nächsten Morgen gibt es Regen und Nebel. Wie schade! Sollte der Wetter- bericht von gestern Abend Recht haben? Ich behaupte kühn « der Nebel wird fallen » und wirklich, in der schönen Stadt Hannoversch Münden mit ihren herrlichen Fachwerkhäusern ist es schon so sonnig und heiß, dass wir anhalten müssen, um uns umzuziehen.

Auf dem Stein steht seit 1899 dieser schöne Spruch, den ich in der Volksschule gelernt habe:

„Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihre Namen büssen müssen. Und hier entsteht durch diesen Kuss – Deutsch bis zum Meer – der Weser Fluss“

In Göttingen denke ich mit Schaudern an die berühmte Kinderklinik, die ich leider mehr als einmal besuchen durfte, da ich ein oft krankes Nachkriegskind war. Aber ich denke auch an das schöne mutige Lied von Barbara, welches sie hier 1963 – nur 18 Jahre nach Kriegsende – schrieb und das längst zur „heimlichen Hymne“ aller Menschen geworden ist, die sich der deutsch-französischen Sache angenommen haben. Dazu zähle ich mich nur zu gerne. Bisher habe ich es noch nicht gewagt dieses Lied zu singen, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Erst einmal gehen wir durch die Stadt.         

In  Herzberg suche ich vergeblich nach meinem Gymnasium. Als Kind von zehn Jahren hatte es mich schwer beeindruckt, da es 1956 das modernste Niedersachsens war. Heute ist es nur noch eine Mittelschule und von der Stadt erkenne ich gar nichts wieder. Das ist allerdings logisch, da unser Schulbus genau vor der Schule hielt und die Fahrzeiten so angepasst waren, dass wir zehn Minuten vor Schulbeginn ankamen und sofort nach Schulschluss abfuhren.

Ab Scharzfeld beginnt mein Herz zu singen! Kaum sehe ich das rote Dach von unserem « Sonnenland » am Waldrand aufblitzen, gibt es kein Halten mehr! Doch je näher wir unserem ehemaligen Anwesen kommen, desto dichter wird die Weiβdornhecke und wir müssen uns anstrengen, um durch die Zweige überhaupt etwas zu erspähen.

Es ist unglaublich, wie die kleine Tannensiedlung gewachsen ist! Als ich 8 Jahre alt war, wurde sie auf der Wiese neben unserem Anwesen gepflanzt.

Wie oft bin ich über die kleine Holzbrücke und die Steintreppe zur Terrasse vor unserem Haus hinaufgestiegen und habe dort, wenn niemand von der Familie in der Nähe war, ganz für mich alleine getanzt, Gitarre gespielt, gesungen und von der „groβen weite Welt“  geträumt — die ich ja dann auch kennenlernen durfte!





Das Wetter ist einfach wunderbar, wolkenlos und heiß. Ich bin sehr gerührt, denn so viele liebe (und ein paar schlimme) Kindheitserinnerungen steigen in mir auf. Gleichzeitig bin ich im ‚gestern‘ und doch im ‚heute‘. Mimi ist sehr geduldig mit mir und hört sich meine Erzählung an. Später fahren wir hinein nach Bad Lauterberg, gehen in die Erikastraße Nummer 2 und ich sogar in den Garten des Gebäudes, lauthals Erklärungen für Mi abgebend, die etwas schüchtern auf der Straße stehen bleibt. Hier habe ich zwei Jahre lang  mit meinem Bruder bei unseren Großeltern gewohnt. Da erscheint ein Mann am Fenster. Als er hört, wer ich bin und dass diese Wohnung mal unsere war, entspinnt sich ein Gespräch und es stellt sich heraus, dass er ein ehemaliger Schulkamerad meines Bruders ist! Doch wir sind nicht in Frankreich – er bittet uns nicht herein…

Also gehen wir weiter. Ich zeige Mimi die Oderpromenade mit den schönen alten Villen und den Kurpark, (Eintritt 3 Mark während des Konzerts, das von drei sehr alten Herren bestritten wird…).

Danach machen wir uns auf die Zimmersuche. Viel zu teuer ist es hier: Über hundert Mark fürs Zimmer mit Frühstück! Während ich uns eine halbe Stunde lang über den immer noch schönen – und immer noch zu kalten – Wiesenbek rudere, schimpfen wir wie die Rohrspatzen, denn die Zimmer „bei privat“ sind fast genauso teuer wie in den Hotels und „für ein bis zwei Nächte machen wir uns die Arbeit nicht“. Typische sture Harzer Mentalität! Also auf zur Tour über die Dörfer. In Osterhagen sind die Bauernhöfe entweder zu teuer oder voll.

In Barbis finden wir endlich ein nettes und erschwingliches Zimmer für 70 Mark. Die sehr elegant angezo- gene alte Dame und ihr zuvorkommender, wie für diesen Beruf geschaffene Sohn geben sich wirklich alle Mühe für uns. Nach einem leckeren und preiswerten Essen im „Kurhotel Riemann“ (das war das einzige, welches  meine Großeltern mit ihrer Kundschaft beehrten) fahren wir zurück nach Barbis und haben noch Lust auf ein letztes Glas.

Über die Weinauswahl kommen wir mit unserem Wirt ins Gespräch. Er erzählt uns, dass der Verkehr hier seit ‚der Wende‘  um 150% gestiegen sei, dass die hiesige gröβte Fabrik, die DEFA, 200 Leute eingestellt habe und dabei sei, VARTA zu überflügeln. Nicht ohne Genugtuung fügt er hinzu:

Wir sind eben nicht mehr Rand sondern jetzt in der MITTE von Deutschland!

Schön. Denn wie oft habe ich als Kind meine Großeltern über dieses ‚mickrige Zonenrandgebiet‘ schimpfen hören! Er ist erst vor fünf Jahren aus Hildesheim hierher gezogen. Uns gefällt die Atmosphäre bei ihm und ganz besonders die alte Dame, die uns von ihren Motorradfahrten nach Frankreich erzählt. Die letzte gute Neuigkeit des Tages ist die, dass Gorbatschow wieder in Moskau ist und der Staatsstreich niedergeschlagen sein soll. Fein!

Die Nacht wird leider sehr unruhig, da unzählige LKWs über die Landstraße vor unserem Fenster donnern – das kleine Dorf Barbis ist so klein nicht mehr. Etwas übernächtigt trösten wir uns mit einem üppigen Frühstück  (an dem sich ganz Frankreich ein Beispiel nehmen könnte!) und auf geht’s zum Hausberg von Bad Lauterberg. Zu Fuß, denn erstens ist es zünftiger und zweitens—ist der Sessellift noch geschlossen.

Es ist ein schöner Weg bei herrlichem Wetter und um 9 Uhr ist uns schon sehr heiß! Leider ist das Lokal oben auch noch nicht offen und wir müssen uns mit der wunderbaren Aussicht begnügen. Mimi macht ein besonders schönes Foto über meine Schulter hinweg – und so schaue ich auf meine Kindheit zurück…

Danach laufen die beiden Fräulein Ungeduld auch wieder hinunter, anstatt immer noch 20 Minuten auf den Sessellift zu warten. Ich erzähle Mimi viele kleine Anekdoten von den Spaziergängen und Wanderungen mit meinen Großeltern und von meinen vielen « Abkürzungen » hier rund um den Hausberg. (Ein richtiger Wildfang war ich als Kind und hatte mit Puppen nicht viel am Hut.) Leider kann ich Mi nicht dazu verführen, eine auszuprobieren  – sie bleibt lieber vorsichtig auf den Wegen….

Dafür findet sie aber unsere Kirche genauso schön wie ich und ich kann nicht anders als „ Lobet den Herren“ für uns zwei ganz alleine zu singen. Wie oft habe ich dort oben auf der Empore mitten in unserm Kirchenchor gestanden und an allen heiligen Festen gesungen! Leider war ich nicht frei vom Neid auf die Tochter des Chorleiters, die immer die schönsten Soli singen durfte, hrrrm.

Dann geht es an der Odertal- sperre entlang viele Kurven bis hinauf nach Braunlage, um auch da einen kurzen Abstecher zu meinem alten (dritten!)  Gymnasium zu machen. Es war vor dreiβig Jahren das kleinste der Bundesrepublik. Da mich leider viele ungute Erinnerungen an die drei dort verbrachten Jahre befallen (ich wurde von mehreren Klassenkameraden regelrecht gemobbt), kaufe ich mir zum Trost den besten Honig der Welt, nämlich den meiner Kindheit, der so sahnig-duftend ist wie nirgendwo sonst!  

Weiter geht es nach Goslar zur berühmten Kaiserpfalz. Die Dame, die uns führt, begeistert und beeindruckt uns  mit der Fülle ihres Wissens.

 Aber auch die Altstadt gefällt uns sehr.                      

Abends übernachten wir in Quedlinburg, ein Städtchen, das einen schönen Marktplatz aufzuweisen hat.

Übernächtigt und schlecht gelaunt, weil wir wieder wegen des Verkehrs und wegen fehlender Doppelfenster („so weit sind wir hier noch nicht“) kaum geschlafen haben,  beschlieβen wir am nächsten Tag, heute so lange zu suchen, bis wir für zwei oder drei Nächte etwas wirklich Ruhiges finden. Die Fahrt führt und ins kleine Dorf Güntersberge, wo wir eine Ferienwohnung ab- seits der Straβe für nur 50 Mark finden und uns häuslich niederlassen. Ein Spaziergang im Regen, ein leckeres Essen und ein Fernsehabend mit einer guten Flasche Franken-Wein geben uns die nötige Bett- schwere.

Gut ausgeschlafen brechen wir am nächsten Morgen zu unserer Brockenbesteigung auf. Die Sonne lacht, wir finden den Weg durch den Wald  wunderschön. Ich erzähle Mi, wie mein kleinerBruder und ich uns sehnlichst gewünscht hatten, EIN MAL bei der Walpurgisnacht dabei sein zu können, um zu sehen, wie die Hexen mit dem Teufel „tanzen“ — denn so hatte es unsere Omi erzählt. Wenn wir fragten, warum das nicht möglich sei, hörten wir immer nur: „Das geht leider nicht“. Schluss. Erst am 13. August 1961 werden unsere entsetz- ten Eltern uns in Berlin-Zehlendorf erklären, wie es zur Teilung von Deutschland und schlussendlich zum Mauerbau kam.

Der Blick von dort oben ist überwältigend und wir bleiben lange sitzen.  Dann fahren wir nach Bad Sachsa zum „Märchengrund“ der 1910 gebaut wurde und in den ich als kleines Mädchen ganz vernarrt war. Auch Mi ist begeistert, findet ihn süß gemacht und bedauert nur, dass es ganze drei Märchen gibt, die hier dargestellt werden. Wir amüsieren uns wie die Kinder unter den leicht schockierten Gesichtern der Erwachsenen und haben sofort die großartigsten Ideen, wie man den Laden modernisieren und erweitern könnte…

Abends sehen wir in der „Tagesschau“, dass die Balten-Republiken endgültig unabhängig sind und freuen uns mit ihnen. Gorbatschow ist allerdings nicht mehr KP-Chef  und die Ereignisse in Russland überstürzen sich…

Am nächsten Morgen fahren wir nach Walkenried.Das Kloster ist leider noch geschlossen und wir wollen nicht bis zur nächsten Führung warten. Also weiter nach Nordhausen. Unser schlauer Führer bezeichnet die Stadt als sehenswert, doch wir finden sie leider sehr hässlich. Hier wurde NICHTS gemacht seit Kriegsende: Verlassene und verfallene Häuser überall, es sieht ganz schrecklich aus!

Später auf der Post in Harzgerode muss der Brief an meine Mutter immer noch ein „Spezial-West-Zeichen“ bekommen und auch hier kann ich beim Telefonieren nicht direkt nach Frankreich durchwählen, sondern muss übers Fernamt gehen. Kruzitürken nochmal ! Ein junger Mann rät mir, doch besser den Umweg über „drüben“ auf mich zu nehmen, das ginge schneller….

Wir verlassen den Harz und rollen auf den Kyffhäuser zu. Obwohl auf dem Parkschein 0,50 Pfennig steht, müssen wir zwei Mark Eintritt für die Barbarossahöhle zahlen! Die Führung beginnt in 3 Minuten – also nix wie rein! Die Höhle ist riesig, 9 Grad  kalt, Luftfeuchtigkeit 98%. Es hätte interessant sein können, wenn wir nicht eine Art von Drachen als Führerin gehabt hätten, die außer « und aufrücken bittääää ! »  ihr ganzes Repertoire möglichst « witzig » darbringt. Jedenfalls denkt sie das. Doch sie ist einfach nur lächerlich und wir gehen, ohne ein Trinkgeld zu hinterlassen.

In Erfurt wird überall restauriert, renoviert und einmal mehr stehen wir traurig und geschockt vor halb bis total zerfallenen Häusern. Da, wo sie schon hergerichtet sind, kann man sicher sein, Banken Sparkassen und Versicherungen zu treffen. Der schnöde Mammon ist eben überall. Hier finden wir auf der Krämerbrücke sogar schöne wenn auch sehr teure Antiquitätenläden.

  • Ganz besonders gefällt uns das Rathaus mit seinen auf die Wände gemalten Sagen und Geschichten vom Tannhäuser und Luther – noch dazu in vier Sprachen kommentiert. Das ist wirklich sehr schön!

Und nun fahren wir in den Thüringer Wald. Ich entdecke zu meinem Entzücken wunderbar  weite Täler  und Wälder, die so schön sind, dass niemals jemand auf die Idee käme, es gebe ökologischer Probleme wie sauren Regen oder Waldsterben….

In Frauenwalde brauchen wir anderthalb Stunden für die Wohnungssuche, da die Fremdenverkehrsvereine überall ab 16 Uhr geschlossen sind. Na toll!  Wir sehen auch Ferienwohnungen, die schlimm herunterge- kommen oder zu laut sind, viele sind auch schon vergeben. Aber ganz egal ob hübsch oder hässlich, JEDE Ferienwohnung kostet hier 30 Mark! Der Himmel mag wissen, warum.  Glücklicherweise finden wir doch etwas Passendes und daraufhin leisten wir uns ein Essen im Restaurant mit – natürlich – Thüringer Rost- braten. Die Flasche Wein kostet nur 8 Mark 40. Leider ist er aber halbtrocken! Trockene Weine « sind hier noch nicht gefragt » wird uns beschieden.

Wir haben in den ersten sechs Tagen nur 400 Mark verbraucht, also halb so viel wie in im Saarland oder in Baden. Außerdem fällt uns auf, dass die Solidarität hier immer noch hochgehalten wird: Nachbarn unter- stützen einander und reichen uns weiter vom Einen zum Anderen. Wichtig ist nur: Einer macht das Geld und das Geld bleibt im Dorf! Manchmal sehen die Dörfer hier schon wie „drüben“ aus, sie sind im Allgemeinen besser dran als die in Mecklenburg im letzten Jahr. Viele Straßen sind neu gemacht. Auch im kleinsten Dorf haben sich Eduscho und Tchibo angesiedelt, überall gibt es allerdings glücklicherweise auch Werkzeugläden, Zeitungsläden und Kioske. Die Thüringer sind ausgesprochen nett. Doch lebt die Post auch hier noch hinter den Bergen bei den sieben Zwergen und unser Express-Brief für Freund Rudolf wird vier lange Tage brauchen. Seufz!

„Über allen Gipfeln ist Ruh“ am Kickelhahn bei Ilmenau. Hier irrte Goethe nicht! Wir steigen die drei Kilometer  hinauf, unterstützt von vielen leckeren Himbeeren am Wegesrand. Oben ist es ganz einfach wunderbar.

Man fühlt sich weniger eingesperrt als in den schmalen Tälern des Harzes. Die Häuser der Dörfer scheinen uns größer, behäbiger, ja moderner. Man sieht keinen einzigen Polizisten und die Leute fahren fast zu vernünftig, zu zögerlich. Man merkt, dass sie so viel Verkehr nicht gewöhnt sind.

Am nächsten Morgen sind wir sehr früh wach und sitzen schon um Viertel nach sieben im Auto, um nach Eisenach zu fahren. Auf der wunderbaren Straße befindet sich leider nur eine einzige Tankstelle und die liegt  auf der für uns „falschen“ Seite. Nicht mal an der Autobahn gibt es welche und in ganz Eisenach nur vier! Als ich den netten Benzinman auf die, wie wir finden, zu hohen Preise anspreche, sagt er uns, dass man gerade letzten Montag im Bundestag darüber gesprochen hätte. Fortsetzung folgt…

Beim Durchfahren der Dörfer um und in Eisenach fällt uns immer wieder die in allen Farben schimmernde Haarpracht der Damen auf. Überall gibt es eigentlich nur flammendes Rot zu sehen. Ein Sonderangebot? Und dann diese Namen, die für unsere Ohren und Augen immer noch sehr merkwürdig klingen wie „Kaufhalle, Kaufstätte, Getränkeverkauf hier“. Leider gibt es neuerdings auch im kleinsten Dorf  „Blumenshops“. Wie schrecklich! Wie schade, dass das dämliche ‚Denglisch‘ leider auch hier Einzug hält!!

Eine Viertelstunde vor Öffnung der Wartburg stehen wir schnaufend davor, denn der Aufstieg ist steil –  und die dafür vorgesehenen Esel stehen noch im Stall. Wir sind die Ersten und können ungestört Fotos machen. Der Blick von hier oben ist so einzigartig, dass Luther wirklich eine enorme Konzentrationsfähigkeit haben musste, um da arbeiten zu können. Der wusste jedenfalls auch, wo es schön ist!

Ich bin schwer beeindruckt, es ist sicherlich die schönste Burg, die ich in Deutschland bisher gesehen habe. Die Räume sind alle sehr harmonisch geschnitten und mit wunderschönen Mosaiken, Intarsien und Kastendecken versehen sowie mit alten Truhen, Instrumenten und Möbeln jeglicher Art versehen. Die Führung ist nicht schlecht. Danach dürfen wir das Museum in Ruhe besichtigen. An der Wand gibt es interessante Erklärungen zum Thema deutsche Sprache und deutsche Geschichte.

Um 10 Uhr stehen wir wieder draußen, hochzufrieden – und sehr hungrig! Aber natürlich gibt es hier mitten am Vormittag kein Frühstück mehr. Also hinunter in die Stadt zum Einkaufen: 64 Pfennig die Gartentomaten, ein Kilo Johannisbeeren für drei Mark – nur die Pfirsiche sind so teuer wie im Westen des Landes. Weder hier noch im Harz haben wir  wie im vergangenen Sommer Straßenverkauf gesehen. Aus der Post komme ich nach 25 Minuten vergeblichen Nudelns wutschnaubend heraus: Wie die Leute hier mit dem Telefonnetz arbeiten wollen ist mir ein Rätsel. Da liegt es wirklich noch sehr im Argen!

Wir verlassen die Stadt auf unseren geliebten kleinen Landstraßen und die Harmonie der wunderschönen Landschaft schafft es schnell, dass auch ich wieder harmonisch werde. Wir lachen schallend über den deutschen Schlager, der definitiv nicht tot zu kriegen ist. Die Perle von heute: « Ich schaff es schon, ich schaff es schon, ich schaff es gaaaanz alleine!» Wir wünschen es ihnen allen von ganzem Herzen!

WAS BLEIBT: Die Verwunderung darüber, dass Freunde oder Bekannte immer noch keine Reise in die sogenannnten „neuen Länder“ gemacht haben.

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