Mai 2022 – KURZ UND GUT : BEAUVAL

Jedes Mal kurz vor Beginn einer Vorstellung, sei es im Theater (das ist leider seit zwei Jahren nicht mehr vorgekommen!) oder wie hier auf der schönen Freilichtbühne von BEAUVAL mit 5000 Plätzen, kribbelt in mir die Vorfreude. Nur vor meinen eigenen Konzerten möchte ich manchmal vor lauter Lampenfieber woanders sein 😊.

Während unten auf der Bühne und hinten im Grünen die Falkner und Falknerinnen (die Hälfte des Personals ist weiblich) geheimnisvolle Behälter und je einen Vogel bringen, füllt sich das Halbrund zusehends. Ich schlage schnell mal die Geschichte dieses wunderbaren Zoos nach, des fünftgrößten Europas und des viertschönsten der Welt, so heiβt es in der Broschüre.

EINE Frau war bis 2021 das A und O des Ganzen. Sie hieβ Françoise Delord, wollte Schauspielerin werden – jobbte nach ihrem Studium aber 6 Jahre lang im Pariser Variété BOBINO, wo sie visuelle Nummern von Künstlern präsentierte, die im Vorprogramm von Stars wie Jacques Brel, Léo Ferré und Georges Brassens auftraten. Dort begegnete sie dem Zauberer Jacques Delord (dessen poetische Seilnummer ich in diesem schönen Theater in den 70ern bewundern durfte), heiratete ihn und bekam zwei Kinder.

Afrikanischer Silberschnabel – Wikipedia

Ein Paar afrikanischer Vögel, „Silberschnäbel“, die sie durch ein Abonnement einer Kinderzeitschrift gewonnen hatte, veränderte dann ihr Leben. Sie kaufte nach und nach circa 300 Vögel, für die ihre Pariser Wohnung natürlich zu klein war. Deshalb erwarb sie das Anwesen „Beauval“ in der Nähe von Saint-Aignan-sur-Cher, wohin sie mit ihren Kindern zog. Den Zoo-Park, den sie 1980 gründet, bezeichnete sie gerne als ihr drittes Kind.

Zunächst ein einfacher Vogelpark, wird Beauval mit dem Kauf der ersten Raubkatzen 1989 zum Zoo. Mit der Ankunft eines Paares äußerst seltener weißer Tiger im Jahr 1991 steigt der Bekanntheitsgrad des Zoos. Als die Großen Pandas, die 2012 aus China ankommen, wird er international. Die chinesische Regierung vermietet die Tiere für 800.000 € pro Jahr (hinzu kommen die Kosten für den Bambus, Medikamente usw. – aber die Zuschauerzahlen sind seitdem auch dementsprechend gestiegen…).

Zu den Pandas laufen auch wir heute Morgen als erstes. Es ist ein strahlender Frühlingstag, besseres Wetter könnten wir nicht haben. Gestern, am 8. Mai (der in Frankreich auch geschlagene 77 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges immer noch höchst feierlich begangen wird), sind wir am frühen Nachmittag aus Saint Maur aufgebrochen und hatten eine wunderbare Fahrt. Nach der Überquerung der Loire, kommen wir durch die grüne Sologne, das Herz von Frankreich, „douce France“ genannt. Hier stehen die meisten Schlösser.

Nach dreieinhalb Stunden erreichen wir in Saint-Aignan an und gleich darauf in Seigy, wo wir unser B&B „La Vigneraie“ beziehen. Der alte Hof wird nach und nach mit viel Liebe und gutem Geschmack von Florence Chandon renoviert. Der Garten ist schön „wild gepflegt“ und riecht nach Glück mit der Glyzinie, der vom Geiβblatt überwucherten Laube und den Palmen in Kübeln. Heute Morgen durften wir ein wunderbares Frühstück genieβen mit zweierlei Ziegenkäse und zwei köstlichen Konfitüren, natürlich alles hausgemacht. Wirklich eine gute und seinen Preis werte Alternative zu den überteuerten Hotels rund um den Zoo herum.

Und nun sind wir am Ziel. Der Eintritt von 34 € ist happig, allerdings sind darin sämtliche Vorführungen sowie die Benutzung der Schwebebahn enthalten. Wir sind sofort von der groβzügigen Anlage mit riesigen alten Bäumen angetan. Die Bezeichnung „Zoo-Park“ ist absolut berechtigt, die Tiere haben wirklich sehr viel Platz und Auslauf: 44 Hektar für 800 verschiedene Arten, um genau zu sein.

Wie gehen an den herrlichen Flamingos vorbei, schauen den Gorillas zu und ich bemitleide einen Storch, der genau so auf seinem Bein zittert wie ich jeden Morgen bei meiner Übung 😊.

Zügig geht es weiter an den verschiedenen Affenarten vorbei, bis wir zu den „Chinesischen Höhen“ kommen, und durch das Portal schreiten, das uns zu den Pandas bringt. Ich bin froh, endlich diese putzigen Tiere in Natura sehen zu dürfen. Im Zoo Hannover gab es zu meiner Kindheit keinen, und auch in Berlin kam das erste Panda-Pärchen Bao Bao und Tjen Tjen als Geschenk für Kanzler Helmut Schmid erst 1980 an.

Desto mehr freue ich mich nun, PPP (Papa Panda) nebst Weib und Kindern zu sehen. Er bricht die Bambus Stangen wie Mikados, die rattengroβen Zwillingsschwestern vom letzten August sind inzwischen richtig groβe Knuddelb¨ären und Mama lustwandelt im Park und legt vor dem staunenden Publikum und zur hellen Freude aller anwesenden Kinder ohne Scheu ziemlich groβe hellgrüne Haufen…

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Wir lernen, dass Mama Bär jedes Jahr nur einmal zwei bis drei Tage lang empfänglich für das Werben von Monsieur ist und nur ein bis zwei Babies bekommen kann. Da sie sich in freier Wildbahn völlig alleine um ihre Kleinen kümmern muss (typisch Bär!), und stundenlang nach Nahrung für sie sucht, kommt meistens nur ein Baby durch, weil die Mutter nicht genügend Milch für zwei hat. Wohingegen Mama Huan Huan sowie die Zwillinge Huanlili et Yuandudu hier im Zoo von zwei extra aus China (trotz Pandemie !) eingeflogenen Pflegerinnen sieben Monate lang gehegt und gepflegt wurden.

Tschüs, kleiner Bär, Du könntest hier noch bis zu 20 Jahren in Frieden leben. Aber Du musst in ein paar Jahren nach China zurück, wo Du in einem Reservat „wild“ leben wirst…

Nun möchten wir aber zu den Elefanten! Ich habe nie das Glück gehabt, auf meinen Tourneen in Afrika einen zu sehen. Und nun hier gleich eine ganze Herde, von denen der Chef – im Bild vorne rechts – sage und schreibe eine Widerristhöhe von 4 Metern hat (meine Wohnzimmerdecke :3,50 m). Sehr beeindruckend.

Uns ist nun nach etwas Ausruhen zu Mute und so nehmen wir die schöne Schwebebahn, die uns ruck-zuck zum anderen Ende des Geländes bringt.

So bekommen wir einen guten Überblick, zumal der Boden der Kabinen verglast ist.

Die Giraffen haben es gut und wir dürfen sogar ihre mehr als haushohen Ställe sehen. Gleich nebenan wohnen die Nashörner und das Zebra, an dem ich zum ersten Mal bemerke, dass sich die Streifen bis hinauf in seine Haarmähne ziehen.Höchst elegant.

Dem Tiger ist es offensichtlich zu heiß, und König Löwe hat sich samt Gemahlin so sehr zurückgezogen, dass ich sie trotz Zoom kaum zu fassen bekomme.

Da ertönt ein Pfiff und es kommt eine Ansage für unsere Schau der „Meister der Lüfte“: bitte keinesfalls aufstehen, sich möglichst wenig bewegen, nichts Essbares in den Händen halten. Dann geht es los. Aus heiterem Himmel – nie war dieser Ausdruck richtiger – stürzen sich die Vögel auf ihre Pfleger, die sie mit Fleischstückchen belohnen.

Inzwischen stehen die Falkner nicht nur unten, sondern Andere haben sich hinter uns oben und an den Seiten aufgestellt. So kommt eine wunderbare Choreografie zustande, die Vögel wissen genau, was sie zu tun haben und fliegen pfeilschnell, aber sicher an-, über- und untereinander vorbei, so dass ihnen nichts geschieht. Ein berückendes Bild, das in einem furiosen Finale gipfelt, in dem sämtliche Vögel, vor allem die kleinen bunten Papageien, sich tummeln und von der begeisterten Menge beklatschen lassen!

Als ich abends um halb acht am Montmartre ankomme, bin ich erfüllt und glücklich. Einmal mehr haben wir in nicht mal 36 Stunden unglaublich viel Schönes erlebt: Harmonie zwischen Menschen, Tieren und Natur!

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