2019 – Mauritius im November

DER EMPFANG

Wie schön, wenn man nach einer 20-stündigen Reise auf einer groβen Terrasse ankommen darf,  mit  einzigartigem Ausblick auf den Indischen Ozean und die Bucht von Tamarin einerseits und den 858 Meter hohen „Piton de la Rivière Noire“  andererseits. Da ist das Novemberwetter von Paris doch sofort wie weggewischt!

Meine Tauschpartnerin Françoise  empfängt uns mit selbstgemachter kalter Suppe, Obst, Zwieback und einer Flasche Merlot. Dann zeigt sie uns voller Stolz ihre schöne Wohnung und empfiehlt sich samt  Hund.

Herrlich, so brauchen wir heute nur noch auszupacken und nicht mehr aus dem Haus. Wir beschlieβen einstimmig, den Flug mit Air France, schlechtem Essen und defekten Bildschirmen (daher keine Filme) schnellstens zu vergessen. Ebenso die einstündige Wartezeit bei der Einreise, wo uns die Gesundheitsbeamten mehr als genau unter die Lupe genommen haben aus lauter Angst, wir könnten aus Malaysia  (das wir Ende JULI verlassen haben!) eine Krankheit auf die Insel einschleppen.

Genüsslich rekapituliere ich beim Wein, wie ich im letzten Winter auf der Tauschbörse „ Homeexchange “ nach einer Bleibe auf dieser schönen Insel gesucht habe.

Ich wollte  EIN MAL im Leben meinen Geburtstag in der Sonne verbringen. Das letzte Mal, als es am 16. November in Paris sonnig war, schrieben wir das Jahr 2006! So kam Françoise im Juli zu mir, als wir in Penang weilten, und nun wohnt sie zehn Tage lang bei einer Freundin im Nachbarort. Wir richten uns häuslich ein – jede hat ein geräumiges Schlafzimmer mit Bad und Toilette.

Auch das Wohnzimmer mit moderner Küchenzeile ist angenehm groβzügig.

Und Buddha hält Wache über unseren Schlaf.

TAMARIN

Während wir am nächsten Morgen auf unser Mietauto warten, suchen wir in den Unterlagen, die eigentlich immer den Gästen zur Verfügung stehen (sollten), nach einer Straβenkarte des Ortes. Vergeblich. Tamarin ist ein groβes Dorf mit knapp 4000 Einwohnern und liegt im Südwesten der Insel. Einst ein Fischerdorf, ist es jetzt vor allem von Surfern begehrt, denn im Juli/August gehen hier die Wellen hoch!

An einem der Hügel, die das Dorf im Osten umgeben, liegt unser modernes dreistöckiges Haus. Die Auffahrt ist haarig: kurz aber sehr steil! Mi ist etwas nervös, denn auf der Insel herrscht Linksverkehr. Ein Erbe der englischen Kolonialherren. Françoise hat uns gestern nur ganz locker gesagt, dass es „drei verschiedene Supermärkte, alle nur 5 bis 10 Minuten weg mit dem Auto“ gäbe. Aber WO die nun genau liegen sollen ist uns ein Rätsel.

Unser Leihwagen kommt und wir schlucken: fast 90.000 km hat er auf dem Buckel und die Gangschaltung kracht. Allerdings ist das kein Wunder bei den hiesigen Straβenverhältnissen! Wir verfahren uns gleich auf den ersten Metern, denn gestern im Taxi waren wir beide viel zu müde, um auf den Weg zu achten. Es geht zunächst einen sehr holprigen, ungeteerten Weg mit riesigen Schlaglöchern (die netterweise mit WEIβEN KREISEN umkringelt sind, damit man sie auch sieht!)  den Hügel hinunter, dann über eine leidlich ordentliche Nebenstraβe  zur einzigen Hauptstraβe des Ortes. Diese ist nun wirklich gut in Schuss. Mit der aus dem Internet gefischten Beschreibung fahren wir allerdings glatt am Supermarkt vorbei und Mi flucht, weil sie nun wenden muss. Das letzte Mal Linksverkehr war für sie in Irland in den 90erJahren…! 

Sie verwechselt  andauernd den Blinker mit dem Scheibenwischer, was ihre Laune nicht gerade hebt.  Aber das Einkaufen macht uns Spaβ, denn die einheimischen Produkte sind wirlich alle sehr preiswert. Strahlend entdecken wir eine lange Theke, an der wir uns mit diversen leckeren und sehr preiswerten Speisen eindecken können. Obst und Gemüse gibt es jede Menge und auch der Wein ist ordentlich.

Der sich über Kilometer hinstreckende Ort selber ist leider uninteressant. Deshalb kein Foto. Sogar die berühmte Bucht sieht von unserer Terrasse  viel schöner aus als wenn man davor steht.

Unser Viertel allerdings ist das netteste mit vielen Villen und Gärten, die überquellen von Blumen, blühenden Büschen – wie den Bougainvilleas – und üppigen Grünpflanzen. Auch die „Flamboyant“- Bäume fangen gerade an, zu blühen, es ist eine Pracht!

GEBURTSTAG

Von Vogelgezwitscher im November geweckt zu werden, ist etwas ganz Besonderes und ich rekele mich genüsslich im Kingsize-Bett. Da kommt auch schon Mimi mit Kaffe, Lebenslicht und aus Paris mitgebrachten Geschenken sowie — rosa Champagner! Und den gibt es gleich am Ende des Frühstücks. Herrlich!

Ich bin glücklich über all die lieben Botschaften meiner Freunde per Mail und Whatsapp. In meinem Kalender steht der Spruch des Tages von Pippi Langstrumpf:  „ Habe es noch nie gemacht, KANN also nur gut werden.“ Tolles Motto für mein neues Lebensjahr!

Wir fahren nach FLIC EN FLAC, nur 10 Kilometer entfernt, aber sehr viel feiner als unser Dorf. Hier und noch etwas weiter im Süden, in Wolmar, sind die Nobel-Hotels wie Hilton & Co. angesiedelt. Sehen kann man kaum etwas hinter den hohen Hecken: Privatstrand und Zaun drum herum, „Resorts“ eben. Nix für uns. Wir fahren weiter zum öffentlichen Strand der genau so schön ist. Ein schattiges Plätzchen unter einem Filao lädt uns ein und ich kann zum ersten Mal in meinem Leben an meinem Geburtstag im Meer schwimmen!

Das Wasser ist noch etwas kühl. Klar, der  Sommer hat ja gerade erst begonnen  –  die Litschis sind noch zartrosa. Die Einheimischen, die hinter uns im Kiosk unter Palmen Musik und Tanz zelebrieren, bieten ein malerisches Bild. Ich bin zu müde und zu faul zum Fotografieren und überlasse es Mi. Ich döse lieber vor mich hin – gestern hat es in Saint Maur geschneit !! 

Abends gehen wir in ein von Françoise empfohlenes Thai-Restaurant

und zwar schon um 18 Uhr. Der Taxifahrer, der uns gestern vom Flughafen herbrachte, hatte uns nämlich vor dem „mörderischen Verkehr hier“ gewarnt – wohl in der stillen Hoffnung, uns vom Mietwagen abzubringen. Der Mann kennt Paris nicht! Aber er machte weiter und erzählte, dass die Einheimischen traditionell am Samstagabend saufen, danach „rasen und schlimme Unfälle“ bauen. Daher wollen wir  lieber früh zurück sein.

Auf dem Menü des hübschen Gartenrestaurants sind „wenig, mittel und SEHR“ scharfe Speisen aufgelistet. Ich wähle „wenig“ für eine Suppe, die ich nach dem ersten Löffel an Mi weitergebe, so scharf ist sie. Danach ist aber das Krabben-Gurken-Ananas Gericht sehr delikat und lecker. Was für ein wunderbarer Geburtstag, der auf unserer Terrasse ausklingt, wo wir einen letzten Gratulant entdecken:

LE MORNE BRABANT

Gut ausgeschlafen geht es am nächsten Tag Richtung Süden am Meer entlang auf die Halbinsel von Le Morne Brabant.

Der Felsen ist 556 m hoch, wild zerklüftet  und der markanteste Berg von Mauritius. Man kann ihn erklettern — muss aber nicht. Diese Insel war ja ursprünglich unbewohnt. In Besitz genommen wurde sie ab 1598; zuerst von holländischen, dann französischen und später von englischen Kolonialherren. Die Unabhängigkeit erhielt Mauritius erst 1968!

Die Franzosen hatten Sklaven aus Afrika auf die Insel gebracht. Diejenigen, denen die Flucht gelang, suchten Schutz auf Le Morne Brabant. Als 1835 die Sklaverei abgeschafft wurde, kamen die Briten auf den Berg, um ihnen die gute Nachricht zu überbringen. Aber die Geflohenen konnten nicht glauben, dass die Sklaverei tatsächlich abgeschafft worden war, und sprangen lieber in den Tod, als in Gefangenschaft zu geraten. So lautet zumindest die Legende. Wichtig für die Nachfahren der Sklaven – die den Berg als heilig betrachten – ist, dass er 2008 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Wir finden einen herrlichen Sandstrand mit kristallklarem Wasser vor, einfach wunderbar! 

Schwimmen, lesen, sonnen  (50% Sonnenschutz + Halbschatten!) Am Obstwagen erstehen wir vollreife Ananas und Mangos.            

Diesem tapferen Mann schauen wir zwei Stunden lang zu, wie er mit Wind und Wellen kämpft und es einfach nicht schafft, mehr als zwei Sekunden auf  seinem Brett zu stehen. Bewundernswert…

CHAMAREL

Heute geht es in die Berge und zwar auf vielen Serpentinen. Von dort oben wunderschöne  Ausblicke auf die Küste.

Überall herrliches Grün und Blumen über Blumen. Die Vögel kommen aus demTirilieren gar nicht mehr raus  – übrigens sogar nachts hier! Mimi wurde um 1H morgens durch lautes „Piou-piouuuuu“ geweckt, von einem kleinen feuerroten Vogel namens Foudi rouge oder  „Madagascarweber“, der wohl hier Urlaub macht.

Wir erreichen den Nationalpark von Chamarel, der von Sauberkeit und Wartung her genauso gut in der Schweiz stehen könnte. Dafür geben wir herzlich gerne 6,50 € aus. Auf einer sauber geteerten Straβe geht es zunächst zum ZWILLINGSWASSERFALL dessen Fluten 83 Meter in die Tiefe stürzen.

Danach fahren wir zu einem einzigartigen Naturschauspiel: „Die Erde der sieben Farben“. Tatsächlich handelt es sich nicht um Erde sondern um Lavagestein. Entstanden sind die Farben durch die Umwandlung von Basaltlava in Tonminerale.

Aufgrund von Wind und Wetter sind alle wasserlöslichen Bestandteile ausgewaschen worden. Nur das rötlich-schwarze Eisenoxid und das bläulich-violette-grünblaue Aluminiumoxid sind übrig geblieben. Da sich diese beiden Bestandteile auch vermischen können, kommt es zu den sieben verschiedenen Farben, die in unterschiedlichen Schichten angeordnet sind.

Wir sind fasziniert von diesem Wunder, denn sogar tropischer Regen kann den Farben nichts anhaben. Natürlich darf niemand diese Hügel betreten und in der Abendsonne sollen die Farben noch schöner wirken. Wir sind auch so hochzufrieden.

Nebenan in einem Gehege gibt es noch ein paar der seltenen ALDABRA Riesenschildkröten, die zweitgröβten der Welt.  Sie können bis zu einem Meter lang und 230 Kilo schwer werden — und das runde 150 Jahre lang!

Nun haben wir uns aber wirklich ein Glas mit frisch gepresstem Ananassaft verdient!

Danach zeigt uns eine der Verantwortlichen, wie man aus Zuckerrohr den Saft herauspresst: Das Rohr wird in der Mühle durch ständiges Nachschieben zerquetscht, hier im kleinen Stil sozusagen für den Hausgebrauch. Der Saft ist sehr süβ und schmeckt leicht nach Vanille mit einem Spritzer Zimt. Nun wollen wir aber auch wissen, was mit den Tausenden von Tonnen Zuckerrohr geschieht, die jeden Tag auf der Insel verarbeitet werden und daher fahren wir gleich weiter zur    

„RHUMERIE DE CHAMAREL“

Noch nie in meinem Leben habe ich eine so schöne Fabrik gesehen. Zwar müssen wir Eintritt bezahlen, werden dafür aber nach der Führung verschiedene Rumsorten probieren dürfen.

Wir fühlen uns sofort wohl hier. Edle Materialien wie das Holz der Dächer, die Steine des Ofens und das Wasser des Beckens  geben den Gebäuden eine Seele: Eleganz gepaart mit Authentizität. Der einheimische  Architekt Maurice Giraud hat sie Ende der neunziger Jahre gebaut.                    

Die Geschichte des Zuckers reicht von den ersten Pflanzungen der Holländer im siebzehnten Jahrhundert bis zum heutigen berühmten Braunzucker, der durch Konzentration und Kristallisation des Safts gewonnen wird. Unter der französischen Herrschaft schlugen die Sklaven aus Afrika und Madagaskar das Zuckerrohr. Als die Sklaverei von den Engländern verboten wurde, brauchte man neue Arbeitskräfte und fand sie in Indien.

Zwischen 1835 und 1865 kamen rund 450 000 „Gastarbeiter“ der niedrigsten Kasten Indiens und siedelten sich mit ihren Familien auf der Insel an. Daher ist auch heute noch ein sehr buntes Gemisch von Menschen in der Hauptstadt Mahebourg zu finden. Bei meinem ersten Besuch Weihnachten 1988 war ich begeistert, in der Kirche ein schwarzes Jesuskindlein in der Krippe zu sehen umgeben von hellbraunen, gelben, weiβen und schokoladenfarbenen Engeln…

Mauritius bietet viele grüne Landschaften, weil die Felder aus Zuckerrohr weit verbreitet sind. Elf Werke sind heute noch in Betrieb, in denen rund 600 000 Tonnen Zucker pro Jahr produziert werden. In Chamarel werden 15 Tonnen pro Tag verarbeitet. NIE MEHR! Nur durch diese geringe Produktionsmenge wird die Qualität des Rums konstant gehalten. Die umliegenden Zuckerfelder werden jeden Tag (!) von morgens um 5 bis 10 Uhr geschnitten und das Rohr wird zur Fabrik gebracht, wo es sofort verarbeitet wird. Zuerst wird es behämmert, dann zerstückelt und 3 Mal gepresst, bevor der „Jus“ zum Distillieren geht.

Das  Verkosten der 10 verschiedenen Rumsorten bestätigt mich danach allerdings in der Annahme, dass ich darin ein Banause bleiben werde, weil Rum nun mal nicht mein Bier ist…!

Dafür bin ich aber sehr dankbar für die Tipps einer einheimischen Dame, die im Dorf Vanillestangen verkauft. Sie warnt uns vor Betrügern in Andenkenläden, die die Stangen LEEREN und sie dann für volle verkaufen. Aufheben tut man sie am besten in einem Schraubglas, mit oder ohne Zucker bedeckt, wie’s beliebt!

Auch mit dem zweiten Museum – diesmal für Glas – haben wir Pech am nächsten Tag. Wegen riesiger Straβenbauarbeiten, netten aber leider inkompetenten Mauritiern, die immer nur „ gleich da hinten“ mit vager Geste sagen können und dem Fehlen jeglicher Hinweisschilder, finden wir die „Glasgallery“ in PHOENIX nicht. Wutschnaubend treten wir den Rückweg an und beruhigen uns erst wieder am Strand von Flic en Flac, wo wir wieder einmal  köstliche Ananas und Litschis futtern. Ich bade und schwimme mit Schnorchel und schaffe es wenigstens, ein halbes Dutzend Fische zu sehen.  

            

Heute leisten wir uns den Luxus von zwei Liegen mit Sonnenschirm. Das ist bequemer und wir sind vom Kreischen der einheimischen Kinder weit entfernt. Heute haben nämlich die zweieinhalb Monate dauernden Sommerferien begonnen. Wir führen eine interessante  Unterhaltung mit der Vermieterin. Sie erzählt uns, dass kein Mauritier das Schwimmen in der Schule erlerne. Sogar die Männer der Küstenwache können es nicht ! Es gibt keine öffentlichen Schwimmhallen. Deshalb also stehen die Einheimischen immer nur stundenlang bis zu den Knien im Wasser und unterhalten sich…. Sie vermietet übrigens ihre Liegen nur von Montag bis Freitag.

Am Wochenende würde das den Mauritiern gar nicht gefallen. Da wollen sie den Strand für sich alleine haben!

Sie nimmt uns gegenüber auch die vielen Motorboote in Schutz, die unserer Meinung nach viel zu dicht am Ufer entlang fahren und ihr Fahrzeug den Touristen anbieten: „So verdienen sie eben ihr Geld“. Auf dem Kreuzfahrtschiff „Aida“, das rund 3000 Menschen durch den Indischen Ozean schippert, kommen jede Woche auch Deutsche hierher. Die kennt sie fast alle — denn sie machen auf dem Schiff  Werbung für IHREN Strand, holen selbstständig die Liegen aus dem Schuppen und stellen sie für sich, ihre Familie und ihre Freunde auf… Wir finden das befremdlich – aber sie lacht: „ Die helfen uns doch“. Klar, so kann man es auch sehen.

Kurz bevor wir Tamarin verlassen, schieβt Mi noch dieses Foto von mir auf der Terrasse, um zu dokumentieren, wie man in nur 8 Tagen so braun werden kann.  

TROU AUX BICHES

Wir haben das Auto zurückgegeben und erfahren im Taxi, das uns zu unserer nächsten Bleibe fährt, vom Chauffeur noch so Einiges über die Insel und ihre Bewohner. Mauritius ist zwar eine Demokratie. Aber die Mauritier, die nicht arbeiten, bekommen keine finanzielle Unterstützung. Auch Kindergeld gibt es nicht. O-Ton:

Wenn Ihr 5 Kinder haben wollt, sie aber nicht ernähren könnt, ist das Eure Sache.

Wir kommen durch die Hauptstadt PORT LOUIS – eine moderne Stadt von 150.000 Einwohnern – und es wird von Minute zu Minute heiβer.

Das erklärt sich daraus, dass wir immer noch im Westen der Insel sind, aber nach Norden fahren und den berühmten Bergwall hinter uns gelassen haben. Er hält die Hitze vom Südwesten der Insel fern. Im Nordwesten ist es im Schnitt 3 bis 4 Grad wärmer als in Tamarin.

Unser Chauffeur hat Mühe, das „Palmenhaus“ zu finden, das wir für die nächsten 10 Tage gemietet haben. Auch das Städtchen Trou aux Biches wird erst 5 km vor Ort angezeigt und dann fehlen in unserer offenbar ziemlich neuen Siedlung noch die Nummernschilder in den Straβen..! Joëlle steht aber schon winkend Wache. Sie zeigt uns ihr Haus mit insgesamt ACHT Sicherheitsschlössern und Alarmanlage. Dazu kommt noch das Hoftor, also neun. Wir werden gebeten, sämtliche Fenster und Türen zu schlieβen, sobald wir das Haus verlassen. Diese sind alle mit schmiedeeisernen Gittern und Schlössern versehen. Natürlich sehen wir das ein, aber in der Praxis erweist es sich doch als sehr stressig, da jedes Schloss mit einem winzigen Schlüssel geöffnet und geschlossen wird. Wir fühlen uns wie in Fort Knox!

Dann kommen wir in den Garten mit gezählten 12 Palmen, einer riesigen Bananenstaude und dem Pool sowie angenehmer überdachter Terrasse, bequemen Liegen und Sonnenschirmen. Hier kann man es aushalten!

Das Haus ist einfach aber nett, in den Schlafzimmern oben unterm Dach ist es allerdings schon nachmittags SEHR heiβ. Wir haben jede einen groβen Ventilator zur Verfügung, es wird schon gehen. Für 35 € pro Tag und Person kann man nicht auch noch eine Klimaanlage erwarten. Zu meiner Freude gibt es auch hier eine kleine Bibliothek mit Büchern in drei Sprachen. Ich Leseratte bin nämlich schon wieder am Ende meiner mitgebrachten vier angekommen. 

Unser erster Gang führt zu „Popo“ wo ALLE Bewohner kaufen, sehr zur Freude des Besitzers, der es von einem einfachen Kramladen zum Supermarkt gebracht hat. Und er kann ja nichts für seinen Namen. Jedenfalls ist sein Geschäft gut bestückt und wir versehen uns mit allem Nötigen. Eine gute Viertelstunde zu Fuβ müssen wir zum Haus zurück laufen – was in der Nachmittagshitze kein Spaβ ist – aber unser Viertel hat schöne Villen und in diesem Ort grüβt man sich auf Englisch oder auf Französisch, was uns angenehm auffällt – und zwar nicht mit „Hallo“, sondern je nach Tageszeit mit „Good evening“ oder “Bonjour“. Das gefällt uns besonders gut.

Ein Spaziergang am Strand schlieβt sich an. Dieser ist nun wirklich viel schöner als der von Tamarin und hübsche Villen „les pieds dans l’eau“/direkt am Wasser säumen ihn. Im Meer gibt es allerdings eine Menge Steine, zum Teil von respektabler Gröβe und wir müssen noch zehn Minuten weiter laufen, bis wir zu den groβen Hotels kommen, die sich natürlich das beste Stück Strand unter den Nagel gerissen haben.

Vor einem von ihnen lassen wir uns nieder, gehen schwimmen und beobachten das Treiben auf Wasser und Strand. Dieser lichtet sich schlagartig um18 Uhr (genau wie am nächsten Mittag um zwölf), denn die meist älteren Herrschaften müssen pünktlich zur Schlacht am kalten Büffet antreten… Wir lachen noch bis nach Hause,denn unser Essen neulich um 18 Uhr war die absolute Ausnahme. ImUrlaub essen wir, wenn wir Hunger haben.

Vorher holen wir uns aber noch beim Chinesen KWAN PENG unser Abendbrot.

Sein Laden ist so bekannt , dass er sogar einen Artikel in der französischen Presse hatte. Die kleine Kaschemme ist von einer Schlange Touristen nur so belagert, was sich durch die SEHR leckeren „Mine + Boulettes“, also gebratene Nudeln mit Rindfleisch und Gemüse erklärt,die geradezu lächerlich preiswert sind. Hier werden wir wohl auch kaum kochen.

MONT CHOISY

Am nächsten Morgen fahren wir per Bus zum Strand von MONT CHOISY. Die hiesigen Linienbusse sind wirklich ein neues Erlebnis. Sie sind uralt, starren vor Dreck und man muss sich überwinden, den Halteknopf zu drücken. Gegen die Hitze gibt es hier nur offene Fenster – und sogar Türen…!

Gut angezeigte Haltestellen sind die Ausnahme, nicht die Regel. Nirgends kann man rauskriegen, wann ein Bus fährt, alle warten gottergeben darauf, dass einer in der nächsten (halben) Stunde kommt. Der Bestimmungsort steht zwar vorne drauf, aber man muss die Straβenkarte der Gegend schon quasi auswendig kennen, um zu erraten, ob wir mit dem nächsten zu dem gewünschten Ort kommen werden.           

Die 3 Stufen des Einstiegs sind so hoch, dass ich Mühe habe, sie zu erklimmen und ich bewundere so manche Einheimische, die behende hinauf hüpfen. Die allermeisten (männlichen) Schaffner sind ungefähr so freundlich wie eine Gefängnistür. Man könnte meinen, das sei alles: weit gefehlt. Geschwindigkeitsbeschränkungen sind hierzulande nur dazu da, übertreten zu werden! Mimi hatte ja schon während wir im Mietwagen fuhren festgestellt, das Mauritier grundsätzlich ihr Auto in einer KURVE anhalten und zwar möglichst gegenüber von einem anderen, der auch  gerade mal musste…

Ansonsten gibt es Raser und Schnecken, einer von ihnen fuhr sogar mehrere Kilometerlang solche Schlangenlinien vor uns, dass uns angst und bange wurde. Da sind wir im Bus besser dran, wir müssen uns NUR festhalten und werden ordentlich durchgerüttelt, das ist alles.  Ich hatte den Schaffner auf Englisch gebeten, an der Haltestelle des Strandes von Mont Choisy für uns anzuhalten, da wir ja noch nicht wussten, wo genau der ist. Als wir aber ein einem sehr langen Filao-Wald vorbeifahren, hinter dem der Indische Ozean durchschimmert, stupse ich den Herrn an, der gerade am Surfen auf seinem Telefon ist. Er springt auf wie von der Tarantel gestochen, drückt den Haltknopf und der Fahrer legt eine so erstklassige Bremsung hin, dass wir fast aus dem Bus fallen…und total vergessen, uns zu bedanken (wie es hier Sitte ist). Wir laufen durch den Wald und stehen auf einmal vor DEM STRAND unserer Träume. Genau SO soll er sein:

Keine Steine oder tote Korallen, dafür entzückendekleine lila Muscheln. Er ist sauber geharkt, das Wasser ist glasklar, warm und ohneQuallen oder sonstiges Getier. Ich weiβ sofort, dass ich von den 8 Tagen, die uns noch bleiben am liebsten 7 hier verbringen möchte, denn schöner geht es beim besten Willen nicht.

Dazu gibt es auβerdem einen hochherrschaftlichen Service!  Sobald wir es uns nämlich auf den Sonnenliegen bequem gemacht haben, wird uns Neuankömmlingen sofort von  den Mauritiern, die überall zwischen Straβe und Wald ihre Foodtrucks  aufgestellt haben, der Hof gemacht.

Der erste bringt uns frisch gepressten Fruchtsaft, der zweite die Speisekarte fürs Mittagessen und der Dritte zieht bedröppelt ab, weil wir schon alles haben…. Einfach himmlisch: 10 hausgemachte winzige Samousas, knusprig frisch und LECKERST für 2,50 €. Und sie vor dieser Kulisse verspeisen zu dürfen ist einmalig! Ein junger Mann mit blinkendem Goldzahn bedient uns. ALLE sind ausgesucht höflich und egal ob es sich um Schmuck, Massagen oder immer andere kulinarischen Köstlichkeiten handelt, niemals aufdringlich. Wir schwelgen und kommen sofort am nächsten Tag wieder.

Groβe Aufregung am Strand, alle stehen und ein Raunen geht um: „ Ein Wal “ Wie bitte? Das kann in dem seichten Wasser keinesfalls sein. Die groβe dunkle Wolke, die sich nun im Wasser auf uns zubewegt stellt sich als ein riesiger Schwarm winziger Fische heraus. Lustig! Leider verwackele ich das Foto.

Es ist einfach wunderbar hier und wir werden nicht müde, dem Treiben auf dem Meer zuzuschauen: den Segelbooten und der kleinen künstlichen Insel der „Reichen und Schönen“ mit aufgepflanztem Sonnenschirm, den Ballons  und den Bananen-Schlauchboote mit ihrer Ladung von juchzenden Jugendlichen…. Herrlich!

Die Stunden rinnen dahin und als es am Nachmittag sogar unter dem Sonnenschirm zu heiβ wird, nehmen wir den Bus zurück und sodann ein erfrischendes Bad im Pool, von wo aus wir den „auf dem Kopf stehenden“ Mond bewundern.

BOTANISCHER GARTEN VON PAMPLEMOUSSES

Es ist der älteste Botanische Garten in der südlichen Hemisphäre und zählt zu den schönsten weltweit. Es war ein Franzose, der ihn 1736 errichtete, nämlich der Gouverneur Mahé Labourdonnais. Er wollte dort eigentlich  nur Gemüse züchten. Doch der Garten wurde von Pierre Poivre, einem erfolgreichen Geschäftsmann, übernommen, der das Potential erkannte und auβer Blumen und Bäumen auch zahlreiche Gewürze anbauen lieβ (nomen est omen: er hieβ ja Pfeffer !).  Das alles und mehr erfahren wir von unserem einheimischen Führer, der mit einer geschickten Mischung von „etwas Deutsch“, „ziemlich gutem Französisch“ und vielen Witzchen uns über eine Stunde lang durch dieses Wunder führt.

Alleine 95 verschiedene Palmenarten gibt es zu bestaunen, davon eine, die TALLIPOT, welche nur ein einziges Mal blüht  (dazu muss sie zwischen 40 und 60 Jahre alt werden) und danach stirbt. Leider tut sie uns den Gefallen heute nicht – ich meine, zu blühen!

Orchideen gibt es natürlich  und den „Leberwurstbaum“ aus  Senegal.

Die einmaligen Riesenseerosen

    Der Mahagonibaum

Und immer wieder Palmen 

Alles ist interessant und schön, wie kommen aus dem Staunen nicht heraus. Und haben nach diesem Besuch auch reichlich Zeit, ihn zu verdauen, denn von unseren beiden Bussen – wir müssen einmal umsteigen – geht einer mittenmang kaputt und wir müssen eine Stunde auf einen „neuen“ warten…! So schön diese Insel auch ist und so nett ihre Einheimischen – leben könnte ich hier nicht! Viele Franzosen (davon auch ein Bekannter, der damit prahlte, sich eine „Villa gleich neben dem Golf “ bauen zu lassen, „mit Personal natürlich“!) lassen sich hier als Rentner nieder, denn die Preise für Häuser und Wohnungen sind unvergleichlich niedriger als in Frankreich. Dazu gibt es noch Steuerersparnisse, denn die Insel  kann den Zuwachs wirtschaftlich gut gebrauchen. Aber organisieren können sie noch weniger als die Franzosen – und das will was heiβen!

Abends genieβen wir den Sonnenuntergang am Meer mit mitgebrachter Schorle und Chips. Wir denken an Paris wo NULL GRAD sind…!

Die letzten Tage teilen wir auf zwischen unserm Strand in Trou aux Biches und den in Mont Choisy, lassen den lieben Gott einen guten Mann sein, lassen den Besuch in PORT LOUIS sausen, denn die gepriesenen dortigen Kolonialhäuser

haben wir genau so schön noch vor uns auf der Ile de la Réunion, die wir hoffentlich im nächsten Jahr besuchen werden. Auβerdem wird es von Tag zu Tag heiβer. Der 1. Dezember eröffnet die Hauptsaison und sofort werden die Preise für Sonnenliegen und Schirme angehoben. Aber für uns macht unsere nette Vermieterin eine Ausnahme und bleibt beim alten Preis ! Also genieβen wir diese letzten Tage jede Minute lang – denn WEM ist es schon vergönnt, seinen Geburtstag drei Wochen lang in der Sonne zu feiern?

Was bleibt: Chamarel und die Rhumerie, Trou aux Biches und Mont Choisy.

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