2020 – KORFU

Das Schönste ist doch immer der Abflug! Vor allem nach so langer Zeit, denn seit der Rückkehr aus Mexiko sind mehr als fünf Monate vergangen. Wir haben ab Ende März « le confinement », also das Ausgangsverbot wegen Corona bis zum 11.Mai überstanden und haben uns danach sogar einen kleinen Ausflug nach NRW und nach Holland geleistet. Aber das ist auch schon wieder Wochen her und nun möchten wir dieser Angst machenden Atmosphäre mit den ewig gleichen Nachrichten über die Anzahl der Getesteten, der Kranken und der Toten im Pariser Raum entfliehen. Und zwar dahin, wo wir schon vier Mal waren und immer noch nicht genug davon haben, nach AGIOS GIORGIOS PAGON, an der Nordwestküste von Korfu gelegen. Während wir in Orly, wo nur noch EIN Terminal geöffnet ist, die obligaten zwei Stunden warten müssen, denke ich an unsere erste Reise nach Korfu zurück. Das war 2001.

Total blauäugig hatten wir nur unseren Flug und für die erste Woche ein Mietauto gebucht, nach dem Motto:

Wir werden schon was Nettes finden.

Auf einer griechischen Insel! Im AUGUST!! Arme Irre!!! Wir haben am ersten Tag den ganzen Nordosten und Norden abgeklappert – von KONTOKALI, DASSIA und BARBATI bis SIDARI und ARILLAS – und unsere Gesichter wurden immer länger, denn entweder war es zu touristisch für uns, nicht ‘griechisch’ genug, oder alles war restlos ausgebucht. Gegen 15 Uhr hatten wir wenigstens schon mal ein freies Doppelzimmer (über einem Restaurant gelegen) gefunden und waren sicher, nicht am Strand übernachten zu müssen. Und dann, auf einmal, nach einer rumpeligen Fahrt über eine kleine mit Löchern durchsetzte Nebenstraβe, kamen wir um eine Ecke – und da lag sie vor uns, diese wunderbare Bucht!

Wir hatten das Glück, sofort hinter der “Katoi-Bar” eine kleine Ferienwohnung zu finden, nur 80 Meter vom Strand entfernt, bescheiden zwar, aber – bitteschön! – mit einem Morgenbalkon und einer Abendterrasse. Der Preis war lächerlich niedrig und er ist es bis heute geblieben. Nun sind wir sehr gespannt, ob und was sich in zehn Jahren geändert hat, denn 2010 waren wir zum letzten Mal hier. 

Das TRANSAVIA-Flugzeug ist klein und doch recht voll, dafür dauert der Direktflug aber auch nur zweieinhalb Stunden. Unser Pilot ist schon mal guter Laune, zum Scherzen aufgelegt:

Wohin geht’s denn heute eigentlich? SANTORINI. Ach nee, das ist morgen. Heute ist Korfu und wir sind ausnahmsweise sogar mal pünktlich dran.

Schön für uns! Wir haben das Riesenglück, einen freien Platz zwischen uns zu haben. Also los geht’s und dieses ABheben wie ein Vogel hat für mich immer noch jedes Mal etwas ERhebendes an sich! Freude am Flug und Vorfreude auf das, was uns erwartet. 

Das ist erst einmal eine ziemlich grimmig aussehende Uniformierte, die uns am Eingang der Empfangshalle barsch “To the desk!” beordert. Dort sitzen zwei griechische Polizisten, die JEDEN Ankömmling mit einem Glasröhrchen versehen und ihn in einen durch Schiebetüren und Vorhänge improvisierten Raum schicken, wo eine Ärztin den Corona-Test vornimmt. In ganz Griechenland gab es durch diese drastische Maßnahme bisher ‚nur‘ 390 Tote! Wir haben vorgesorgt, denn wir wollten keinesfalls dieses Übel auf die Insel einschleppen.  Also haben wir uns am Donnerstag testen lassen und bekamen am Freitag die erlösende “negativ” Antwort nebst offiziellem Papier, das wir nun stolz der Ärztin zeigen, die uns daraufhin sehr herzlich einen schönen Urlaub wünscht. 

Unser Taxichauffeur fährt die ersten 40 km wie ein Teufel, auf der Hauptroute sogar glatte Hundert, aber wir bleiben gelassen, denn wir kennen das ja: die letzten fünf wird er SCHLEICHEN, weil die Löcher in der Straße noch größer und tiefer als vor 10 Jahren sind! Logisch, da die griechische Regierung aus Geldmangel nichts für die Infrastruktur der Insel tut und diese ist wohl zu arm (oder zu zerstritten unter den Gemeinden?), um sich drum zu kümmern. Aber nun: das Taxi hält nicht mehr vor einer kleinen Bar

sondern vor dem recht großen KATOI-RESTAURANT, das jetzt um 15 Uhr allerdings leer ist – bis auf einen Tisch, an dem die „Kinder“ von Haroula und Nikos sitzen. Sie sind nun zwei junge Erwachsene. Sohn Nikos ist der Küchenchef und Tochter Fay kümmert sich um die Vermietung der Sonnenliegen am Strand, wo man ebenfalls bei ihr Getränke, Eis oder Pommes bestellen kann.  Papa macht die Einkäufe, steht aber auch in der Küche und hinter der Vermietung der Appartements. Die immer noch genau so schöne Mama hält mit gewohntem Schwung den ganzen Laden am Laufen, egal, ob sie im Restaurant hinter der Theke steht oder morgens den Garten hegt, die Bedienung antreibt oder mit den Gästen plaudert.

Der ehemalige Vorgarten mit seinen Palmen (und leider auch mit den darin wohnenden Zikaden) hat einem Parkplatz weichen müssen und es gibt auch einen nagelneuen Anbau mit zwei modern gestylten Ferienwohnungen – aber ‚unser‘ weißes Haus mit den 4 Studios steht  einladend etwas abseits wie eh und je.

Das Studio ist natürlich auch nach 19 Jahren nicht größer geworden, aber die Betten sind nagelneu und bequem. Die Miniküche werden wir wie immer nur fürs Frühstück gebrauchen und im Bad fehlt es egal weg an Haken…

Aber wir bescheiden uns gerne damit, weil wir nirgends in Deutschland, Frankreich oder Italien für 25 € pro Person und Tag so wunderbar nahe am Meer wohnen könnten!

Der Blick vom Balkon ist durch das Abholzen der Bäume noch schöner geworden. Auch der von der Terrasse auf den Garten, die Feigenbäume, die Oliven, die Mandeln und Kiefern ist immer noch so beruhigend. Hier werden wir uns gut erholen!

Bisher haben wir brav die Maske getragen aber nun entledigen wir uns ihrer mit Freuden, denn wir werden unsern ersten griechischen Salat essen gehen und zwar auf der Terrasse unseres Restaurants. Der Salat ist so riesig – und so lecker – dass wir ihn sogar zu zweit nicht schaffen.Wir werden noch mehrmals bei ihnen essen, einmal gibt es eine Pizza nur etwas kleiner als ein Wagenrad, an der wir zwei Abende zu futtern haben, ein anderes Mal isst Mi die beste Moussaka ihres Lebens – die Portionen sind wirklich enorm, was die etwas höheren Preise als die der anderen Restaurants vom Ort wohl rechtfertigt. Hier trägt ausser den Besitzern und der Bedienung niemand die Maske, wie schön. Nachher, im Supermarkt, ist sie natürlich wieder Pflicht.

Nach unserm ersten Strandspaziergang und den obligaten Einkäufen danach fürs Frühstück morgen, machen wir ihm nebst einer Flasche Retsina (der übrigens viel besser geworden ist in den letzten 10 Jahren!) den Garaus und genießen überglücklich den Vollmond „so rund und schön“ auf der einen und den Abendfrieden über der Bucht auf der anderen Seite. Das wiedergefundene Paradies…

Ha, das erste Ferienfrühstück ist doch wie immer das Allerbeste mit Rührei, Tomaten und Feta auf durchaus annehmbaren Graubrot in Scheiben (Vollkorn gibt‘s hier leider nicht in diesem Jahr, denn es sind nicht genügend deutsche Touristen da…). Während wir uns gütlich tun – leider immer mal wieder von nimmersatten Wespen gestört – beobachten wir, wie Papa Nikos die Küchentür aufschließt, uns ein sonores „Kalimera“ hinaufruft und gleich danach die tägliche Lieferung von Obst, Gemüse und Fleisch entgegennimmt. Unten auf der Straße laufen die Jogger und auch im Meer sind die ersten Sportlichen zu sehen. Nur die Strandliegen sind noch verwaist und wir haben das Glück, die Ecke der ersten Reihe zu erwischen. So sind wir dem Meer am nächsten und haben schön viel Platz um uns herum. Es sind – sogar für Ende August – wirklich nur wenige Touristen da. Das Wasser ist am Vormittag erstaunlich frisch und wärmt sich erst am Mittag auf. Aber was für ein Glück, wieder in dieser wunderbaren 5 km breiten Bucht zu sein, mit dem Blick nach links auf die „grünen Berge“ und nach rechts bis hinauf zum Dorf Afionas!

Früher sind wir dort abends manchmal hinaufgelaufen, was eine gute Stunde dauerte, aber mit einem leckeren „lamb in the oven“ belohnt wurde und einem herrlichen Blick auf die kleine Insel Karvi.

Das ist nun in diesem Jahr nicht möglich wegen der Schmerzen in meinem Knie. Mal sehen was nächste Woche sein wird – erst einmal wollen wir ausruhen, sonnen, lesen, träumen und natürlich schwimmen. Unser erstes Bad 2020!  Aber auch „Strandkino“ gucken, denn ab mittags wird es voller. Wir hören viel Englisch und alle Arten „östlicher“ Sprachen (hauptsächlich russisch, polnisch, kroatisch). Leider gibt es immer wieder Damen, die trotz üppigster Leibesfülle unbedingt einen Bikini anziehen müssen, wenn möglich auch noch in NEONfarben – dicht gefolgt von riesigen Bierbäuchen und schrecklich vielen Tätowierungen seitens der Herren.

Ah, hier kommt der griechische Obst- und Gemüsewagen, dessen Besitzer mit ersterbender Raucherstimme wie folgt per Mikrofon krächzt:“ Corfou, Corfou, Vitamina, Vitamina!“ Wir essen ab jetzt jeden Mittag nur Obst: herrliche kleine Weintrauben mit zarter Haut und ohne Kerne, saftig-süße Pfirsiche und – das Höchste! – zuckersüße Feigen vom Baum im Garten selbst gepflückt!

So können wir jeden Abend ohne schlechtes Gewissen schlemmen: zum Beispiel schwelgen wir in den besten „Keftedes“ vom Ort, Lammfleischbällchen mit einem fantastischen Avocado-Thunfischsalat und Pommes, im „NAUSICAA“. Dessen Besitzer sieht ganz genau so aus wie vor 10 Jahren, ist aber inzwischen 68 und möchte gerne den Laden verkaufen. Leider will ihn keines seiner Kinder übernehmen. Dabei ist sein Terrassen-Restaurant voller als einige andere, denn seine angeheiratete Küchenfee macht wirklich alles selbst, gute und sehr preiswerte Hausmannskost (30 € zu zweit samt Wein!). NUR bei ihm gibt es die fantastischen dicken Bohnen und natürlich, wie überall, den Blick aufs Wasser (die Stromleitungen sind eben typisch griechisch…)

Was uns speziell bei ihm auffällt: es gibt keine griechische Hintergrundmusik mehr, sogar als ich ihn darum bitte. Seine Kassetten sind alle abgenudelt und im Radio spielt man leider auch in Griechenland nun noch den amerikanischen Popeinheitsbrei. Ich darf rauchen und als „Dessert“ bietet er uns je ein großes Glas Ouzo an, welches wir aber dankend ablehnen (ich mag kein Anis und Mi nimmt ihn in kleinen Mengen nur als Aperitif).

Am nächsten Morgen fängt der Mistral an, zu wehen. Auwei, da können wir nur hoffen, dass wir mit drei Tagen davonkommen (er kann nämlich auch 6 oder 9 Tage dauern), denn schon am Nachmittag wird das Meer spürbar kühler und am dritten Tag müssen wir sogar ab mittags in unseren Garten flüchten, so schlimm wirbelt der Sand am Strand auf! Das Wasser ist nun wirklich zu kalt und abends ziehen wir sogar einen leichten Pullover über, um zum Restaurant „DIXTIA“ zu gehen. Auf der Strandpromenade sehen wir die typischen kleinen Korfu-Lilien,

aber leider ebenfalls, dass das Grand-Hotel geschlossen ist – auch in diesem Land kommen die kleinen Pensionen und Ferienwohnungen besser über die Runden als die großen Hotels, denn die fehlenden Reisegruppen, zumal die aus dem Norden, machen sich schlimm bemerkbar.

Im DIXTIA werden wir so herzlich begrüßt, als ob wir nicht vor Jahren sondern vorgestern hier gegessen hätten. Der Inhaber ist ein sprach- und wortgewandter Mann, immer zu einem Scherz aufgelegt und nebenbei auch noch ein toller Wespenjäger ! Wir essen gut und preiswert auf der Terrasse mit dem Blick auf das nun perlmuttfarbene Meer, von dem wir einfach nicht genug bekommen können.

Auf dem Rückweg halten wir  beim Supermarkt an und decken uns mit Mitbringseln für unsere Lieben ein (nebenbei bekomme ich auch noch, oh Wunder, die in der ganzen EU seit dem 20. Mai verbotenen Menthol-Slim-Zigaretten und zwar für nur 39 € die Stange gegenüber 100 € in Paris. Es lebe Hellas!). Am nächsten Tag gehen wir hinauf ins Dorf, um einen blauen Peugeot für drei Tage zu mieten (den ich von 130 auf 100 € runterhandele) und fahren los – leider ohne eine gute Straßenkarte. Es gibt sie IMMER noch nicht und wir müssen mit einer sehr „ungefähren“ aus dem Jahr 2001 vorlieb nehmen… Diese Tatsache und das Fehlen jeglicher Wegweiser abseits der Hauptstraßen machen das Fahren stressig! Wir verpassen auch prompt den Abzweig in unserm Ort nach AFIONAS (Wegweiser auf der falschen Seite, uneinsehbar!) und finden uns auf einer winzigen Straße auf dem Bergrücken wieder. Rechts ein Olivenhain, links ein Gut, wo glücklicherweise ein junges Mädchen ein Pferd führt und uns den richtigen Weg zeigt. Wir freuen uns auf das Dorf auf dem Berg, wo wir schon viele fröhliche Stunden beim Apéro oder beim Essen erlebt haben. Hier ein Foto vom Sommer 2008.

Oh Himmel, was ist denn nun los? Lauter junge Leute, offenbar reich wie ihre Autos beweisen, viele Asiaten, die kleine Hauptstraße ist so voll, dass wir Mühe haben, einen Parkplatz zu finden. Die Deutschen an der Ecke neben der Kirche mit ihrem Handel von Gegenständen aus Olivenholz sind allerdings immer noch da und auch das Sträßchen, welches zum Restaurant „Dionysos“ führt, wo wir öfter waren und einmal sogar Sirtaki getanzt haben. Doch nun kommt die einzige aber große Enttäuschung dieser Reise: aus unserm einfachen typisch griechischen Restaurant ist vor einem Jahr das eindeutig schicke „ZEUS THRONE RESORT“ geworden, mit einer von Sonnensegeln überdachten Terrasse, einem Pool auf dem Dach des Hotels (!) und dem entsprechendem Publikum.

Dafür knöpfen sie uns auch VIER € für ein paar Oliven (und noch nicht mal die besten) zum Ouzo und Martini ab. Kein Ort, an dem wir bleiben mögen, trotz des immer noch einzigartigen Panoramas. Wie jammerschade!

Am nächsten Morgen fahren wir gen Norden und wollen doch mal sehen, ob unsere Bucht wirklich die schönste ist oder ob wir vor 19 Jahren etwas übersehen haben. Erstes Dorf: ARILLAS. Hübsch, aber der Strand ist nass bis fast zu den Felsen. Nichts für uns. Weiter geht’s zum berühmten Strand von AGIOS STEPHANOS mit Jachthafen, ziemlich mondän. Auch nichts für uns. Die beiden Dörfer AVLIOTES und PEROULADES reißen uns ebenfalls nicht vom Hocker, obwohl der Blick nach Apulien hinüber reizvoll ist.

Strand Arillas

Auffallend in diesen Dörfern sind die oft wie neu aussehenden Dächer und Hausfassaden – allerdings immer nur auf der Schattenseite der Durchfahrtsstraße. Merkwürdig.

Ganz schlimm finden wir wieder SIDARI, typisch touristisch, hässlich und voll. Wir ergreifen die Flucht. Schöne Rückfahrt durchs Binnenland mit wundervollen Olivenhainen überall!

Bevor wir wieder unsere Sonnenliegen beziehen, fahren wir noch beim Autoverleih vorbei, um eine sehr wichtige Frage zu stellen:

Können wir morgen Abend mit dem Peugeot zum ‚FISHERMAN’S CABIN‘ fahren?

“Keinesfalls, ganz unmöglich!“ Wir würden das Mietauto ruinieren, weil die Straße nur noch mit Jeep zu befahren ist. Als sie unsere langen Minen sieht, macht uns die nette Litsa folgenden Vorschlag: „Bringen Sie uns das Auto morgen gegen 20 Uhr wieder und mein Mann wird sie zum Restaurant fahren und nach Ihrer Mahlzeit wieder abholen.“ Wir sind baff vor soviel Freundlichkeit und nehmen mit Enthusiasmus an, denn wir freuen uns sehr auf dieses Essen. In meinem Tagebuch von 2010 steht: Einmalig gut gelegen, tolle Fischplatte, was will man mehr? Am nächsten Abend sitzen wir kaum alle drei im Jeep, als Costa auch schon losbraust und Mi fast am Dach anstößt. Der Weg ist wirklich „Loch an Loch und hält doch!“, grauenhaft ausgefahren und ich klammere mich an der Armlehne fest bis wir angekommen sind. Auch hier hat sich was getan:

Vor den Öffnungszeiten bleiben wir perplex stehen. Klar ist anders. Der Eigentümer ist noch genauso brummig wie vor 10 Jahren, gibt uns aber doch, obwohl wir nicht reserviert hatten (Sünde!) den letzten freien Zweiertisch mit Blick aufs Meer. Der Garten ist noch ebenso schön wie früher, aber längst nicht voll trotz der Reklame bei ‚Tripadvisor‘ und Konsorten. Vielleicht hat es sich doch rumgesprochen, dass es keine Menükarte am Tisch gibt sondern nur eine große Tafel mit allen Speisen, die uns von dem netten Servierfräulein geduldig erklärt wird – es ist nämlich VERBOTEN, die Tafel zu fotografieren! Und nebenbei hängt noch dieses Schild:

Es gibt kein Wifi hier und wir nehmen nur Bargeld. Keine Hetze bei uns, wenn Ihr es eilig habt, kommt morgen wieder.

Da muss einer schon ein verflixt guter Koch sein, um sich solche Ankündigung leisten zu können! Wir sind immer gespannter…

… und werden nicht enttäuscht, denn schon das Auberginenmus mit Mandeln und Zitrone ist das leckerste, was ich je gegessen habe. Mi bekommt danach in einer malerischen großen Muschel servierte Safran-Linguine mit riesigen Langustinen. Ich habe mich für einen „nach Omas Rezept“ bereiteten Kalmar entschieden und bereue es keine Minute lang, obwohl ich einige Mühe habe, die wuchtige Portion aufzuessen. Die Füllung des Tieres ist eine köstliche Mischung aus Käse, Kräutern und Gewürzen, und das beiliegende Gemüse sowie der Salat sind top! Also „lieber den Magen verrenken als dem Wirt etwas schenken“ (besser der netten Serviererin ein gutes Trinkgeld dalassen) und den – leider zu warmen – Limoncello als Abschiedsgeschenk dankend entgegennehmen. Niemals hätten wir woanders so gut direkt am Meer für nur 30 € pro Person gespeist!

Costa bringt uns richtig wieder nach Hause (mit Rücksicht auf die genossene Mahlzeit fährt er etwas langsamer…) und freut sich über unser süßes kleines Geschenk. So sind wir alle drei hochzufrieden.

Die letzten Tage vergehen wie im Flug an unserem Strand. Der wird zwar nicht jeden Morgen fein geharkt, dafür können die Besitzer aber auch alle Sonnenliegen unaufgestapelt und unangekettet über Nacht da lassen, denn hier wird nicht geklaut. Es gibt kaum Muscheln, doch schöne Steine, die meine Sammlung in Paris bereichern werden.

Jeden Morgen stellen wir fest, wer die „Neuzugänge“ sind, da man sie an der bleichen Farbe erkennt. Eine ganze Bande junger deutscher Handballer macht sich mit lautem Gekreisch unbeliebt – aber wir müssen doch lachen, als sie an uns vorbeimarschieren und einer sich über „diese verdammte Scheißsonne“ beklagt. Wohingegen das ältere Pärchen uns schweigend amüsiert, denn beide wollen das „Aufrechtpaddeln“ lernen. Das geht so: sie hält sich an seiner Glatze fest und benützt das Paddel als Stock! Aber beide schaffen es am zweiten Tag und wir gratulieren alle!

Ach, ist es so erholsam, alles Andere einmal auszublenden, nur das Flirren der Sonne zwischen den Palmwedeln und auf dem Meer zu genießen

und mit Tucholsky ‚die Seele baumeln‘ zu lassen. Oder um es feiner mit Sophokles zu sagen: Das weitaus schönste Glück ist das plötzliche. Das Jetzt und Hier!

Am letzten Abend gehen wir noch einmal zum „Dixtia“ und essen wieder ganz köstliche Sachen: fangfrischen Sardinen und gefüllte Gemüse, dazu einen letzten Retsina und hinterher noch einen vom Wirt ausgegebenen Limoncello, der diesmal gut gekühlt ist. Als wir uns überschwenglich bedanken und unserm „Wespenheld“ erzählen, das wir leider morgen nach Hause fliegen, bittet er uns, einen kleinen Moment zu warten — und kommt wieder mit dem, was er uns schenken kann, nämlich für jede einen papierne Tischdecke seines Restaurants. DAS ist griechische Gastfreundschaft. Wir werden sie nicht vergessen!

WAS BLEIBT: Das Sich-nicht-sattsehen-können an dieser schönen Bucht!

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